Auktion: 419 / Klassische Moderne am 05.12.2014 in München Lot 327

 
327
Gustav Klimt
Schwangere im Profil nach links, Studie zu "Hoffnung I", 1903/04.
Bleistiftzeichnung
Schätzung:
€ 10.000
Ergebnis:
€ 13.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Schwangere im Profil nach links, Studie zu "Hoffnung I". 1903/04.
Bleistiftzeichnung.
Strobl 986. Auf bräunlichem Zeichenpapier. 45 x 30,5 cm (17,7 x 12 in), Blattgröße. [KD/JS].

PROVENIENZ: Galerie Welz, Salzburg (verso auf dem Unterlagekarton mit einem typografisch bedruckten Etikett).
Privatsammlung Rheinland-Pfalz.

Gustav Klimt wird am 14. Juli 1862 im heutigen XIV. Wiener Bezirk Baumgarten als Sohn eines Goldgraveurs geboren. 1876 beginnt er sein Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule. Seine künstlerische Laufbahn steht zunächst unter dem Einfluss Hans Makarts, was vor allem bei ersten Aufträgen für Theaterdekorationen und Deckengemälde sichtbar wird. Schon bald erhält Klimt für seine Arbeiten Auszeichnungen. Um die Jahrhundertwende - Klimt ist gerade dabei, Wand- und Deckendekorationen für die Universität zu erstellen - entwickelt er einen neuen, flächig-ornamentalen, dekorativen Stil, in dem sich natürlich wiedergegebene Details der Körperformen mit abstrakten, farbig-kostbaren, mosaikartigen Flächenmustern verbinden.

Das sehr gut dokumentierte zeichnerische Werk Gustav Klimts zeugt von einer unermüdlichen Schaffenskraft, die in Form der ebenso spontan wie sicher ausgeführten zeichnerischen Studien eine fundierte Basis für sein eindrucksvolles malerisches Œuvre liefert. Mit charakteristischem Strich hat Klimt in der vorliegenden Zeichnung, welche im Zusammenhang mit dem der Entstehung neuen Lebens gewidmeten Gemälde "Hoffnung I" (National Gallery of Canada, Ottawa) entstand, das schwangere Modell im strengen Profil festgehalten. Unmittelbar mit Klimts Leben verbunden ist zum damaligen Zeitpunkt die Erfahrung von Schwangerschaft und Tod, von Werden und Vergehen. Sein im Juni 1902 unehelich geborener Sohn stirbt im Alter von nur drei Monaten. Mit der Mutter, Marie Zimmermann, hat Klimt nicht nur wegen des zweiten gemeinsamen Sohnes Gustav ein sehr inniges Verhältnis. Ob sie ihm auch für die Zeichnungen zur "Hoffnung I" Modell stand, ist jedoch nicht abschließend belegt.

Im gleichen Zeitraum ist Klimt in der Wiener Secession aktiv, deren Gründungsmitglied er bereits 1897 ist und der er als erster Präsident vorsteht. Für das Secessionsgebäude von Josef Maria Olbrich fertigt Klimt 1902 den berühmten "Beethovenfries" an, der noch heute im Untergeschoss des Baus zu besichtigen ist. 1905 jedoch verlässt Klimt mit einer Gruppe Gleichgesinnter die Secession wegen Konflikten mit dem naturalistischen Flügel der Künstlervereinigung.
Klimts Motive sind teilweise provokativ erotisch, teilweise verspielt ornamental. Er schafft beeindruckende Porträts, insbesondere von Damen der Wiener Oberschicht, aber auch intensiv verdichtete Landschaftsbilder. Als Liebling bestimmter Kreise der Wiener Gesellschaft der ausgehenden KuK-Monarchie vermag er wie kaum ein anderer den Geist des Feudalbürgertums mit seinem Streben nach ästhetischer Kultivierung und dem Verlangen nach gesteigertem Lebensgenuss im Fin-de-Siècle zu schildern. Klimt reist viel - eine seiner bemerkenswertesten Arbeiten findet sich so nicht in Österreich, sondern in Brüssel: Er entwirft die Dekoration des Esszimmers im Palais Stoclet von Josef Hoffmann, einem Gesamtkunstwerk des Wiener Jugendstils. Die internationale Anerkennung des Künstlers durch zahlreiche Ausstellungen bewegt schließlich auch die konservativen Geister, ihm Ehrung zukommen zu lassen: Obwohl eine Professur Klimts wiederholt abgelehnt worden war, wird er 1917 Ehrenmitglied der Akademien in Wien und München. Am 6. Februar 1918 stirbt Gustav Klimt nach einem Schlaganfall in seiner Heimatstadt Wien.

327
Gustav Klimt
Schwangere im Profil nach links, Studie zu "Hoffnung I", 1903/04.
Bleistiftzeichnung
Schätzung:
€ 10.000
Ergebnis:
€ 13.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)