Auktion: 409 / Klassische Moderne und Seitenwege der dt.Avantgard am 06.12.2013 in München Lot 28

 
28
Max Slevogt
Don Quixote - Nachtwache (Don Quijote und Rosinante), 1908.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 10.000
Ergebnis:
€ 31.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Don Quixote - Nachtwache (Don Quijote und Rosinante). 1908.
Öl auf Malpappe.
Imiela S.383. Links unten signiert und datiert. 39,5 x 49,5 cm (15,5 x 19,4 in).

Die Authentizität der vorliegenden Arbeit wurde von Herrn Bernhard Geil mündlich bestätigt.
Das Werk gehörte einst Herrn Dr. Eduard Fuchs, einem Freund von Max Slevogt. Eduard Fuchs hat dieses Werk wohl direkt aus dem Atelier von Max Slevogt gekauft. Später wurde es von den Nationalsozialisten aus politischen Gründen wegen seines politischen Engagements für die SPD beschlagnahmt. Auf Nachfrage von Ketterer Kunst verzichteten alle Erben nach Dr. Eduard Fuchs rechtsverbindlich auf die Geltendmachung von Restitutionsansprüchen im Hinblick auf dieses Werk.

PROVENIENZ: Sammlung Eduard Fuchs.
Lempertz, 1966, Kunst des 20. Jahrhunderts, Kat. 494, Tafel 1.
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Max Slevogt. Ausstellung zum 50. Geburtstag des Künstlers, Freie Secession und Paul Cassirer, Berlin, 1918, Kat.Nr. 109 (Titel: Don Quichote, Nachtwache).

1884-1890 studiert Max Slevogt an der Münchner Akademie und sein Werk steht in dieser Zeit noch unter dem Einfluss von Wilhelm Trübner, Wilhelm Leibl und Arnold Böcklin. Eine Reise nach Italien 1889/90 trägt zu seiner Loslösung vom Münchner Akademiebetrieb bei. Slevogt bleibt aber dennoch ab 1890 in München. Stilbeeinflussend für seine Arbeiten ist sein Interesse für die Niederländische Kunst, u.a. besucht der Künstler 1898 eine Rembrandt-Ausstellung in Holland. Nach kurzem Aufenthalt in Frankfurt lässt er sich 1901 in Berlin nieder, während er die Sommermonate auf seinem Landgut Neukastel in der Pfalz verbringt. Noch 1901 wird er als Professor nach München berufen, 1914 schließlich wird er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und leitet ab 1917 ein Meisteratelier. Paul Cassirer stellt die Werke Slevogts ab 1899 aus, ebenso erwächst eine enge Verbindung zur neu gegründeten Berliner Sezession. Wesentliche Seiten in seinem Schaffen sind durch die Verflechtung seines malerisch-zeichnerischen und musikalischen Talents bedingt, denn der Künstler ist auch ein begabter Sänger und Pianist. Seine Verehrung gilt besonders Wagner und Mozart. Daneben pflegt er Freundschaft zu dem Sänger d'Andrade, den er in zahlreichen Porträtskizzen und Rollenbildnissen darstellt.

Das Gesamtwerk Max Slevogts ist durch den Impressionismus geprägt, weist aber auch Elemente der älteren Malerei, des Symbolismus und des Jugendstils auf. Im Frühwerk dominieren noch dramatisierte Themen, Gemälde von dunkler Farbigkeit, die sich in ihrer Darstellungsweise bewusst gegen die tradierte Historienmalerei wenden. Dabei sucht er nicht nur eine Neuorientierung im Kompositorischen: Max Slevogt findet in der Verzweiflung des Individuums auch ein Thema, das ihn nicht mehr loslässt. Don Quichotte wird neben Samson die zentrale Figur, an der sich die Grenzen menschlicher Selbstbestimmtheit für den Künstler manifestieren. Don Quixote greift Max Slevogt von nun an immer wieder in seinen Gemälden auf. Unser Gemälde ist eines der frühesten Beispiele.

Die zunehmende Kenntnis des französischen Impressionismus führt Slevogt dann aber zu einer lichten Palette und einer pastosen Malweise, die er beibehält. Das Verhältnis von Licht und Farbe wird zum bildbestimmenden Faktor für seine Arbeiten. Nicht nur als Maler zählt Slevogt zu den bedeutendsten deutschen Künstlern am Anfang des 20. Jahrhunderts, sondern auch als Illustrator und Grafiker ist er von herausragender Bedeutung. [KD/EH].

28
Max Slevogt
Don Quixote - Nachtwache (Don Quijote und Rosinante), 1908.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 10.000
Ergebnis:
€ 31.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)