Auktion: 409 / Klassische Moderne und Seitenwege der dt.Avantgard am 06.12.2013 in München Lot 376

 

376
Francis Picabia
Mains et fantômes, 1948.
Öl auf Hartfaserplatte
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 122.000

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Mains et fantômes. 1948.
Öl auf Hartfaserplatte.
Borràs 899. Links unten signiert. 91,5 x 72,5 cm (36 x 28,5 in), Sichtmaß.

PROVENIENZ: Stiftung Hans und Sophie Taeuber-Arp, Claumart (verso mit zwei Etiketten).
Sammlung Johann Wasmuth (Nachlass), Rolandseck (verso mit dem Etikett).
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Galerie Fürstenberg, Paris (verso mit dem Etikett).
Kunsthalle Basel (verso mit dem Etikett, dort mit der Nummerierung "No 0309")
Francis Picabia, Musée d'art Moderne, Paris (verso mit dem Etikett).
Galerie Brusberg, Berlin (verso mit dem Etikett).

Ab 1894 studiert Picabia an der Ecole des Arts Décoratifs in Paris. Stilistisch beeinflusst ihn anfänglich die Schule von Barbizon, später, durch die Bekanntschaft mit Camille Pissarro angeregt, die Malweise der Impressionisten. Die erste Einzelausstellung mit einundsechzig Landschaftsgemälden findet 1905 in der Pariser Galerie Haussmann statt. Ab 1909 setzt sich Picabia mit fauvistischen und kubistischen Einflüssen auseinander. Er freundet sich mit Marcel Duchamp an und knüpft Kontakte zu Apollinaire, Delaunay, Kupka und Léger. 1912 beteiligt er sich an der Gruppenausstellung "Section d'Or", an der die wichtigsten Vertreter des Kubismus teilnehmen. Die Malweise, der sich ab 1912 auch Picabia bedient, nennt Apollinaire "Orphismus". Zwischen 1913 und 1917 hält sich der Künstler mehrfach in New York auf, wo er mit Man Ray und Alfred Stieglitz in Kontakt steht und unter dem Einfluss seines Freundes Duchamp ironische Bilder und Zeichnungen von Maschinen entwirft. Mit seiner dadaistischen Poesie und seinem literarischen Engagement ist Picabia einer der aggressivsten und nihilistischsten Vertreter des Dadaismus. Bis 1924 gibt er die dadaistische Zeitschrift "391" heraus, daneben schreibt er für Tristan Tzaras Züricher DADA-Zeitschrift. Auf dessen Einladung hin schließt er sich 1918 der Schweizer Dada-Gruppe an und ist nach seiner Rückkehr nach Paris im Jahr 1919 der Verbindungsmann zwischen der Züricher und Pariser Dada-Bewegung. 1924 schließt Picabia sich der von Bréton ins Leben gerufenen surrealistischen Bewegung an. Als er 1926 nach Mougins in Südfrankreich zieht, entstehen Materialbilder sowie die sogenannten "Monster-Bilder" in aggressiv leuchtender Farbigkeit. Inspiriert durch romanische Fresken beginnt Picabia gegen Ende der zwanziger Jahre mit seinen "Transparenzen" - Bilder, die in mehreren transparent übereinander liegenden Farbschichten gemalt sind und so eine Räumlichkeit erhalten.

Picabia kehrt 1945 nach Paris zurück und findet durch die Begegnung mit Matta, Soulages und Hartung erneut zur Abstraktion. Zum einen durch die Schrecken des 2. Weltkrieges als auch durch die persönliche Erfahrung einer 1944 erlittenen Gehirnblutung ist Picabia an einem emotionalen wie künstlerischen Wendepunkt angelangt, der sein Werk fortan in entscheidender Weise prägen wird. Wie in der vorliegenden Arbeit erschließt sich der Künstler eine existentielle Bildsprache, in deren Zentrum ideographische Zeichen und archaische Symbole stehen, welche sich auf verschiedenden Bildebenen überlagern und miteinander in eine sematische Korrelation treten. Jene subtilen Schöpfungen bieten einer Vielzahl inhaltlicher und emotionaler Assoziationen Raum und gehören heute zu den gefragtesten Werken des Künstlers.

Die neuen "Punkt-Bilder" - Metaphern für Keimzellen, Pflanzenteile und Phalli - werden in der Galerie "Deux Iles" gezeigt. Eine zunehmende Arteriosklerose und ein Schlaganfall setzen schließlich der künstlerischen Tätigkeit Picabias ein Ende. Picabia stirbt am 30. November 1953 in Paris. [KP/JS].




376
Francis Picabia
Mains et fantômes, 1948.
Öl auf Hartfaserplatte
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 122.000

(inkl. 22% Käuferaufgeld)