Auktion: 409 / Klassische Moderne & Seitenwege der dt.Avantgarde am 06.12.2013 in München Lot 158

 
158
Marc Chagall
Couple et Poisson, 1967.
Farblithografie
Schätzung:
€ 10.000
Ergebnis:
€ 25.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Couple et Poisson. 1967.
Farblithografie.
Sorlier CS 34. Signiert und nummeriert. Im Stein bezeichnet "CH. SORLIER SCULP." und "MARC CHAGALL PINX.". Aus einer Auflage von 75 römisch nummerierten Exemplaren. Auf Velin von Arches (mit dem Wasserzeichen). 62 x 46 cm (24,4 x 18,1 in). Papier: 74,5 x 52 cm (29,3 x 20,4 in).
Blatt 9 (von 12) der Folge "Nizza und die Côte d´Azur". Gedruckt von Mourlot, Paris. Ausgeführt von Charles Sorlier anhand einer Gouache von Marc Chagall (verso mit der typografischen Bezeichnung).

Die Studienzeit verbringt Chagall zunächst in Witebsk, anschließend an der Petersburger Akademie bei Leon Bakst, der ihn auf Cézanne, van Gogh und Gauguin hinweist. Diese Einflüsse werden abgelöst von kubistischen und fauvistischen Tendenzen, die Chagall ab 1914 während eines vierjährigen Parisaufenthaltes zunehmend in seine Arbeit miteinbezieht. Seinen eigenen Stil - motivisch eine irreale Kombination symbolischer Bildmotive, bestehend aus jüdisch-religiös geprägten Kindheitserlebnissen und russischer Volkskunst, gepaart mit traumhaften Elementen und dem Einfluss der in Paris entdeckten modernen Kunst - entwickelt Chagall erst nach seiner Rückkehr nach Russland. In Witebsk gründet er 1919 eine Kunstschule und wird deren Direktor. Im selben Jahr übernimmt er die Ausstattung des Jüdischen Theaters in Moskau. 1922 verlässt Chagall endgültig Russland und geht über Berlin, wo die ersten grafischen Blätter, Radierungen zu der Autobiografie "Mein Leben", entstehen, nach Frankreich zurück. 1923 in Paris angekommen macht Chagall die Bekanntschaft mit dem Kunsthändler Vollard, der die Buchillustration des Werkes "Die toten Seelen" von Gogol in Auftrag gibt. Nach weiteren 100 Radierungen zu La Fontaines "Fabeln" entstehen ab 1930 die Bibelillustrationen, insgesamt 105 Blätter. Ausgedehnte Reisen führen den Künstler in diesen Jahren nach Palästina, Ägypten, Holland, England und Spanien. 1941 flieht Chagall in die USA, wo er die folgenden sechs Jahre lebt. Er entwirft in dieser Zeit Bühnenbilder für Ballettaufführungen von Tschaikowsky ("Aleko") und Strawinsky ("Feuervogel"). Nach einer großen Ausstellung im Museum of Modern Art 1946 kehrt der Künstler 1950 nach Frankreich zurück. Einige Großaufträge unterbrechen sein beschauliches Leben in Vence: Für verschiedene öffentliche Bauwerke wie z.B. die Kathedrale von Metz (1958), die Synagoge der Hadassah-Universitätsklinik bei Jerusalem (1960), oder das Haus der Vereinten Nationen in New York (1964) entwirft Chagall Glasfenster. Für die Pariser Oper wird ihm ein Deckengemälde in Auftrag gegeben. Als dieses 1964 fertiggestellt ist, beginnt Chagall mit Wandgemälden in der Metropolitan Opera in New York, die 1967 eingeweiht werden. Das umfangreiche Werk Chagalls umfasst darüber hinaus noch die Bereiche der Keramik und Plastik, mit denen sich der Künstler ab 1950 befaßt.

Chagall hat diese Farblithografie als eine Huldigung an sein Gastland Frankreich angesehen. Er entwickelt in Frankreich einen poetisch inspirierten Stil der romantischen Verklärung aller Sujets, die ihn bewegten. Ein schwebendes Liebespaar, umkränzt von Blumen, nur von einem Fisch beobachtet, bei Chagall wird alles zum Märchen, zum unwirklichen Zauber des Unschuldigen. Das hat ihm ein Terrain eigener Bildfindungen gesichert, die unverwechselbar und rätselhaft den Betrachter in eine Welt der Phantasie entführen.

Neben anderen zahlreichen Auszeichnungen erhält Chagall 1977 vom damaligen Präsidenten Frankreichs Valéry Giscard d’Estaing das Großkreuz der Ehrenlegion. Es folgen weltweit umfangreiche Ausstellungen, in denen auf seine internationale Bedeutung und seinen enormen Einfluß auf die Kunst des 20. Jahrhunderts hingewiesen wird. Ab 1978 fertigt Chagall für die Pfarrkirche St. Stephan in Mainz die Entwürfe zu den Chorfenstern an, von denen neun zu Lebzeiten von ihm selbst auch ausgeführt werden.Nach seinem Tod am 28. März 1985 werden die übrigen von einigen seiner Schüler fertig gestellt. [EH/DB].

158
Marc Chagall
Couple et Poisson, 1967.
Farblithografie
Schätzung:
€ 10.000
Ergebnis:
€ 25.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)