Auktion: 409 / Klassische Moderne & Seitenwege der dt.Avantgarde am 06.12.2013 in München Lot 368

 
368
Hans Purrmann
Stillleben mit Madonna, 1924.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 81.740

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Stillleben mit Madonna. 1924.
Öl auf Leinwand.
Billeter 1924/29. Links unten signiert. 92,5 x 74 cm (36,4 x 29,1 in).

AUSSTELLUNG: Hans Purrmann. Stilleben, Akte, Interieurs. Kunstverein Speyer 1990, Kat. S. 94 mit Abb.

Neben einer Lehre als Stubenmaler im väterlichen Geschäft studiert Hans Purrmann während der Wintermonate 1895-97 an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe und lernt dort den Maler Rudolf Levy kennen. Zum Wintersemester 1897 nimmt Purrmann das Studium an der Akademie der bildenden Künste in München auf, zunächst in der Zeichenklasse Gabriel von Hackls, dann in der Malklasse Franz von Stucks. 1905 zieht es Purrmann nach Paris, wo er Henri Matisse kennenlernt und sich im Kreis der deutschen Maler im Café du Dôme aufhält. Auf Anregung von Purrmann und Sarah Stein wird 1908 die "Académie Matisse" eröffnet, zu deren ersten Schülern Friedrich Ahlers-Hestermann, Franz Nölken und Mathilde Vollmoeller, Purrmanns spätere Frau, gehören. Im selben Jahr reist Purrmann mit Matisse nach Deutschland, 1909/10 sollen zwei weitere Aufenthalte folgen. Der Kriegsausbruch überrascht ihn im württembergischen Beilstein, wo er zunächst zwei Jahre bleibt, während sein Pariser Besitz beschlagnahmt wird. Purrmann beginnt, sich in größerem Umfang bis in die 1920er Jahre mit Druckgrafik zu beschäftigen. 1916 übersiedelt er nach Berlin, wo er regelmäßig an den Ausstellungen der Freien Sezession teilnimmt. In dieser Zeit beginnt seine Freundschaft mit Karl Scheffler und die Mitarbeit an dessen Zeitschrift "Kunst und Künstler". 1918 findet in den Räumen der Berliner Kunsthandlung Paul Cassirer die erste große Einzelausstellung Purrmanns statt. Auf Vorschlag von Liebermann und Slevogt wird Purrmann 1919 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Die Akademie bietet ihm eine Professur an, die er aber ablehnt. In den 1920er Jahren folgen zahlreiche Studienreisen nach Italien.

Das umfangreiche malerische Werk von Hans Purrmann ist in der Landschaft der deutschen Malerei des zwanzigsten Jahrhunderts eine fast singuläre Erscheinung. Keinen Dogmen folgend hat Purrmann konsequent den Weg eines Malers beschritten, der in der Gestaltung des rein Visuellen seine Erfüllung findet. Dass ihm die Gabe einer intuitiven Erfassung der elementaren Wirkung von Farbe im Raum zufiel, darf als besonderes Glückselement seiner Malerei angesehen werden. Das Optisch-Visuelle ist sein Thema und Purrman bleibt darin ein Meister. Seine Landschaften und Stillleben, aber auch seine Porträts sind in ihrer Farb- und Formenfülle unerreichte Meisterwerke der sicheren Beherrschung einer Maltechnik, die zum besonderen Merkmal seiner Malerei wird. Sie ermöglicht es ihm, Sujets frei von gedanklichem Ballast zu gestalten. Ein gewisser Dekorativismus aus der Zeit der engen Beziehung zu Henri Matisse bleibt und wird von Hans Purrmann künstlerisch verarbeitet. Seine Gemälde sind der sinnenfrohe Ausdruck einer Malerei, die in sich ruht und daraus ihre Kraft schöpft. Wer hat Farbe je so ungezwungen leuchten lassen und ihr trotz aller Realitätsnähe in der Darstellung einen so freien Raum gegeben?

1931 erhält Purrmann den Auftrag, die Stirnseite des Tagungssaales im Kreistag zu Speyer zu gestalten, er entscheidet sich für das Thema "Allegorie von Kunst und Wissenschaft" in Form eines Triptychons. 1935 zieht Purrmann nach Italien und übernimmt die Verwaltung der Deutschen Künstlerstiftung Villa Romana in Florenz. In Deutschland gilt er als "entarteter Künstler", seine Arbeiten werden aus öffentlichen Museen entfernt und er erhält Ausstellungsverbot. Dieser Sachverhalt erschwert seine Position in Florenz. 1943 wird seine Berliner Wohnung zerstört und Purrmann flieht nach dem Sturz Mussolinis in die Schweiz. Das Kriegsende erlebt Purrmann in Montagnola, wo er den Schriftsteller Hermann Hesse kennenlernt. 1946 nimmt der Künstler seine publizistische Tätigkeit wieder auf. Die folgenden Lebensjahre sind geprägt von einer umfangreichen Ausstellungstätigkeit und zahlreichen Ehrungen. Zu seinem 80. Geburtstag findet im Kunstverein Hannover eine große Einzelausstellung statt, 2006 zeigt die Kunsthalle Tübingen die Retrospektive "Hans Purrmann - Im Kräftespiel der Farben". [KD].

368
Hans Purrmann
Stillleben mit Madonna, 1924.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 81.740

(inkl. 22% Käuferaufgeld)