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Auktion: 406 / Moderne Kunst am 08.06.2013 in München Lot 99

 
Objektbeschreibung
Françoise sur fond gris. 1950.
Lithografie.
Bloch 681. Mourlot 195. Signiert und nummeriert. Aus einer Auflage von 50 Exemplaren. Auf gräulichem Ingres Canson-Papier, aufgewalzt auf Velin von Arches (mit Wasserzeichen). 63 x 47,3 cm (24,8 x 18,6 in). Papier: 75 x 56,7 cm (29,5 x 22,3 in).

Die Neigung zur Kunst wird Pablo Picasso schon von seinem Vater, der Kunstprofessor an der Akademie in Barcelona ist, in die Wiege gelegt. Picassos Gemälde aus den frühen Pariser Jahren zeigen Einflüsse von Toulouse-Lautrec, Daumier und Gauguin. Die Auseinandersetzung mit Jugendstil und Symbolismus führen Picasso zum Stil seiner "Blauen Periode", in der der elende, magere, leicht anämische Mensch zum Bildthema wird. Es dominiert der Pessimismus der Fin-de-Siècle-Stimmung. Anders zeigt sich die folgende "Rosa Periode", die im Umfeld eines innovativen Künstlerkreises in Paris zu neuen Ausdrucksformen führt. Arbeiten in zarten Pastelltönen entstehen, die oftmals Szenen aus der Zirkuswelt zeigen. Die "Demoiselles d'Avignon" aus dem Jahr 1907 markieren den Auftakt zu seiner kubistischen Periode, mit der er den klassischen Formenkanon sprengt. Die von 1909 bis 1912 entstandenen Werke zählt man zum analytischen Kubismus: die Bildoberfläche wird in rhythmisch geordnete Flächenteile zergliedert. Ab 1912 bindet Picasso außerdem konkrete Objekte ein und es entstehen erste Collagen. Nach einer realistischen Phase um 1915 und der Beschäftigung mit dem Ballett Diaghilews 1917 gelangt Picasso zu einem neoklassizistischen Stil. Fünf Jahre später stößt er durch seine Auseinandersetzung mit dem Surrealismus abermals in neue Ausdrucksbereiche vor. Den nächsten Wendepunkt markiert das 1937 entstandene Werk "Guernica". Es entsteht als Auftragswerk für den spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung und kritisiert damit vor den Augen der Weltöffentlichkeit die Luftangriffe der Franco-freundlichen deutschen Legion Condor während des spanischen Bürgerkriegs auf das baskische Dorf Guernica. Nach dem Zweiten Weltkrieg zieht sich Picasso nach Südfrankreich zurück und beginnt um die Mitte der vierziger Jahre mit der Gestaltung und Bemalung von Keramiken; dazu entsteht ein Großteil seiner grafischen Arbeiten: Zeichnungen, Lithografien, Radierungen und Linolschnitte. Er erarbeitet zahlreiche Zyklen, in denen er Motive seiner eigenen früheren Bilderwelt mit historischen Vorbildern von Delacroix, Velázques und Manet kombiniert.

Der zweite, endgültige Zustand dieser Lithografie entsteht am 19. November 1950. Die Dargestellte ist Françoise Gilot, eine französische Malerin und Grafikerin der Nouvelle École de Paris und Buchautorin. 1964 veröffentlicht sie ihre mitreißende Autobiografie "Leben mit Picasso", in der sie ihren Lebensabschnitt von 1943 bis 1953 an der Seite des 40 Jahre älteren Picasso beschreibt, dem sie zwei Kinder, Claude und Paloma, schenkt. Picasso stellt seine damalige Lebenspartnerin in zahlreichen Gemälden, Zeichnungen und Grafiken dar.

Picasso gilt als Inbegriff des modernen Künstlers, der stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen ist. Sein gewaltiges ¼uvre ist widerspruchsvoll, sprengt alle akademischen Fesseln und ist bahnbrechend für die Freiheit der Kunst des 20. Jahrhunderts. [DB].

99
Pablo Picasso
Françoise sur fond gris, 1950.
Lithografie
Schätzung:
€ 55.000
Ergebnis:
€ 61.000

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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