Auktion: 410 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 07.12.2013 in München Lot 1123

 
1123
Tony Cragg
Sharing, 2005.
Bronze
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 109.800

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Sharing. 2005.
Bronze.
Mit dem Künstlersignet sowie mit dem Gießerstempel "Schmäke Düsseldorf". Eine von 6 Varianten. Ca. 98 x 111 x 110 cm (38,5 x 43,7 x 43,3 in).

Durch die unterschiedliche, von Hand ausgeführte Bearbeitung erhält diese Bronze Unikatcharakter. Sie wird hier erstmalig auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: www.artnet.de).

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Der als Bildhauer und Grafiker international berühmt gewordene Tony Cragg kommt im Jahr 1949 in Liverpool als Sohn eines Elektroingenieurs zur Welt. Auch Tony Cragg beginnt zunächst eine naturwissenschaftliche Laufbahn. Er möchte Wissenschaftler werden und arbeitet von 1966 bis 1968 als biochemischer Labor-Assistent bei "Natural Rubber Producers Research Assoc." Schon bald aber bemerkt Tony Cragg, dass ihm Kunst näher liegt als Naturwissenschaft. Noch während seiner Zeit als Labor-Assistent entstehen Zeichnungen und Landschaften aus Gummi, wenig später folgen die ersten Assemblagen. Nach Besuch des Grundkurses am Gloucestershire College of Art + Design in Cheltenham (1969/70) schreibt sich Cragg schließlich an der Wimbledon School of Art ein. Hier studiert er bis 1973 als Schüler von Roger Ackling und Jim Rogers. Im Anschluss immatrikuliert sich Cragg am Royal College of Art und studiert dort bis 1977 Skulptur. Nach Beendigung des Studiums zieht der Künstler nach Wuppertal, wo er bis heute lebt und arbeitet. In den 1970er Jahren stoßen die Bewegungen Land Art, Minimal Art, Arte Povera und Konzeptkunst die künstlerische Entwicklung von Tony Cragg maßgeblich an und befruchten zahlreiche unterschiedliche Werkgruppen vorrangig in der Plastik, aber auch in den grafischen Künsten. Oft bleibt die naturwissenschaftliche Prägung des Künstlers dabei spürbar. Dies ist auch in vielen seiner bedeutenden Spätwerke der Fall, deren Strukturen oft zwischen Gegenstandslosigkeit und Biomorphismus changieren. Seit den 1980er Jahren gilt Tony Cragg als einer der wichtigsten Meister der "New British Sculpture" und ist ein international gefeierter Künstler. 1988 kann er England bei der Venezianischen Biennale repräsentieren und wird mit dem renommierten Turner Prize geehrt. Noch im selben Jahr wird er als Professor und Prorektor an die Düsseldorfer Kunstakademie berufen. 1994 nimmt die Royal Academy in London Tony Cragg als Mitglied auf.

Das Besondere an Tony Craggs Skulpturen ist ihre unglaubliche ästhetische Wirkung. Meisterlich erschafft der Künstler Formen und Figurationen, die nicht nur für sich stehen, sondern vielmehr in den Raum hineinwirken und ihn unmittelbar einbeziehen. Zwei strukturgebende Modi werden hier wirksam: Einerseits erarbeitet Cragg extrem massive und geschlossene Formen, die den Raum gleichsam zu verdrängen scheinen, andererseits erschafft der Künstler Skulpturen, die trotz ihrer Stabilität fragil und leicht erscheinen, in ihrer durchbrochenen Auffassung mit dem Raum interagieren, ihn in sich aufnehmen. Letztgenannten Werken ist die hier vorliegende Arbeit "Sharing" zuzurechnen: Cragg zeigt einen Kopf, der über und über von gleichmäßigen Löchern durchbrochen ist. Besondere Seh-Eindrücke erschafft der Künstler durch die Überlagerung der gelöcherten Ebenen sowie durch die erst auf den zweiten Blick erkennbaren weiteren Gesichter, die sich an den Kopfseiten anschließen und den Titel der Arbeit bildlich umsetzen, teilen sich doch die drei Antlitze den einen Kopf. Somit erblickt der Betrachter eine Skulptur, die aus jedem Blickwinkel neue Sichtweisen offenbart und alle Sinne in höchtem Maße anspricht.

Werke von Tony Cragg werden heute in bedeutenden internationalen Museen der Öffentlichkeit präsentiert, darunter das Amsterdamer Stedelijk Museum, die Londoner Tate Gallery, das Museum Ludwig in Köln oder das Lenbachhaus in München. [KP].
Tony Cragg ist u.a. vertreten in:
• Tate Gallery, London
• Lisson Gallery, London/Mailand
• Galerie Thaddaeus Ropac, Paris/Salzburg
• Galerie Thomas, München
• Konrad Fischer Galerie, Berlin/Düsseldorf
• Marian Goodman Gallery, New York/Paris
• Galerie Karsten Greve, Köln/Paris/Mailand
• Stedelijk Museum, Amsterdam

1123
Tony Cragg
Sharing, 2005.
Bronze
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 109.800

(inkl. 22% Käuferaufgeld)