Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 60

 
60
Kurt Weinhold
Der Materialist (Gegenwart), 1931.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 26.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Der Materialist (Gegenwart). 1931.
Öl auf Leinwand.
Golinski 247. Links unten signiert, datiert und bezeichnet "Calw". Verso signiert, datiert, bezeichnet und betitelt "Gegenwart". 109,5 x 109 cm (43,1 x 42,9 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Kurt Weinhold wird am 28. September 1896, als Sohn des Künstlers Carl Weinhold, in Berlin geboren. Seine Jugend, die er in Essen und Bonn verbringt, ist durch eine intensive Beschäftigung mit bildender Kunst, Musik und Literatur geprägt. 1911 siedelt die Familie in die damalige Kunstmetropole nach München über. Schon früh zeichnet sich Kurt Weinhold durch ein hohes Maß an Kreativität und Phantasie aus. Sein zeichnerisches und malerisches Können wird schon früh von seinem Vater gefördert, indem er ihm die Grundbegriffe der künstlerischen Techniken vermittelt. Trotz der Aufforderung durch Carl von Marr, seine Ausbildung an der Münchner Akademie zu vervollkommnen, zieht es Kurt Weinhold vor, sich weiterhin autodidaktisch fortzubilden. 1922 heiratet er die in Calw in Baden-Württemberg ansässige Margarete Schütz und lässt sich in ihrem Heimatort nieder. Dort widmet er sich nicht nur seinem Schwerpunkt, dem menschlichen Bildnis - immer in Auseinandersetzung von Geist und Materie -, sondern hat erstmals Gelegenheit, sich dem Studium der Natur zu widmen. In dieser Zeit entstehen zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen. Zudem entwickeln sich freundschaftliche Beziehungen zu Künstlern wie Kurt Schlichter, Otto Dix und George Grosz. Ende der 1920er Jahre erlebt der Künstler erstmals Erfolg bei Kritikern und Publikum. Seine Arbeiten werden in ganz Deutschland gezeigt.

Die Sozialkritik in der deutschen Kunst der zwanziger und dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts lässt in ihrer Spannbreite die gesellschaftlichen Verwerfungen erkennen, die die Jahrzehnte nach dem Ersten Weltkrieg prägen. Dem nivellierenden Element einer sozialen Angleichung in der Gesellschaft ist in diesen Jahren der harte Existenzkampf, als reiner Kampf um das Dasein, entgegengesetzt. So geraten die Gewinner dieser Umschichtung immer mehr in den Fokus einer Gesellschaftskritik, die sich mit der reinen Anprangerung der sozialen Missstände nicht zufrieden gibt. Materialismus contra religiös motivierter Daseinsbewältigung scheint das zentrale Thema zu sein, das Weinhold zu diesem etwas drastischen Sujet bewegt hat. Wie anders wäre der im Hintergrund Stehende in seiner drohenden Leidensgeste wohl zu verstehen. Die besitzergreifenden Hände des Materialisten lassen auf den Charakter eines Menschen schließen, der die Sinnerfüllung des Lebens in der Anhäufung materieller Güter sieht, die erregten Auges visionär erspäht werden. Die erotische Aura des Materiellen ist gegenwärtig und wird doch drohend verfolgt von jener anderen Seite der Sinnsuche, die in Entsagung und Verzicht Heil und Erfüllung sucht. Weinhold greift hier zu äußerst drastischen Mitteln um seine Botschaft zu überbringen, doch sind die Sujets seiner Zeitgenossen, wie etwa George Grosz oder Otto Dix, nicht weniger direkt in der Schilderung des falschen Glanzes der 1920er Jahre, als Ausdruck einer Gesellschaft, die sich selbst betrügt.

Dem nationalsozialistischen Regime tritt Kurt Weinhold mit offener Ablehnung entgegen und wird zum „entarteten Künstler“ ohne Malverbot erklärt. Der zuvor erlebte Erfolg kommt zum Erliegen und der Künstler zieht sich immer mehr in die innere Emigration zurück. 1940 wird Kurt Weinhold gesundheitsbedingt aus dem Dienst für die Armee entlassen. Wegen seiner stetig offen gezeigten Systemkritik erlässt das Regime einen Verhaftungsbefehl gegen ihn, welchem der Künstler durch Porträtreisen ins Ausland immer wieder entgehen kann. Nach 1945 zieht Kurt Weinhold aus der sich im Umbruch befindenden Kunstszene neue schöpferische Kraft für sein Werk. Er nimmt Formen der gegenstandslosen Malerei auf und bindet diese in seine stetige Auseinandersetzung von Geist und Materie ein. Nach zahlreichen Studienreisen in den Süden Europas stirbt der Künstler 1965 in seiner Wahlheimat Calw. [KD].

60
Kurt Weinhold
Der Materialist (Gegenwart), 1931.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 26.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)