Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 47

 

47
Gabriele Münter
Studie auf Blau, 1915.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 97.936

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Studie auf Blau. 1915.
Öl auf Leinwand.
Verso mit dem Nachlassstempel und einem Aufkleber mit der teils handschriftlichen, teils gestempelten Nachlassnummer "V 9" sowie ein weiteres Etikett mit der gestempelten Nummerierung "1358". Auf dem Keilrahmen handschriftlich bezeichnet "G Münter 1915 Studie auf Blau". 40,5 x 52,8 cm (15,9 x 20,7 in).

Mit einer schriftlichen Bestätigung der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München, vom 10. Dezember 2012. Die Arbeit wird in das Werkverzeichnis der Gemälde von Gabriele Münter aufgenommen.

PROVENIENZ: Galerie Norbert Blaeser, Düsseldorf (dort in den 1980er Jahren erworben).
Privatsammlung Hessen.

Den ersten Unterricht erhält Gabriele Münter 1897 an der Düsseldorfer Damen-Kunstschule, die weitere Ausbildung im Künstlerinnen-Verein als Schülerin von M. Dasio und A. Jank. Anschließend geht sie nach München und besucht dort die Privatkunstschule "Phalanx"; Leiter der Schule ist Wassily Kandinsky. Mit ihm unternimmt Gabriele Münter ab 1904 viele Reisen u.a. nach Holland, Italien und Frankreich, wo sie Rousseau und Matisse kennenlernen. Stilistisch distanziert sich Münter nun vom Impressionismus und lässt in ihrem Werk Einflüsse der Fauves und der Expressionisten erkennen. Ein ruhigeres Leben beginnt ab 1908 in der mit Kandinsky gemeinsamen Wohnung in München. Mit Klee, Marc, Macke, Jawlensky und Marianne von Werefkin pflegen die beiden regen Kontakt. Für eine produktive künstlerische Zusammenarbeit ist das von Münter gekaufte Landhaus in Murnau die richtige Umgebung. 1909 beginnt die Künstlerin mit Hinterglasbildern, ein Medium, das später auch Kandinsky, Marc, Macke und Campendonk aufgreifen. Zwei Jahre lang ist Münter Mitglied in der "Neuen Künstlervereinigung München". Im Jahr 1911 tritt sie der von Kandinsky und Marc gegründeten Redaktion "Blauer Reiter" bei. Mit Kriegsausbruch gehen Münter und Kandinsky zunächst in die Schweiz, ein Jahr später (1915) entscheidet sich die Malerin für Stockholm, wo es zur Trennung von Kandinsky kommt.

Unter dem Einfluss von Wassily Kandinsky schuf Gabriele Münter auch einige abstrakte Werke, die jedoch in ihrer Anlage ganz der Sicht der Malerin folgen, einen naturgemäßen Raum zu gestalten. So ist auch im vorliegenden Werk eine räumliche Dimension zu erkennen, die als Erweiterung der Bildebene gesehen werden muss. Besonders interessant ist der Rückgriff auf die Spachteltechnik, die sie bereits in ihren frühen, ganz im Sinne des Spätimpressionismus gehaltenen Werken angewendet hat. Gabriele Münter hat sich bewusst weniger mit Abstraktion befasst, weil ihr eigentlicher künstlerischer Weg in eine andere Richtung ging. Doch sind Münters abstrakte Bilder insofern interessant, da sie einen grundlegenden Zug in Münters Malerei nicht verleugnen können: Münter war eine bedeutende Koloristin, die in ihren Werken einen hohen Grad an Verselbständigung von Farbe verwirklicht hat. Die ausgewogene Komposition ganz im Tradierten zeigt, dass Münter das einmal Erworbene nie außer Acht ließ.

Im Spätherbst 1917 übersiedelt sie nach Kopenhagen. Die 1920er Jahre sind geprägt von vielen Reisen und Aufenthalten in München, Murnau, Köln und Berlin. Durch den Bruch mit Kandinsky in eine tiefe Schaffenskrise geworfen, lebt ihre Malerei erst in den 1930er Jahren neu auf. Ab 1931 lebt Münter ständig in München und Murnau. Im Jahr 1956 erhält sie den Kulturpreis der Stadt München, 1960 findet die erste Ausstellung Münters in den USA statt, gefolgt 1961 von einer großen Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle. Die Künstlerin stirbt am 19. Mai 1962 in ihrem Haus in Murnau. [KD]




47
Gabriele Münter
Studie auf Blau, 1915.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 97.936

(inkl. 22% Käuferaufgeld)