Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 70

 
70
Hans Purrmann
Schlesische Landschaft, 1934.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 32.940

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Schlesische Landschaft. 1934.
Öl auf Leinwand.
Lenz/Billeter 1934/02. Links unten signiert. 38,5 x 60 cm (15,1 x 23,6 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung.
Auktion 2, Galerie Wolfgang Ketterer 1969, Nr. 1219 (mit Farbabb.)
Galerie Portanegro, Zürich (1970/72).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Hans Purrmanns außerordentliches künstlerisches Talent wurde bereits früh gefördert, denn noch ehe er in Karlsruhe und München Kunst studierte, war er bei seinem Vater, einem Dekorationsmaler, in die Lehre gegangen. Zu voller Blüte reifte Hans Purrmanns Kunst schließlich in der pulsierenden Kunstmetropole Paris, wohin er im Jahr 1905 nach Beendigung des Studiums geht. Hier rezipiert er Werke von Henri Matisse, André Derain und Paul Cézanne, die ihm als wichtige Stichwortgeber dienen und die er in der Folge sammelt. Auf Anregung von Purrmann und Sarah Stein wird 1908 die "Académie Matisse" eröffnet, zu deren ersten Schülern Friedrich Ahlers-Hestermann, Franz Nölken und Mathilde Vollmoeller, Purrmanns spätere Frau gehören. Im selben Jahr reist Purrmann mit Matisse nach Deutschland, 1909/10 sollen zwei weitere Aufenthalte folgen. Der Kriegsausbruch überrascht ihn im württembergischen Beilstein, wo er zunächst zwei Jahre bleibt, während sein Pariser Besitz beschlagnahmt wird. Purrmann beginnt, sich in größerem Umfang bis in die 1920er Jahre mit Druckgrafik zu beschäftigen. 1916 übersiedelt er nach Berlin, wo er regelmäßig an den Ausstellungen der Freien Sezession teilnimmt. 1918 findet in den Räumen der Berliner Kunsthandlung Paul Cassirer die erste große Einzelausstellung Purrmanns statt. Von Liebermann und Slevogt maßgeblich initiiert, wird Purrmann 1919 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste.

Hans Purrmann besitzt ein sehr enges Verhältnis zur Natur, das sein gesamtes Schaffen nachhaltig beeinflusst. Über den Zusammenhang zwischen Natur und Kunst äußert der Künstler sich mehrfach: "Die Natur ist stark und geheimnisvoll. Es liegt in unserem Interesse mit ihr in guten Beziehungen zu leben. Mit ihr pflege ich dauernden Umgang. Und so gering mein Werk auch sein mag, der Natur entrücke ich mich niemals" (zit. nach: Christian Lenz, Die Kunst Hans Purrmanns - Einführung in das malerische Werk, in: Lenz/Billeter I, S. 52). Purrmann arbeitet stets im Einklang mit der Natur und lässt sich von ihr inspirieren, ohne sie jemals nur nachzuahmen. Unsere "Schlesische Landschaft" malt er 1934 in unterschiedlichen stimmungsvollen Varianten. Mit ebenso sicherem wie leidenschaftlichem Pinselstrich bringt Purrmann in diesem Bild eindrucksvoll ein klar leuchtendes Kolorit und eine strukturierte Bildauffassung auf die Leinwand.

1935 zieht Purrmann nach Italien und übernimmt die Verwaltung der Deutschen Künstlerstiftung Villa Romana in Florenz. In Deutschland gilt er als "entarteter Künstler", seine Arbeiten werden aus öffentlichen Museen entfernt und er erhält Ausstellungsverbot. Dieser Sachverhalt erschwert seine Position in Florenz. Das Kriegsende erlebt Purrmann schließlich in Montagnola, wo er Hermann Hesse kennenlernt. Die späten Lebensjahre Purrmanns sind geprägt von einer umfangreichen Ausstellungstätigkeit und zahlreichen Ehrungen. Zum 80. Geburtstag des Künstlers findet im Kunstverein Hannover eine große Einzelausstellung statt, 2006 zeigt die Kunsthalle Tübingen die Retrospektive "Hans Purrmann - Im Kräftespiel der Farben". [KP].

70
Hans Purrmann
Schlesische Landschaft, 1934.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 32.940

(inkl. 22% Käuferaufgeld)