Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 4

 
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Egon Schiele
Porträt einer Dame, 1908.
Bleistiftzeichnung
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 63.440

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Porträt einer Dame. 1908.
Bleistiftzeichnung.
Rechts oben signiert und datiert. Auf bräunlichem Bütten. 29,9 x 21,3 cm (11,7 x 8,3 in), blattgroß.
Die vorliegende Arbeit gehört zu den frühesten Zeichnungen des Künstlers, die bisher auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten wurden.

Wir danken Frau Jane Kallir, Galerie St. Etienne, New York, für die freundliche mündliche Auskunft. Die vorliegende Arbeit wird in die Neuauflage des Werkverzeichnisses aufgenommen.

Egon Schiele wird am 12. Juni 1890 in Tulln an der Donau geboren. Nach der großen Klimt-Ära wird Egon Schiele der Maler, der die Wiener Kunstszene am Anfang des 20. Jahrhunderts nachhaltig prägt. 1906 tritt der junge Schiele in die noch sehr traditionellen Disziplinen verhaftete Klasse des Historien- und Porträtmalers Christian Griepenkerl an der Wiener Akademie ein. Die auferlegten Studien an der Akademie, die Schiele nur widerwillig praktiziert, hinterlassen keine weiteren Spuren in seinem persönlichen Stil. Ihn beeindruckt vielmehr der lineare Flächenstil von Gustav Klimt und der Sezessionisten, die als Künstlergemeinschaft gegen die starren akademischen Konventionen des Historismus und für eine Versöhnung von Kunst und Leben eintritt.

Das vorliegende Blatt gehört zu Egon Schieles frühen Zeichnungen, die noch während seiner Studienzeit an der Wiener Akademie entstehen. Das herausragende Talent des jungen, gerademal 18-jährigen Künstlers ist bereits deutlich erkennbar. Mit bewundernswerter Sicherheit umreißt Schiele die Gestalt der dargestellten Dame in klaren Linien, setzt mit der Ausarbeitung der Augenbrauen und Wimpern gekonnt Akzente, und verleiht der Zeichnung eine stimmungsvolle Gesamtkomposition, die sie weit über den Rang einer Studie hinaushebt.

Im Jahr 1909 tritt Schiele dann endgültig aus der Akademie aus und beschleunigt somit sein Streben nach einer eigenen künstlerischen Entwicklung. Mit Freunden gründet er die "Neukunstgruppe" und entwickelt einen Zeichenstil, der absichtsvoll den Eindruck von Fragilität und Verkrampfung hervorruft. Antiakademisch und radikal subjektiv wählt Schiele dabei Blickwinkel und Ansichten, welche somit zu einem frühen Zeugnis des Wiener Expressionismus werden. Die als "unmoralisch" empfundene Abbildungsweise sehr junger Aktmodelle bringt den Künstler 1912 für kurze Zeit ins Gefängnis. 1913 tritt Schiele dem "Bund Österreichischer Künstler" bei und arbeitet für die Berliner Zeitschrift "Die Aktion". Im folgenden Jahr löst er die Verbindung zu Wally Neuziel, mit der er vier Jahre lang liiert war, und heiratet Edith Harms. Als Schiele ab 1915 für zwei Jahre als Soldat eingesetzt wird, entstehen nur wenige Gemälde. Der Maler beteiligt sich jedoch weiter an vielen Ausstellungen, wie z.B. der Wiener Sezessionsausstellung, die 1918 mit 50 seiner Arbeiten ein großer Erfolg wird. Im selben Jahr noch stirbt Egon Schiele am 31. Oktober, kurz nach seiner Frau, an der Spanischen Grippe. [KH].

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Egon Schiele
Porträt einer Dame, 1908.
Bleistiftzeichnung
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 63.440

(inkl. 22% Käuferaufgeld)