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Auktion: 393 / Post War/Zeitgenössische Kunst am 09.06.2012 in München Lot 213

 
Wols (d.i. Wolfgang Schulze) - Ohne Titel

Objektbeschreibung
Ohne Titel. Um 1947-49.
Tuschfeder und Aquarell.
Gutbrod A 824 (hier 1951 eingeordnet), Werner Haftmann 1282. Rechts unten von fremder Hand bezeichnet "Wols". Auf Aquarellpapier. 26 x 18,7 cm (10,2 x 7,3 in), blattgroß.
Eine stilistisch klare, kurz vor seinem Tod entstandene Arbeit des Künstlers.

Mit einer Fotoexpertise von Dr. Ewald Rathke, Frankfurt a. M., vom 22. Mai 2011.

PROVENIENZ: Alexandre Jolas, New York.
Galerie Saqqârah, Gstaad.

AUSSTELLUNG: XXIX. Biennale, Palazzo Centrale, Retrospettiva di Wols, Venedig, 14.6.-19.10.1958 (o. Abb.).

Wols - unter dem Namen Alfred Otto Wolfgang Schulze 1913 in Paris geboren - gilt als einer der wichtigsten Künstler der Moderne. 1919 siedelt Wols mit seiner Familie nach Dresden über. Hier beginnt 1927 sein lebhaftes Interesse für Malerei. Vor allem Paul Klee, Otto Dix und George Grosz beeindrucken ihn. 1930 beginnt der Künstler eine Fotografielehre, 1932 nimmt er Unterricht an der Reiman-Schule, der Kunstgewerbeschule in Berlin. Moholy-Nagy rät Wols, der sich um die Aufnahme am Bauhaus bewerben will, nach Paris zu gehen. Dort schreibt, malt und arbeitet Wols als Porträtfotograf und Deutschlehrer. Seinen ersten großen Auftrag als Fotograf erhält Wols 1937 für die Pariser Weltausstellung. Bei Kriegsausbruch wird der Künstler bei Aix-en-Provence interniert. Nach seiner Flucht 1940 lebt Wols versteckt in Cassis bei Marseille, wo er v.a. zeichnet und aquarelliert. 1942 muss er vor den Deutschen nach Montélimar fliehen. Nach Paris zurückgekehrt findet 1945 in der Galerie Drouin eine erste Ausstellung seiner Aquarelle statt, die allerdings erfolglos bleibt. Im Gegensatz dazu wird eine weitere Ausstellung in derselben Galerie zwei Jahre später zur Sensation.

Durch das Ineinandergreifen von Figuration und Abstraktion wird Wols zum Vorreiter des Informel und zum Hauptvertreter des Tachismus. Er schafft zu dieser Zeit eine neue Form der nichtfigurativen Kunst. Die historischen, dramatischen Momente der Nachkriegszeit sind mit höchster Intensität in das empfindsame Schaffen von Wols eingegangen. Die klar gegliederte Grundordnung in der Komposition wird von Wols durch die subjektive, spontane Eingebung intensiv und individuell belebt. Dr. Ewald Rathke verweist in seiner Expertise auf "das subtile und präzise Lineament" unseres Blattes, das es zum unverwechselbaren Werk des Künstlers macht.

Die Begegnung mit J.-P. Sartre und S. de Beauvoir führt zur Auseinandersetzung mit der Philosophie des Existenzialismus, was sich auch auf die künstlerische Arbeit von Wols auswirkt. Als einer der Vorbereiter des Informel und Hauptvertreter des Tachismus schafft Wols, zunächst vom psychischen Automatismus der Surrealisten beeinflusst, unter dem Dachbegriff "Zirkus Wols" ein vielfältiges Werk, in dem sich die verschiedenen Aspekte anhaltend gegenseitig befruchten. Neben der Malerei und Grafik beschäftigt sich Wols ausgiebig mit Fotografie. Ebenso bezieht er seine musikalischen und literarischen Talente in sein künstlerisches Schaffen mit ein. In seinem malerischen Werk kommen figurative Elemente, aber auch freie Improvisationen und Abstraktionen vor. Als Autodidakt lässt Wols seine Kunst spontan und direkt entstehen, so dass in einer freien Bildstruktur dem Zufall eine entscheidende Rolle zukommt. In seinem späteren Schaffen interessiert Wols v.a. die Verbindung von heftigen Pinselstrichen mit einer zum Relief tendierenden Malstruktur. Nach seinem Tod im Jahr 1951 ist Wols von 1955 bis 1964 an der Kasseler documenta II-III vertreten. [EH/KH]

213
Wols (d.i. Wolfgang Schulze)
Ohne Titel, 1947.
Aquarell
Schätzung:
€ 14.000
Ergebnis:
€ 26.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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