Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 46

 
Max Beckmann - Varieté

46
Max Beckmann
Varieté, 1924.
Kaltnadelradierung
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 21.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Varieté. 1924.
Kaltnadelradierung.
Hofmaier 304 B d (von B d). Signiert und handschriftlich nummeriert. Exemplar aus einer Auflage von 30. Auf Velin. 40,3 x 20 cm (15,8 x 7,8 in). Papier: 53,5 x 37 cm (21 x 14,5 in).
Erst vier Exemplare dieser Kaltnadelradierung wurden bisher auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: www.artnet.com).

Gegen den Widerstand der Familie setzt Max Beckmann am Ende seiner Schulzeit durch, dass er Maler werden darf. Seine Ausbildung erhält er von 1900 bis 1903 an der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar, hauptsächlich bei dem norwegischen Landschaftsmaler Carl Frithjof Smith. Nach dem Studienabschluss und einigen Aufenthalten in Paris, Genf und Florenz lässt sich Beckmann 1907 in Berlin nieder und wird Mitglied der dortigen Sezession. Bei Kriegsausbruch meldet er sich freiwillig als Berufssoldat und wird daraufhin nach Ostpreußen und Flandern geschickt. Als Beckmann 1915 vom Militär entlassen wird, zieht er nach Frankfurt am Main, wo er bis 1933 an der Städel-Kunstschule unterrichtet.

Kantige Formen und expressive Gesten, welche zu Markenzeichen des Künstlers werden sollen, kann Beckmann in den 1920er Jahren gerade innerhalb des linearen Mediums der Grafik zum Höhepunkt ihres Ausdrucksvermögens steigern. Das hier angebotene Blatt "Varieté", eine Revueszene in schwungvollen Kaltnadelstrichen zu Papier gebracht, ist ein meisterliches Dokument dieser Werkphase. Besonderes Augenmerkt legt Beckmann hier auf die gleichförmigen Tanzschritte der Revuetänzerinnen, die ihre Beine im selben Rhythmus in die Höhe schleudern und die dadurch zu gleichsam marionettenhaft agierenden Personen werden, was ein wiederkehrendes Stilmerkmal Beckmanns in dieser Zeit ist. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass sich Beckmann mit hoher Wahrscheinlichkeit in der rechten Figur am unteren Bildrand selbst darstellte, die elegante Dame neben ihm ist wohl Minna Beckmann-Tube.

Mit zunehmender Macht der Nationalsozialisten erfährt der Künstler eine immer stärkere Diffamierung, die schließlich neben der Entlassung aus dem Lehramt dazu führt, dass seine Werke aus den öffentlichen Sammlungen in Deutschland entfernt werden. Unter dem politischen Druck emigriert Beckmann 1937 nach Holland. Auch hier schränken ihn allerdings die politischen Umstände ein und so ist das Angebot einer Gastprofessur in St. Louis 1947 willkommener Anlass, um in die USA überzusiedeln. Im Anschluss an diesen Auftrag an der School of Fine Arts der Washington University lehrt Beckmann ab 1949 kurzzeitig an der Universität von Colorado in Boulder, dann an der Brooklyn Museum Art School in New York und im Sommer 1950 am Mills College in Oakland, Kalifornien. Am 27. Dezember des selben Jahres stirbt Max Beckmann in New York. [KP].

46
Max Beckmann
Varieté, 1924.
Kaltnadelradierung
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 21.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)