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Auktion: 392 / Moderne Kunst am 09.06.2012 in München Lot 102

 
Ida Kerkovius - Blüte auf gelbem Fond

Objektbeschreibung
Blüte auf gelbem Fond. 1950er Jahre.
Öl auf Rupfen.
Rechts unten monogrammiert. 60,4 x 50,4 cm (23,7 x 19,8 in).

Wir danken Frau Dr. Ursula Reinhardt, Stuttgart, für die wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Sammlung Kerstan (auf dem Keilrahmen mit dem Sammlungsstempel).
Privatsammlung Köln.
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Ida Kerkovius. Gemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, Teppiche, Retrospektive. Museum Ostdeutsche Galerie, Regensburg 8.4.-27.5.2001/Museum für ausländische Kunst Lettlands, Riga 15.6.-29.7.2001, Kat.Nr. 51 (mit Farbabb. S. 189).

Als Baltendeutsche am 31. August 1879 in Riga geboren, beginnt Ida Kerkovius im Alter von 20 Jahren eine künstlerische Ausbildung an einer Privatmalschule in ihrer Heimatstadt. Fasziniert von den Werken einer Hölzel-Schülerin im Rigaer Kunstsalon fasst sie 1902 den Entschluss, ihr Studium in Dachau bei München fortzusetzen, wo Adolf Hölzel eine private Malschule gegründet hatte. Der Farbenlehre Hölzels sowie seiner Lehre vom Primat der Mittel verleiht Ida Kerkovius in ihrem Werk neue, undogmatische Züge. 1908 zieht sie nach Stuttgart, wo seit 1906 Hölzel eine Kompositionsklasse an der Akademie der bildenden Künste leitet. Als seine Meisterschülerin und Assistentin erhält Kerkovius ein Atelier an der Akademie und ist seit 1911 als selbstständige Malerin tätig. In den Kriegsjahren 1915-18 nimmt Hanna Bekker vom Rath, Kerkovius' spätere Kunstförderin und -sammlerin, private Mal- und Zeichenstunden bei der Künstlerin. Eine enge Freundschaft beginnt, die bis zum Lebensende hält. 1920-23 studiert Kerkovius am Bauhaus in Weimar, wo sie Johannes Itten, Paul Klee und Wassily Kandinsky kennen lernt. Am Bauhaus ist es üblich, ein Kunsthandwerk zu erlernen und die inzwischen 40-jährige Ida Kerkovius entscheidet sich für die Weberei. 1922 erwirbt sie durch Einbürgerung in Württemberg die deutsche Staatsbürgerschaft. 1925 reist Kerkovius nach Paris, Norditalien und in die Schweiz und nimmt an renommierten Ausstellungen teil. Nach 1933 kommt sie auf die Liste der "Entarteten Künstler", 1939 wird ihre Familie nach Deutschland "zurückgesiedelt". Im Krieg wird das Stuttgarter Atelier von Kerkovius durch einen Bombenangriff völlig zerstört, viele ihrer Bilder und Arbeiten werden vernichtet, doch setzt sie nach 1945 ihre künstlerische Arbeit mit ungeteiltem Enthusiasmus fort.

Als treue Schülerin von Adolf Hölzel hat Ida Kerkovius dessen Formen- und Farbenlehre in ihrem Werk kongenial verwirklicht. Ihre phantasiereiche Formenwelt wird in eine reiche Farbigkeit gebettet. Obwohl Kerkovius sich gelegentlich einer Abstraktion nähert, bleibt ihr Erzählkanon im Figürlichen verhaftet. Die Künstlerin hat mit ihren Kompositionen eine eigene, heitere Welt geschaffen, einen Garten der Imaginationen, gleichsam als Einladung, mit ihr das Glück unbeschwerter Malfreude zu teilen.

Ida Kerkovius' Œuvre steht in der Tradition der westlichen Malerei. Die Künstlerin hat sich formal die Sprache des Kubismus, des Expressionismus und der abstrakten Malerei zu Eigen gemacht. Die letzten zwei Jahrzehnte ihres Schaffens sind geprägt von hoher Anerkennung. So wird ihr 1954 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen, 1958 erhält Ida Kerkovius den Professorentitel und wird Ehrenmitglied der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart sowie Ehrenvorstandsmitglied des deutschen Künstlerbundes. Bis zum Ende ihres Lebens arbeitet Kerkovius, obwohl von schwerer Krankheit gezeichnet, ungebrochen an ihrem Werk. Das letzte Ölgemälde "Bel Vue" bleibt unvollendet. Ida Kerkovius stirbt am 8. Juni 1970 in Stuttgart. [KD].

102
Ida Kerkovius
Blüte auf gelbem Fond, 1950.
Öl
Schätzung:
€ 14.000
Ergebnis:
€ 15.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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