Auktion: 386 / Moderne Kunst am 10.12.2011 in München Lot 16

 
Max Liebermann - Blumenbeet im Wannseegarten mit Blick auf den Fischotterbrunnen

16
Max Liebermann
Blumenbeet im Wannseegarten mit Blick auf den Fischotterbrunnen, 1919.
Pastell
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 69.540

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Pastell.
Links unten signiert. Auf Velin. 18,1 x 27,6 cm (7,1 x 10,8 in), Blattgröße.
Alt in ein Passepartout montiert, im Passepartout beschrieben.
Vermutlich diente dieses Pastell als Vorstudie zu dem im gleichen Jahr entstandenen Ölgemälde "Die Blumenterrasse im Wannseegarten nach Norden" (Städtische Kunsthalle Mannheim; WVZ Eberle 1919/17). "Allerdings zeigt das Ölbild die Blumenbeete in der üblichen Sommerbepflanzung mit roten Geranien, während auf dem Pastell das Frühjahrsarrangement mit blauen Stiefmütterchen zu sehen ist. Dieses bestätigt den Bericht, dass Liebermann die Kompositionen seiner Ölgemälde vom Wannsee manchmal vorher in Pastell erprobte." (Margreet Nouwen).

Die Authentizität der vorliegenden Arbeit wurde von Frau Drs. Margreet Nouwen, Berlin, mündlich bestätigt. Sie wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Pastelle, Aquarelle und Gouachen aufgenommen.

PROVENIENZ: Kunsthandlung Julius Böhler, München.
Privatsammlung.

Bereits als Neunjähriger beginnt Max Liebermann seine unmittelbare Umgebung mit Stift und Papier einzufangen. Als der renommierte Berliner Maler Carl Steffeck Zeichnungen des 15-Jährigen zu sehen bekommt, rät er entgegen den Wünschen der Eltern, dieses Talent unbedingt zu fördern. Er erteilt dem Jungen ersten Unterricht und ermuntert ihn zum Besuch der Weimarer Akademie. Liebermann studiert dort dreieinhalb Jahre bis 1872. Eine Reise nach Düsseldorf führt den jungen Künstler 1871 zu Mihály Munkácsy, einem dort lebenden ungarischen Maler, dessen Realismus ihn begeistert. Unter diesem Eindruck entsteht noch im selben Jahr sein erstes großes Bild "Die Gänserupferinnen". Die ungeschönte Wirklichkeit darin, die bei Kritikern auf herbe Ablehnung stößt, wird von nun an charakteristisch für Liebermanns Darstellungsweise. Die Jahre 1873 bis 1878 verbringt er in Paris und dem Künstlerort Barbizon. Liebermann beschäftigt sich mit der Kunst Millets, dessen Bilder von der Arbeit des einfachen Menschen auf dem Land ihn nachhaltig beeinflussen. Seit seinem ersten Aufenthalt in Holland im Jahr 1871 reist Liebermann regelmäßig dorthin. Er findet hier die geeigneten Motive zu mehreren seiner wichtigsten Werke. Durch sein Engagement, in unpathetischer Schlichtheit das Leben und die Arbeit des einfachen Menschen zur Kunst zu erheben, muss Liebermann stets um Anerkennung kämpfen. Erst als er sich zunehmend Motiven und Szenen aus dem Leben des gehobenen Bürgertums zuwendet, wird er zu einem gefeierten und gesuchten Maler des liberalen Bürgertums der Jahrhundertwende. Die Jahre 1878 bis 1884 verbringt Liebermann in München, bevor er 1884 in seine Geburtsstadt Berlin zurückkehrt. Doch nicht nur als Künstler, sondern auch als Kunstpolitiker nimmt Liebermann einen hohen Rang ein. Bereits Anfang 1892 gehört er zu den Mitgliedern der ersten Sezession Deutschlands, deren Berliner Vorsitz er in den Jahren 1898 bis 1911 innehat. Seine Heimatstadt Berlin ehrt ihn mit der Berufung zum Professor an der Königlichen Akademie der Künste.

Das Refugium am Wannsee mit seinem langgestreckten Park wird von Max Liebermann im Laufe der Jahre zunehmend für sein malerisches Werk erkundet. Die grüne Oase, vor den Toren der Großstadt idyllisch am Wannsee gelegen, ist ursprünglich als reiner Sommeraufenthalt gedacht, Liebermanns großzügiges Atelier liegt in seinem Stadthaus am Pariser Platz. Doch mit zunehmendem Alter rücken die umgebenden Schönheiten des parkähnlichen Gartens näher. Max Liebermann gewinnt dem Garten ungewöhnlich viele Motive und Sichtweisen ab, die alle von seiner besonderen Liebe zu diesem privaten Refugium zeugen. In flüchtigen Farbtupfern sind die Akzente gesetzt, die den eigentlichen Reiz dieser Pastellstudie ausmachen. Eine farbliche Harmonie bestimmt die Komposition, deren etwas strenger Aufbau in reizvollem Gegensatz zu der lockeren, fast schwerelosen Art des Pastellstriches steht.

In den Jahren 1920 bis 1932 ist er Präsident der Preußischen Akademie der Künste. Die letzte Zeit seines Lebens verbringt Liebermann zurückgezogen. Im November 1934 erkrankt er schwer und stirbt drei Monate später in seiner Berliner Wohnung. [KD].

16
Max Liebermann
Blumenbeet im Wannseegarten mit Blick auf den Fischotterbrunnen, 1919.
Pastell
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 69.540

(inkl. 22% Käuferaufgeld)