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Auktion: 380 / Moderne Kunst am 04.06.2011 in München Lot 78

 
Ida Kerkovius - Blumenstillleben

Objektbeschreibung
Öl auf Rupfen, auf Malpappe aufgezogen
Rechts unten signiert. 66 x 46 cm (25,9 x 18,1 in)
Verso auf der Malpappe eine Ölstudie zu einem Stillleben mit zwei Vasen.

Wir danken Frau Dr. Ursula Reinhardt, Galerie Schurr, Stuttgart, für die wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Sammlung Max Fischer, Stuttgart.
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Württembergischer Kunstverein Stuttgart.

Als Baltendeutsche am 31. August 1879 in Riga geboren, beginnt Ida Kerkovius im Alter von 20 Jahren eine künstlerische Ausbildung an einer Privatmalschule in ihrer Heimatstadt. Fasziniert von den Werken einer Hölzel-Schülerin im Rigaer Kunstsalon fasst sie 1902 den Entschluss, ihr Studium in Dachau bei München fortzusetzen, wo Adolf Hölzel eine private Malschule gegründet hatte. Der Farbenlehre Hölzels sowie seiner Lehre vom Primat der Mittel verleiht Ida Kerkovius in ihrem Werk neue, undogmatische Züge. 1908 zieht sie nach Stuttgart, wo seit 1906 Hölzel eine Kompositionsklasse an der Akademie der bildenden Künste leitet. Als seine Meisterschülerin und Assistentin erhält Kerkovius ein Atelier an der Akademie und ist ab 1911 als selbstständige Malerin tätig. In den Kriegsjahren 1915-18 nimmt Hanna Bekker vom Rath, Kerkovius' spätere Kunstförderin und -sammlerin, private Mal- und Zeichenstunden bei der Künstlerin. Eine enge Freundschaft beginnt, die bis zum Lebensende hält. 1920-23 studiert Kerkovius am Bauhaus in Weimar, wo sie Johannes Itten, Paul Klee und Wassily Kandinsky kennenlernt. Am Bauhaus ist es üblich, ein Kunsthandwerk zu erlernen und die inzwischen 40-jährige Ida Kerkovius entscheidet sich für die Weberei. 1922 erwirbt sie durch Einbürgerung in Württemberg die deutsche Staatsbürgerschaft. 1925 reist Kerkovius nach Paris, Norditalien und in die Schweiz und nimmt an renommierten Ausstellungen teil. Nach 1933 kommt sie auf die Liste der "entarteten Künstler", 1939 wird ihre Familie nach Deutschland "zurückgesiedelt". Im Krieg wird das Stuttgarter Atelier von Kerkovius durch einen Bombenangriff völlig zerstört, viele ihrer Bilder und Arbeiten werden vernichtet, doch setzt sie nach 1945 ihre künstlerische Arbeit mit ungeteiltem Enthusiasmus fort. Ida Kerkovius' Œuvre steht in der Tradition der westlichen Malerei. Die Künstlerin hat sich formal die Sprache des Kubismus, des Expressionismus und der abstrakten Malerei zu eigen gemacht.

In diesem dekorativen Blumenstilleben mischen sich mehrere Stilmittel, die Kerkovius souverän verarbeitet. Neben reiner Farbflächenmalerei finden sich Ansätze zu einem modulierend aufgefächerten Farbspektrum und auch formal werden Anklänge sowohl in der Abstraktion wie auch in der gegenstandsbezogenen Gestaltung sichtbar. Zugrunde liegt dem allen ein an Adolf Hölzel geschultes Farbvolumen, das in seiner Leuchtkraft zum allein bestimmenden Faktor der Komposition wird. Alle Stadien des für die Künstlerin charakteristischen Formengutes werden durchgespielt und ohne sichtbare Mühe in die Komposition eingebunden, deren komplexe Farbformen das kausale Element der Bildaussage sind.

Die letzten zwei Jahrzehnte ihres Schaffens sind geprägt von hoher Anerkennung. So wird ihr 1954 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen, 1958 erhält Ida Kerkovius den Professorentitel und wird Ehrenmitglied der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart sowie Ehrenvorstandsmitglied des deutschen Künstlerbundes. Bis zum Ende ihres Lebens arbeitet Kerkovius, obwohl von schwerer Krankheit gezeichnet, ungebrochen an ihrem Werk. Das letzte Ölgemälde "Bel Vue" bleibt unvollendet. Ida Kerkovius stirbt am 8. Juni 1970 in Stuttgart. [KD].

78
Ida Kerkovius
Blumenstillleben, 1950.
Öl
Schätzung:
€ 9.000
Ergebnis:
€ 39.040

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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