Auktion: 419 / Klassische Moderne am 05.12.2014 in München Lot 306

 
306
Ernst Ludwig Kirchner
Porträt einer Dame, 1903.
Kohlezeichnung
Schätzung:
€ 10.000
Ergebnis:
€ 11.875

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Porträt einer Dame. 1903.
Kohlezeichnung.
Verso mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel und der handschriftlichen Registriernummer. Auf bläulichem Bütten. 33,6 x 29 cm (13,2 x 11,4 in), blattgroß.
Verso mit einer kleinen Kohleskizze eines Frauenkopfes. [EH/DT].

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.

Nach dem Abschluss eines Architekturstudiums in Dresden, während Ernst Ludwig Kirchner Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff kennenlernt und mit diesen bereits künstlerisch zusammenarbeitet, entscheidet sich Ernst Ludwig Kirchner gegen den Wunsch seines Vaters ganz für die Malerei.

Entstanden in der Dresdener Zeit gehört dieses Porträt zu den wenigen Arbeiten aus Kirchners Frühwerk, die dem kritischen Blick des Künstlers, aus dessen Nachlass das vorliegende Blatt stammt, bis zuletzt Stand gehalten haben. Die weich geschwungenen Linien sind dem Impressionismus und Jugendstil verhaftet und zeigen noch nicht die engen, spitzwinkligen Zickzack-Schraffuren der späteren Berliner Zeit. Doch Kirchner erzeugt auch hier schon mit der Dynamik seiner Strichführung, die im Hut der Dame besonders prägnant wird, eine emotionale und ausdrucksstarke Komposition. Diese Verselbständigung des Strichs, mit dem er sowohl seiner eigenen inneren Erregung als auch den formalen Charakteristika seiner Motive Ausdruck verleiht, wird auch zum Ausdrucksträger seiner expressionistischen Zeichnungen.

Der intensive Austausch der vier Freunde führt 1905 zur Gründung der Künstlergemeinschaft "Brücke" mit dem Ziel "alle revolutionären und gärenden Kräfte an sich zu ziehen" (Schmidt-Rottluff). Die Künstler beginnen mit den "Viertelstundenakten", den Zeichnungen nach Aktmodellen im Atelier oder in der Natur. Die Gruppe orientiert sich zunächst an Künstlern des Spätimpressionismus. Die Entdeckung der Fauves, der Südsee-Kunst und van Goghs führt die Maler zum Expressionismus. Infolge der Begegnung mit der Kunst der italienischen Futuristen verändert sich der Malstil der Gruppe um 1910, er wird "härter". Ernst Ludwig Kirchner studiert die Plastik im Dresdner Völkerkundemuseum. Unter diesem Eindruck haut und schneidet Kirchner Holzplastiken. 1911 übersiedelt Ernst Ludwig Kirchner nach Berlin. Die Großstadt bietet ihm eine Fülle neuer Motive, die Kirchner in vereinfachten, scharf konturierten Formen, expressiven Zügen und grellen Farbkontrasten umsetzt. Diese Großstadtbilder werden zu Inkunabeln des Expressionismus und machen Ernst Ludwig Kirchner zu einem der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die folgenden Jahre bedeuten einen Wendepunkt in Kirchners Leben. Die Kriegsereignisse und der Militärdienst stürzen Kirchner in existenzielle Angst, führen letztlich zu Krankheit und langen Sanatoriumsaufenthalten. Um so bemerkenswerter ist seine künstlerische Produktion in dieser Zeit. Es entstehen Werke wie der Holzschnitt "Frauen am Potsdamer Platz", die "Bilder zu Chamissos Peter Schlemihl", die Selbstporträts und Holzschnittbildnisse aus den Sanatorien, die zu den Höhepunkten seines Œuvres zählen. 1917 lässt sich Ernst Ludwig Kirchner in Frauenkirch bei Davos nieder. Den Großstadtbildern folgen nun Gebirgslandschaften und Darstellungen ländlichen Lebens. Um 1920 beruhigt sich seine expressive Malweise, die Bilder erhalten eine teppichhafte Flächigkeit. Daneben entsteht ein bedeutendes grafisches Werk in Form von Holzschnitten, Lithografien und Federzeichnungen. 1923 zieht Ernst Ludwig Kirchner in das "Haus auf dem Wildboden" am Eingang zum Sertigtal, wo Kirchner bis zu seinem Freitod im Jahr 1938 lebt und arbeitet.

306
Ernst Ludwig Kirchner
Porträt einer Dame, 1903.
Kohlezeichnung
Schätzung:
€ 10.000
Ergebnis:
€ 11.875

(inkl. 25% Käuferaufgeld)