Auktion: 375 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 04.12.2010 in München Lot 112

 
Martin Kippenberger - Capri bei Nacht

112
Martin Kippenberger
Capri bei Nacht, 1982.
Öl
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 31.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Öl und Sägemehl auf Leinwand
50 x 60,3 cm (19,6 x 23,7 in)

PROVENIENZ: Privatsammlung Deutschland (direkt vom Künstler erworben).

Martin Kippenberger wächst in einer sehr kunst- und kulturinteressierten Familie auf. Nach einer nicht sehr erfolgreichen Schullaufbahn und einer abgebrochenen Dekorateurlehre beginnt er 1972 das Studium der Freien Malerei an der Hamburger Kunstakademie. Ein erstes künstlerisches Großprojekt schafft er 1976 während eines einjährigen Florenzaufenthalts, zu dem 1977 auch ein Katalog erscheint. 1978 übersiedelt Kippenberger nach Berlin, wo er zusammen mit Gisela Capitain "Kippenbergers Büro" gründet und die Geschäftsführung des Clubs SO 36 übernimmt. Er organisiert Ausstellungen und Konzerte, erwirbt erste Arbeiten von Künstlerkollegen und lernt seinen späteren Galeristen Max Hetzler kennen.

Martin Kippenberger zählt zu den vielseitigsten deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. Mit überschäumender Energie erarbeitet er ab den 1970er Jahren bis zu seinem frühen Tod ein sehr abwechslungsreiches ¼uvre. Dabei geht es ihm stets um die Hinterfragung von Gesellschaft, Kunstbetrieb und die Auslotung noch verbleibender Möglichkeiten der zeitgenössischen Kunst. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Ford Capri - in den 1970er Jahren der Sportwagen des kleinen Mannes - prägt Kippenbergers ¼uvre der 1980er Jahre. Zunächst entsteht das Gemälde "Kein Capri", nach einer Fotografie eines Ford Taunus im Schnee mit der von Kippenberger in die Schneedecke eingeritzten Beschriftung "Kein Capri". Dieses Motiv wird schließlich auch auf der Einladungskarte zur Ausstellung "Capri bei Nacht" abgedruckt, welche 1982 in Zusammenarbeit mit Albert Oehlen in der Galerie Tanja Grunert in Stuttgart stattfindet. Kippenberger bemalt hier einen Ford Capri mit brauner Farbe und Haferflocken. Wenn die Besucher in die dunkle Ausstellungshalle eintreten, gehen die Scheinwerfer des Haferflockenautos an, dies ist Capri bei Nacht. In diesem Zusammenhang schafft Kippenberger auch einige Gemälde des Capri-Motivs, welche das Auto stets diagonal ins Bild gerückt in unterschiedlichem Abstraktionsgrad in Szene setzen.

In den 1980er Jahren entstehen viele eigene Kunstproduktionen sowie 1986 die erste umfassende Museumsausstellung "Miete Strom Gas" in Darmstadt. Auch entstehen Gemeinschaftsarbeiten mit Albert Oehlen, Werner Büttner und Georg Herold. 1990 tritt Kippenberger eine Gastprofessur an der Städelschule Frankfurt an und unterrichtet 1992 an der Gesamthochschule Kassel. Ein großes Projekt, das ihn neben unzähligen anderen bis zu seinem Tod beschäftigt, ist die Realisierung eines weltumfassenden U-Bahnnetzes, für das er 1993 einen Eingang in Syros (Griechenland), 1995 in Dawson City (Kanada) und 1997 einen dritten auf der Leipziger Messe errichtet, die im gleichen Jahr posthum nach seinen Konzepten durch einen Lüftungsschacht in Münster und einen portablen Eingang auf der dokumenta X in Kassel ergänzt werden. [JS].

112
Martin Kippenberger
Capri bei Nacht, 1982.
Öl
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 31.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)