Auktion: 387 / Post War/ Zeitgenössische Kunst am 10.12.2011 in München Lot 204

 
Rupprecht Geiger - 419/65

204
Rupprecht Geiger
419/65, 1965.
Mischtechnik
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 39.040

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Mischtechnik auf Leinwand.
Dornacher/Geiger 399. Verso signiert. Auf dem Keilrahmen handschriftlich bezeichnet. 82,3 x 90 cm (32,4 x 35,4 in).
Geigers abstrakte Schöpfungen der 1960er Jahre zählen zu den gefragtesten Arbeiten des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt. (Quelle: www.artnet.de).

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

AUSSTELLUNG: Rupprecht Geiger. Gemälde, Kunst- und Museumsverein Wuppertal, 17.10.-21.11.1965.
Rupprecht Geiger, Kestner-Gesellschaft, Hannover, 16.6.-16.7.1967 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Rupprecht Geiger. Malerei - Graphitzeichnung, Städtische Kunsthalle Düsseldorf, 4.8.-10.9.1967.
Rupprecht Geiger. Retrospektive, Akademie der Künste, Berlin, 10.2.-17.3.1985 / Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, 14.4.-2.6.1985 / Städtische Kunsthalle, Düsseldorf, 21.6.-21.7.1985.

Rupprecht Geiger wird 1908 als einziges Kind des Malers und Grafikers Willi Geiger in München geboren. Seine Kindheit und Jugend verbringt er in München und den Voralpen Oberbayerns. 1924 geht die Familie für ein Jahr nach Spanien, wo Geiger das Colegio aleman in Madrid besucht und seinen Vater auf Reisen zu den Kanarischen Inseln und nach Marokko begleitet. Bereits in dieser Zeit beginnt er zu zeichnen und zu aquarellieren. 1926, ein Jahr nach der Rückkehr aus Spanien, tritt er in die Architekturklasse von Eduard Pfeiffer an der Kunstgewerbeschule in München ein. 1935 absolviert Geiger das Schlussexamen als Architekt und verbringt ein halbes Jahr mit seinem Vater in Rom. Fortan arbeitet Geiger in einem Münchner Architekturbüro, bis er 1940 an die Front in Russland eingezogen wird. In dieser Zeit entstehen dunkeltonige Landschaftsaquarelle. 1942 kommt er für kurze Zeit wieder nach Deutschland und beginnt durch Vermittlung seines Vaters als Kriegsmaler in der Ukraine zu arbeiten. Nach Kriegsende kehrt Geiger nach München zurück. 1948 wird sein erstes abstraktes Bild im "Salon des Réalistes Nouvelles" in Paris ausgestellt. Ein Jahr später gründet Geiger zusammen mit Baumeister, Matschinsky-Denninghoff und Winter die Gruppe "ZEN 49". In den fünfziger Jahren findet der Künstler den ihn kennzeichnenden Stil. Den von der Weltraumforschung beeinflussten Zukunftsstil der Sixties verarbeitet Geiger in seinen abstrakten und farbintensiven Kompositionen. In den Jahren 1959 bis 1977 nimmt Geiger mehrmals an der documenta in Kassel teil.

Rupprecht Geigers formreduzierte Gemälde der 1950er und 1960er Jahre gehören zu den gefragtesten Arbeiten des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt. Neben Kreisformen steht in jener Werkphase des gefeierten Protagonisten der deutschen Farbfeldmalerei das Rechteck im Zentrum des Schaffens. Feinste Farbmodulationen, die bei unserem Gemälde den rahmenden Bildgrund schaffen, bieten die Projektionsfläche für eine meditativ wirkende schwarze Figuration. Im Gegensatz zu den meist in Neontönen gehaltenen späteren Schöpfungen wird die Palette um 1960 noch von warmem Rot und gedämpften Blautönen beherrscht. Vor diesem Hintergrund nimmt unsere Arbeit in ihrem farblich außergewöhnlichen Charakter eine Sonderstellung im ¼uvre Geigers ein. Darüber hinaus erzielt Rupprecht Geiger durch die besondere und in dieser Werkphase innovative Technik - er schabt die Rechteckform aus dem Bildgrund heraus und überzieht diese freigelegte Fläche erneut mit Pigment - eine einmalige Raumwirkung, die das Gemälde zu einem Meisterwerk macht.

1962 gibt Geiger seine Tätigkeit als Architekt ganz auf, um sich ausschließlich der Malerei zu widmen. 1965 wird Geiger als Professor an die Düsseldorfer Akademie berufen; die Professur nimmt er bis 1976 wahr. Ab 1982 ist Geiger Mitglied der Akademie der Schönen Künste in München. 1987 erhält er vom Kulturzentrum Gasteig in München einen Großauftrag für die Skulptur "Gerundetes Blau". 2009 verstirbt der Künstler in München. Mit seinen abstrakten Farbkompositionen ist Rupprecht Geiger einer der Hauptvertreter der Farbfeldmalerei in Deutschland. [KP].

204
Rupprecht Geiger
419/65, 1965.
Mischtechnik
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 39.040

(inkl. 22% Käuferaufgeld)