Auktion: 364 / Moderne Kunst am 23.04.2010 in München Lot 434

 
Otto Griebel - Zwei Frauen


 
434
Otto Griebel
Zwei Frauen, 1924.
Aquarell
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 158.600

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Aquarell
Rechts unten signiert, datiert und betitelt. In der rechten unteren Ecke handschriftlich bezeichnet "1290". Verso nochmals handschriftlich bezeichnet "GLA 73006". Auf leichtem Karton. 63,8 x 45 cm (25,1 x 17,7 in), blattgroß

Wir danken Herrn Matthias Griebel, Dresden, für die freundliche Unterstützung. Die vorliegende Arbeit wird unter der Nummer 67.2 in das Œuvre-Verzeichnis aufgenommen.

PROVENIENZ: Privatsammlung Wiesbaden (in den 1960er Jahren erworben bei Galerie Kühl, Dresden).

Otto Griebel wird von Kunstkennern seiner Zeit gleichauf mit Otto Dix und George Grosz genannt. So kauft Paul Ferdinand Schmidt, Direktor der Städtischen Kunstsammlung in Dresden, für die Neugestaltung der Städtischen Sammlung bereits Anfang der 1920er Jahre einige Aquarelle von Griebel. In den Inflationsjahren steht das gesellschaftliche und kulturelle Leben Dresdens auf einem bemerkenswerten Höhepunkt. In diesem Milieu entwickelt sich die künstlerische Strömung des magischen Realismus, und Dix sowie Griebel als Meisterschüler der Akademie schaffen Schlüsselwerke ihres Œuvres. In dieser produktivsten Schaffensphase Otto Griebels entsteht auch das vorliegende Aquarell. Doch interessieren den Künstler nicht die Mannequin-Schönheiten der goldenen 1920er Jahre. Er findet seine Modelle auf der Straße und setzt sich mit ihrem Schicksal auseinander. Dabei fehlt ihm der wütende Zynismus von Grosz und Dix, seine Aussagen sind weniger direkt und entblößend, sondern hintergründig und symbolhaft. Um unmittelbar Stellung zu beziehen, verwirft er die langwierige Lasurtechnik der Veristen und erreicht mit seiner Aquarelltechnik den größtmöglichen Wirklichkeitsgrad. Paul Ferdinand Schmidt rühmt Otto Griebel "als Aktzeichner, wie es in Deutschland kaum einen anderen gibt" (Kunstblatt, 1926). Das Lebenswerk von Otto Griebel fällt dem Nationalsozialismus und Krieg zum Opfer. In der Aktion "Entartete Kunst" werden Arbeiten Griebels aus privaten und öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt und zerstört. Die restlichen seiner Arbeiten werden in der Bombennacht in Dresden vernichtet. Somit sind nur wenige seiner Werke erhalten. Sie werden auf dem Auktionsmarkt äußerst selten und in der vorliegenden präzisen Ausführung erst zum zweiten Mal angeboten. [SM].

434
Otto Griebel
Zwei Frauen, 1924.
Aquarell
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 158.600

(inkl. 22% Käuferaufgeld)