Auktion: 386 / Moderne Kunst am 10.12.2011 in München Lot 4

 
Curt Herrmann - Stillleben mit Kürbis und blauem Krug

4
Curt Herrmann
Stillleben mit Kürbis und blauem Krug, 1904.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 31.720

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Öl auf Leinwand.
100 x 76,6 cm (39,3 x 30,1 in).
In den letzten 15 Jahren wurde kein vergleichbares Stillleben in dieser Größe auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: www.artnet.de).

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland.

Am 1. Februar 1854 wird Hugo Curt Herrmann in Merseburg an der Saale geboren. Ohne Abitur verlässt Herrmann die Schule und tritt 1873 in das Atelier von Carl Steffeck ein, der zuvor auch Max Liebermann und Hans von Marée zu seinen Schülern zählte. Herrmann malt vornehmlich Porträts. Nach Beendigung seiner Akademiestudien, die er 1883 an der Münchner Akademie bei Wilhelm von Lindenschmit fortgesetzt hatte, lebt Curt Herrmann als selbstständiger Porträtmaler, bis er 1893 nach Berlin zieht und dort eine "Zeichen- und Malschule für Damen" eröffnet, die er mit Unterbrechungen bis 1903 betreibt. 1896/97 lernt er, wahrscheinlich durch seine Frau, Henry van de Velde kennen, mit dem ihn zeitlebens eine enge Freundschaft verbindet. Durch van de Velde kommt Herrmann nicht nur mit dem Neoimpressionismus in Berührung, sondern lernt auch dessen wichtigste Vertreter wie Paul Signac, Henri-Edmond Cross oder Maximilien Luce näher kennen und beginnt, ihre Kunst zu sammeln.

Im Gegensatz zum Impressionismus, der im deutschen Nachimpressionismus eine breite Wirkung entfaltet, ist der französische Pointillismus in Deutschland außer in ein paar Fingerübungen nur bei zwei deutschen Malern zu eigener künstlerischer Bedeutung gelangt: Paul Baum und Curt Herrmann. Während Baum sein Verständnis von Pointillismus in lichtverklärten Landschaftskompositionen auslebt, entwickelt Curt Hermann eine Technik, die oszillierend zwischen Spätimpressionismus und einer vom Pointillismus adaptierten Malweise ihren eigenen Weg rein aus der gestalterischen Farbe sucht. Curt Herrmann gelingen hier farbintensive Kompositionen, die vom Inhalt her konventionell, von der Aussage jedoch, dank ihrer kühnen Farben, einen Weg beschreiten, der unverwechselbar eigene charakteristische Züge trägt. Bei Herrmann ist die Farbe alles, jedoch nicht im Sinne der zeitgleichen Expressionisten, die in der Farbe das bildgestaltende Element sehen. Herrmann zeichnet gleichsam mit Farbe und bindet sie so in eine Komposition ein, die in ihrer Gesamtwirkung auf einem Zusammenspiel teils harmonischer, teils heterogener Farbeindrücke fußt. Dazu stellen sich dekorative Elemente ein, die der Komposition jene pathetische Überhöhung geben, die fast das gesamte malerische Werk von Curt Herrmann prägt.

Mit dem endgültigen Wegzug aus Berlin 1923 verlagert sich der Themenkreis hin zur Blumenmalerei. Von der Königlichen Akademie der Künste bekommt Curt Herrmann 1917 den Professoren-Titel verliehen. Anlässlich seines 70. Geburtstags wird im Kronprinzenpalais in Berlin 1924 eine umfangreiche Ausstellung gezeigt. Dem Maler ist in Pretzfeld ein privates Museum gewidmet. Es zeigt eine Auswahl seiner schönsten Bilder, besonders seiner neoimpressionistischen Periode und viele seiner fast abstrakten Blumenbilder, die Curt Herrmann in Pretzfeld geschaffen hat. [KD].

4
Curt Herrmann
Stillleben mit Kürbis und blauem Krug, 1904.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 31.720

(inkl. 22% Käuferaufgeld)