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Auktion: 360 / Moderne Kunst am 12.12.2009 in München Lot 200

 
Pablo Picasso - Tête de Femme (Portrait de Jacqueline de face. II)

Objektbeschreibung

Farblinolschnitt
Baer 1280 IV B a (von IV B b). Bloch 1063. Signiert und nummeriert. Exemplar 21/50. Auf Velin von Arches (mit Wasserzeichen). 64,1 x 52,7 cm (25,2 x 20,7 in)Papier: 75,2 x 61,9 cm (30,6 x 25,2 in).
Gedruckt bei Arnéra, Vallauris. Herausgegeben von Louise Leiris, Paris 1963.

Die Neigung zur Kunst wird Pablo Picasso schon von seinem Vater, der Kunstprofessor an der Akademie in Barcelona ist, in die Wiege gelegt. Picassos Gemälde aus den frühen Pariser Jahren zeigen Einflüsse von Toulouse-Lautrec, Daumier und Gauguin. Die Auseinandersetzung mit Jugendstil und Symbolismus führen Picasso zum Stil seiner "Blauen Periode", in der der elende, leicht anämische Mensch zum Bildthema wird. Es dominiert der Pessimismus der Fin-de-Siècle-Stimmung. Anders zeigt sich die folgende "Rosa Periode", die im Umfeld eines innovativen Künstlerkreises in Paris zu neuen Ausdrucksformen führt. Arbeiten in zarten Pastelltönen entstehen, die oftmals Szenen aus der Zirkuswelt zeigen. Die "Demoiselles d'Avignon" aus dem Jahr 1907 markieren den Auftakt zu seiner kubistischen Periode, mit der er den klassischen Formenkanon sprengt. Die von 1909 bis 1912 entstandenen Werke zählt man zum analytischen Kubismus: die Bildoberfläche wird in rhythmisch geordnete Flächenteile zergliedert. Ab 1912 bindet Picasso außerdem konkrete Objekte ein und es entstehen erste Collagen. Nach einer realistischen Phase um 1915 und der Beschäftigung mit dem Ballett Diaghilews 1917 gelangt Picasso zu einem neoklassizistischen Stil. Fünf Jahre später stößt er durch seine Auseinandersetzung mit dem Surrealismus abermals in neue Ausdrucksbereiche vor. Den nächsten Wendepunkt markiert das 1937 entstandene Werk "Guernica". Es entsteht als Auftragswerk für den spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung und kritisiert damit vor den Augen der Weltöffentlichkeit die Luftangriffe der deutschen Legion Condor während des spanischen Bürgerkriegs auf das baskische Dorf Guernica. Nach dem Zweiten Weltkrieg zieht sich Picasso nach Südfrankreich zurück und beginnt um die Mitte der vierziger Jahre mit der Gestaltung und Bemalung von Keramiken; dazu entsteht ein Großteil seiner grafischen Arbeiten: Zeichnungen, Lithografien, Radierungen und Linolschnitte. Er erarbeitet zahlreiche Zyklen, in denen er Motive seiner eigenen früheren Bilderwelt mit historischen Vorbildern von Delacroix, Velázquez und Manet kombiniert.

Picasso lernt Jacqueline im Sommer 1953 kennen. Schnell wird sie, wie jede große Liebe des Künstlers, omnipräsent in seinem künstlerischen Werk. Der Linolschnitt gehört zu den bedeutenden Porträts von Jaqueline aus der zweiten Gruppe der großen Linolschnitte des Jahres 1962, die seit 1958 in Zusammenarbeit mit dem Drucker Arnéra entstehen. Seit 1953 beginnt Picasso, sich mit der künstlerischen Technik des Linolschnitts zu beschäftigen und mit all seiner Schaffenskraft die Möglichkeiten und Grenzen dieses Mediums auszuloten. Dabei entwickelt er, inspiriert von den Holzschnitten Munchs, eine neue Technik, um mehrfarbige Linoldrucke herzustellen. So entsteht auch das vorliegende Porträt in drei verschiedenen Brauntönen und Schwarz, in welchem Picasso in meisterhafter Manier das klassisch schöne Antlitz seiner Frau festhält.

Picasso gilt als Inbegriff des modernen Künstlers, der stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen ist. Sein gewaltiges Œuvre ist widerspruchsvoll, sprengt alle akademischen Fesseln und bricht der Freiheit der Kunst in unserem Jahrhundert bahn. [SM].

200
Pablo Picasso
Tête de Femme (Portrait de Jacqueline de face. II), 1962.
Farblinolschnitt
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 73.200

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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