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Auktion: 360 / Moderne Kunst am 12.12.2009 in München Lot 165

 
Otto Mueller - Stehender weiblicher Akt, an einen Baum gelehnt, rechts mit Blick auf einen Teich und einer weiteren Badenden

Objektbeschreibung

Aquarell und farbige Kreide
Von Lüttichau 680. Rechts unten signiert. Verso von fremder Hand bezeichnet "J.M. 3". Auf Velin. 68,5 x 52,5 cm (26,9 x 20,6 in), blattgroß

PROVENIENZ: Josef Mueller-Herbig, Karlsruhe/Lübeck.
Privatsammlung Süddeutschland.

LITERATUR: Kunstblätter der Galerie Nierendorf, 4/5, Berlin 1964, Nr. 49 (mit Abb.).

Otto Mueller wird 1874 in Liebau im Riesengebirge geboren. Die ersten Jahre verbringt er zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern auf dem Gutshof der Großeltern in Liebau. 1882 zieht er zum Vater nach Görlitz und besucht dort das Gymnasium. 1890-92 absolviert er eine Lithografenlehre in Görlitz und Breslau. Mueller studiert von 1894 bis vermutlich 1897 an der Dresdner Kunstakademie bei Georg Hermann Freye und für kurze Zeit bei Carl Ludwig Noah Bantzer. 1898/99 geht er zunächst mit seinem Freund Paul Kother zum Studieren nach München. Nach einer Ablehnung durch Franz von Stuck möchte Mueller sich lieber autodidaktisch weiterbilden und zieht nach Wolfratshausen, in den Münchner Süden. Im Herbst 1899 bricht er nach Dresden auf, lebt und arbeitet überwiegend dort und in der Umgebung bis zum Jahre 1908, in dem er nach Berlin geht. Dort macht Mueller die Bekanntschaft von Wilhelm Lehmbruck und Erich Heckel, der Mitglied der Künstlergruppe "Die Brücke" ist. Er selbst wird 1910 Mitglied dieser Künstlervereinigung. Seine künstlerischen Anfänge liegen im Jugendstil. Daher rührt seine Betonung des Linearen und des Dekorativen. Wichtig wird dann der Einfluss von Wilhelm Lehmbruck, der Mueller zur Betonung der Silhouettenformen und zu einem klassischen, elegant-grazilen Figurenstil anregt. Durch die Hinwendung zum Expressionismus verändert sich Muellers Stil: Vor allem im Figürlichen wird er großflächiger, die Konturen zeichnet er schärfer.

Ausdruck eines besonderen Lebensgefühls sind im malerischen Werk von Otto Mueller seine Akte im Freien. Mueller hat ein romantisches Verhältnis zur Natur, die für ihn ein Sinnbild von Ursprünglichkeit ist. So sind seine in die Natur eingebundenen Akte nicht als bürgerliche Individuen zu sehen, die, nun hüllenlos, eine neue Freiheit für sich erobern. Muellers Akte sind Bestandteil der Natur, ein Teil von ihr. Das erklärt auch die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich in der Natur bewegen. Alles Voyeurhafte, das diesem Genre gern anhaftet, ist bei Otto Mueller ausgespart. Das sich an den Baum lehnende Mädchen, ein Motiv, das Mueller gern variiert hat, ist ganz in sich versunken und scheint der eigenen Nacktheit nicht besonders bewusst zu sein. Dem Motiv entsprechen die technischen Mittel, mit denen Otto Mueller arbeitet. Sie sind ebenso unorthodox, wie das Motiv als solches. Aquarell und Zeichnung werden hier in einer Weise ergänzend angewandt, die dem malerischen Sujet eine gewisse Festigkeit verleihen. Der Künstler schafft sich mit dieser Technik einen Freiraum für seine Art der Interpretation einer Bukolik des ungekünstelten Ausdrucks.

Nach zweijährigem Kriegsdienst von 1916 bis 1918 folgt Mueller 1919 einem Ruf an die Breslauer Akademie, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1930 lehrt. [KD].

165
Otto Mueller
Stehender weiblicher Akt, an einen Baum gelehnt, rechts mit Blick auf einen Teich und einer weiteren Badenden, 1928.
Aquarell
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 183.000

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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