Auktion: 360 / Moderne Kunst am 12.12.2009 in München Lot 148

 
Giorgio de Chirico - Piazza d'Italia

148
Giorgio de Chirico
Piazza d'Italia, 1969.
Öl
Schätzung:
€ 90.000
Ergebnis:
€ 130.540

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Öl über einer Lithografie, auf Leinwand aufgezogen
Unikat. Vergleiche Brandani 70 für die Lithografie. Rechts unten signiert. 50 x 70 cm (19,6 x 27,5 in)
Die Grundlage dieser Arbeit ist die gleichnamige Lithografie Brandani 70, jedoch mit motivischen Veränderungen. So ist in den flankierenden Bogengängen der Architekturen rechts und links jeweils ein Bogen hinzugefügt, die Perspektive optisch vertieft. Die Leinwand wurde bis über die Einfassung übermalt.

Mit einer Fotoexpertise von Isabella de Chirico, Rom, vom 10. Juni 1978.
Mit einem Schreiben von Prof. Paolo Picozza, Fondazione Giorgio e Isa de Chirico, vom 27. Februar 2009, in dem die Technik sowie die vorgenannte Fotoexpertise bestätigt werden.

PROVENIENZ: Galerie d'Eendt, Amsterdam.
Privatsammlung Niederlande.

Giorgio de Chirico studiert zunächst am Polytechnikum in Athen Zeichnung und Malerei, bevor er von 1906 bis 1909 sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München fortsetzt. Hier beschäftigt sich de Chirico mit der Philosophie Friedrich Nietzsches und der fantastischen Bildwelt Arnold Böcklins und Max Klingers, die seine mythologisch-klassischen Frühwerke nachhaltig beeinflussen. Ab 1911 geht de Chirico für vier Jahre nach Paris. Ein Aufenthalt in Turin inspiriert de Chirico zum Malen traumähnlicher Stadtlandschaften, die von einer befremdlichen Atmosphäre der Stille und Verlassenheit geprägt sind und nur von Statuen und von den "manichini" (Gliederpuppen) belebt werden. Während de Chiricos Militärdienst in Ferrara trifft er 1917 auf den italienischen Maler Carlo Carrà. Gemeinsam entwickeln sie die Ästhetik der "Pittura metafisica" weiter und es entstehen de Chiricos Hauptwerke dieser Stilphase. Nach Kriegsende distanziert sich de Chirico von seinen metaphysischen Arbeiten, wendet sich der an der Hochrenaissance orientierten Klassizität des Novecento zu und erlernt 1920/21 bei häufigen Aufenthalten in Rom und Florenz die altmeisterliche Technik der Tafel- und Tempera-Malerei. 1925 zieht de Chirico wieder nach Paris, wo die Surrealisten seinen metaphysischen Werken höchste Anerkennung entgegenbringen. Seit 1930 lebt de Chirico abwechselnd in Florenz, Mailand und Paris, bevor er sich 1944 endgültig in Rom niederlässt. In den fünfziger und sechziger Jahren greift de Chirico häufig auf seine metaphysische Stilphase und auf Werke aus den zwanziger Jahren zurück, erstellt Repliken und Bronzen aus der Ferrara-Periode und führt die Folge der Selbstbildnisse weiter aus.

Die Übermalung gedruckter Vorlagen war bereits am Ende des neunzehnten Jahrhunderts üblich. Von der "Piazza d'Italia", einem der beliebtesten Motive de Chiricos, schafft der Meister selbst eine große Anzahl von Variationen. Die Grundidee ist immer die gleiche, bestehend aus bühnenbildartigen Architekturen und der auf einem Sockel ruhenden oder stehenden Gewandplastik. Mit seinen Bildideen formt de Chirico als gebürtiger Grieche ein neues Hellas in Italien. Der Surrealismus in seinen Kompositionen tritt hinter dem klassischen Formengut zurück. Eine Art mystische Stimmung wird erzeugt, indem verschiedene europäische Kulturen, Klassik, Mittelalter und Neuzeit gleichzeitig zitiert werden und so eine Art Schwebezustand erreicht wird.

De Chirico gehört zu den zentralen Figuren der Kunst des 20. Jahrhunderts. Als Wegbereiter der "Pittura metafisica" hat er weitreichenden Einfluss auf die folgenden Stilentwicklungen von Surrealismus, Neuer Sachlichkeit und Magischem Realismus. 1974 wird Giorgio de Chirico in die Pariser Académie des Beaux-Arts gewählt und erhält 1976 das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 1978 verstirbt der Künstler in Rom. [KD].

148
Giorgio de Chirico
Piazza d'Italia, 1969.
Öl
Schätzung:
€ 90.000
Ergebnis:
€ 130.540

(inkl. 22% Käuferaufgeld)