Auktion: 350 / Moderne Kunst am 19.06.2009 in München Lot 231

 
Hanns Bolz - Dame mit Hut


231
Hanns Bolz
Dame mit Hut, 1909.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 130.540

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Lot: 231
Hanns Bolz
1885 Aachen - 1918 Kuranstalt Neuwittelsbach (bei München)
Dame mit Hut. Um 1909/11.
Öl auf Leinwand.
Rechts oben signiert. 45,8 x 32,7 cm (18 x 12,8 in).
Bei der Dargestellten könnte es sich möglicherweise um Emmy Hennings handeln..

Die Authentizität der Arbeit wurde von Herrn Ernst Cremer, Aachen, mündlich bestätigt, dem wir für seine freundliche Unterstützung herzlich danken.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland (erworben bei Galerie Nierendorf, Berlin).

AUSSTELLUNG: Die zwanziger Jahre. Gemälde, Plastiken, Zeichnungen, Druckgraphiken, Galerie Nierendorf, Berlin, 6. April - 24. Juni 1970, Kunstblätter der Galerie Nierendorf Nr. 18/19, Katalog I Nr. 17 (mit Abb.), dort fälschlich datiert "Um 1920".

LITERATUR: Wohl das bei Saur, Allgemeines Künstlerlexikon, München/Leipzig 1996, Band 12, S. 429, erwähnte Porträt "Frau mit Hut", datiert 1909/11.

Hanns Bolz absolviert wohl um 1905/08 ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie. Im Anschluss daran geht er nach Paris, wo er bis Kriegsbeginn die meiste Zeit verbringt. Er mietet sich ein Atelier auf dem Montmartre, rue Gabrielle 49, das zuvor von Pablo Picasso genutzt worden ist. Im Café du Dome ist er ständiger Gast und gehört bald zu der kleinen deutschen Künstlerkolonie, die sich um Purrmann und Levy etabliert hat. Spätestens hier lernt er den Kunsthändler Alfred Flechtheim kennen, der den illustren und in seinen Stilrichtungen ganz heterogenen Kreis der "Domiers" 1914 erstmals in seiner Galerie zeigt.
Ähnlich dem Porträt Alfred Flechtheims, von Ketterer Kunst im Dezember 2008 erfolgreich versteigert, sind auch in dem Porträt der Frau mit Hut, sowohl im Formalen als auch in der Farbbehandlung, die Einflüsse von Cézanne zu verfolgen. Hanns Bolz hat sich in seinen Pariser Jahren von den wegweisenden Einflüssen der französischen Malerei des späten neunzehnten Jahrhunderts beeindrucken lassen und sie in seine eigene Arbeit übernommen. Die stark akzentuierten Merkmale dieses Porträts stimmen mit denen des Porträts Flechtheim überein - vor allem in den plastisch-kubischen Details, wie Nase und Mund, die den Charakter des Porträts bestimmen. Die Augen, die als Träger seelischen Ausdrucks gelten, sind bei Flechtheim dunkel, bei der Dame mit Hut dagegen eher verschattet gehalten. Eine Dynamisierung der Bildfläche erfolgt mittels diagonaler Bildelemente und des dramatisch die Komposition bestimmenden Hutes. Hanns Bolz hat hier Stilelemente zusammengefasst, die bis zur barocken Porträtkunst zurückreichen. Einen besonderen Akzent in der Gesamtwirkung der Komposition setzt die Farbgebung, die in ihrer eher kühlen Palette etwas von dem stürmischen Schwung der bildbestimmenden Diagonalen zurücknimmt.
Bolz unternimmt von Paris aus zahlreiche kürzere Reisen und findet in München eine "zweite Heimat". 1911/12 ist er in den Kreis der Schwabinger Bohème integriert und macht sich u.a. als satirischer Illustrator einen Namen. Er nimmt an der Sonderbundausstellung 1912 in Köln, der Armory Show in New York und Chicago und an Herwarth Waldens 1. Deutschen Herbstsalon 1913 in Berlin teil. In seinem Werk zeigt sich deutlich seine Auseinandersetzung mit dem französischen Kubismus und Fauvismus, und bereits 1912 experimentiert er mit abstrakten Bildgestaltungen. 1914 wird der Künstler zum Militärdienst eingezogen und erleidet an der Front eine schwere Gasvergiftung, die ihn teilweise erblinden lässt. Er wird vorzeitig aus dem Militärdienst entlassen und verstirbt 1918 an den Folgen seiner Vergiftung. 1922 zeigt Flechtheim eine große Gedächtnisausstellung in Düsseldorf und Berlin. Hanns Bolz, dessen künstlerisches Œuvre nur bruchstückhaft erhalten ist, zählt zu den bedeutenden Künstlern seiner Zeit. Sein avantgardistisches und frühvollendetes Werk gilt es zu entdecken und als wichtiger Bestandteil der Kunst der Klassischen Moderne zu würdigen. [KD].

In sehr guter Erhaltung. Kanten mit wenigen winzigen Retuschen.

EUR: 20.000 - 30.000 REGEL(7%)
US$: 27.844 - 41.766




231
Hanns Bolz
Dame mit Hut, 1909.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 130.540

(inkl. 22% Käuferaufgeld)