Auktion: 346 / Alte und Neuere Meister / Maritime Kunst am 25.10.2008 in Hamburg Lot 1324

 
Harmensz. Rembrandt van Rijn - Christus heilt die Kranken. Genannt: Das Hundertguldenblatt


 
1324
Harmensz. Rembrandt van Rijn
Christus heilt die Kranken. Genannt: Das Hundertguldenblatt, 1648.
Radierung
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 34.160

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Christus heilt die Kranken. Genannt: Das Hundertguldenblatt. Um 1648.
Radierung und Kaltnadel.
Bartsch 74. White-Boon 74 II (von II). Seidlitz 74 II (von VI). Björklund-Barnard 49-1 II (von II). Nowell-Usticke II (von V). Auf festem Bütten (mit Wasserzeichen "Bekrönte Straßburger Lilie mit Initialen 4WR", vergleiche Eric Hinterding Variante A.f.a.), Papier, welches Rembrandt selbst des öfteren für die Auflage dieses Blattes benutzte (vgl. Hinterding, Bd. II, S. 265f.). 27,4 : 39 cm (10,7 : 15,3 in). Papier: 28 x 39,6 cm (11 x 15,5 in). Nach einer Lehre bei Jacob Isaacz. van Swanenburgh geht Rembrandt 1624 nach Amsterdam zu dem Historienmaler Pieter Lastmann, der ihn vor allem in der Farbgebung stark beeinflusst. 1625 bezieht er ein eigenes Atelier in Leiden, wo ein reger künstlerischer Austausch mit Jan Lievens stattfindet. In dieser Zeit widmet sich Rembrandt vornehmlich der Historienmalerei. Die erzählerischen alt- und neutestamentlichen Darstellungen zeichnen sich durch die besondere Erfassung der Emotionen sowie eine leicht verständliche Bildsprache aus und begründen seinen frühen Erfolg. Anfang der 1630er Jahre lässt sich Rembrandt in Amsterdam nieder. Hier entstehen zahlreiche Porträts, allen voran das berühmte Gruppenbildnis "Die Anatomie des Dr. Tulp" von 1632. Ihre ungewöhnliche Konzeption, die kraftvolle Erzählweise und das malerische Helldunkel finden großen Anklang. In den 1650er Jahren entwickelt Rembrandt ausgehend von Tizian und Frans Hals' Spätstil eine neue malerische Technik, bei der die Farbflächen mit breiten Pinselstrichen oder dem Spachtel aufgetragen werden. Er bildet auch seine Radiertechnik weiter aus. Hatte er im Frühwerk hauptsächlich mit dem Stichel gearbeitet, so benutzt er seit den 1630er Jahren immer häufiger die Kaltnadel.

Das Hundertguldenblatt gilt als eines der Hauptwerke im grafischen Œuvre Rembrandts. In außergewöhnlich figurenreicher Komposition fasst Rembrandt verschiedene Ereignisse aus dem Leben Jesu, die in Matthäus 19 beschrieben sind, zusammen. Die Benennung "Hundertguldenblatt" wird auf verschiedene Weise erklärt: Mariette, bekannter Verleger und Händler in Paris, behauptet, Rembrandt habe dieses Blatt für 100 Gulden verkauft. Gersaint, ebenfalls Kunsthändler, vermutet wiederum, Rembrandt habe dieses Blatt für ein Konvolut von Grafiken Raimondis im Gegenwert von verlangten 100 Gulden eingetauscht. Vom sehr seltenen ersten Zustand sind nur 9 Exemplare bekannt, während vom zweiten Zustand nur vereinzelt schöne Exemplare angeboten werden. Die Kupferplatte gelangt im 18. Jahrhundert nach England in die Hände von Captain William Baillie, der sie stark überarbeitet und anschließend in vier kleinere Teile zerschneidet.

1669 stirbt Rembrandt in Amsterdam. Heute gilt Rembrandt als wichtigster Maler des 17. Jahrhunderts, der mit seinen über 300 Gemälden, 300 Radierungen und 1000 Zeichnungen aus kunsthistorischer Sicht wie kaum ein zweiter das "Goldene Zeitalter" prägt.

PROVENIENZ: Henri Vever (1854-1943), Paris (Lugt 1381b).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Vorzüglicher, gegensatzreicher, vor allem im Bereich der Mutter mit Kind noch gratiger Druck von sehr schöner, samtiger Gesamtwirkung mit schönem Papierton

Auf die Darstellung beschnitten, links und rechts unter geringfügigen Darstellungsverlust (ca. 1-2 mm). Rundum fachmännisch angerändert, am oberen Rand mit alten Montierungsresten. Geglättete Mittelfalte, nur verso sichtbar. Kleinere Braunfleckchen, vereinzelte kleinere dünne Stellen im linken Bereich. Vereinzelte, winzige Bereibungen recto. [HW]

1324
Harmensz. Rembrandt van Rijn
Christus heilt die Kranken. Genannt: Das Hundertguldenblatt, 1648.
Radierung
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 34.160

(inkl. 22% Käuferaufgeld)