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Auktion: 315 / Modern Art am 12.06.2007 in München Lot 114

 
Hans Purrmann - Modell im Atelier Matisse (Bibelacca)

Objektbeschreibung

Modell im Atelier Matisse (Bibelacca). 1908.
Öl auf Leinwand.
Billeter 1908/08. Rechts unten signiert. 55,5 x 46,5 cm ( 21,8 x 18,3 in).
Die Arbeit ist im Hans Purrmann-Archiv unter der Nummer 582 verzeichnet. Ein weiteres Porträt Bibelaccas (Billeter 1908/09) mit anderer Kopfhaltung gilt als verschollen.

PROVENIENZ: Rudolf Vollmoeller, Zürich.
Adele Vollmoeller, Zürich.
Privatsammlung Schweiz.

Ausstellung: Große Kunstausstellung, Haus der Kunst, München 1962, Kat.Nr. 12.
Pariser Begegnungen 1904-1914. Café du Dôme, Académie Matisse, Lehmbrucks Freundeskreis, Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg 1965, Kat.Nr. 236.
Hans Purrmann zum 85. Geburtstag am 10. April 1965. Bildnisse aus sechs Jahrzehnten, Pfalzgalerie Kaiserslautern/Stadt Speyer, 1965, Kat.Nr. 3.
Hans Purrmann. Malerei, Graphik, Zeichnungen, Plastik, Akademie der Künste, Berlin (Ost) 1982, Kat.Nr. 6 (verso mit dem Etikett).
Matisse und seine Schüler, Pfalzgalerie Kaiserslautern/Ostdeutsche Galerie Regensburg 1988, Kat.Nr. 126 (verso mit dem Etikett).
Die Große Inspiration. Deutsche Künstler in der Académie Matisse, Kunst-Museum, Ahlen 1997.

LITERATUR: Wilhelm Weber, Zu den Bildnissen Hans Purrmanns, in: Ausst.Kat. Kaiserslautern/Speyer 1965, S. 13ff.
Angela Heilmann, Hans Purrmann und Matisse, in: Ausst.Kat. Ahlen 1997, S. 59ff.

Nach Beendigung seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste in München zieht es Hans Purrmann 1905 in die Kunstmetropole Paris, wo er zunächst im Kreis der deutschen Maler des Café du Dôme verkehrt. Über den amerikanischen Maler und Sammler Leo Stein lernt Purrmann den älteren, von ihm bewunderten Künstler Henri Matisse kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbindet.

In seiner Funktion als Obman an der von ihm mitbegründeten Académie Matisse trägt Purrmann die Verantwortung für die Ordnung im Atelier und die Betreuung der Modelle. Zu ihnen zählt auch der Italiener Bibelacca (Bevilaqua), der Matisse bereits um 1900 Modell gestanden hat. Purrmann porträtiert Bibelacca unter Verzicht auf ablenkende Details und mit der für seine Bildnisse typischen Verhaltenheit von Mimik und Gestik. "Purrmanns Menschen sind in ihrem unmittelbaren Dasein dargestellt, zwingen uns aber nicht in Auseinandersetzung mit ihren Gedanken und Empfindungen, gar mit ihrem Schicksal. Der Maler psychologisiert nicht, weiß aber sehr wohl in der Physiognomie wie auch in der Haltung das Besondere zu treffen" (Christian Lenz, Hans Purrmann. Die Gemälde, 2 Bde., München 2004, S. 38). In der Arbeit mit Ateliermodellen sieht Purrmann gegenüber der Auftragsmalerei einen entscheidenen Vorteil: "Nicht etwa, daß ich nicht lieber einen interessanten Mann der Öffentlichkeit und eine Frau der Gesellschaft gemalt hätte als ein Modell, aber hier bin ich sicher, daß es mir nicht mit der Uhr in der Hand sitzt, und außerdem keine Wünsche hat auf Ähnlichkeiten und Geschmeicheltsein" (Purrmann, zit. nach: Lenz, S. 38).

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs übersiedelt der Künstler nach Berlin, wo er sich regelmäßig an den Ausstellungen der Freien Sezession beteiligt. 1919 wird er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, eine ihm angebotene Professur lehnt er jedoch ab. 1935 übersiedelt Purrmann nach Florenz, wo er die Leitung der Stiftung "Villa Romana" übernimmt. In Deutschland wird er als "entarteter Künstler" verfemt. 1943 flieht er in die Schweiz, wo 1966 in Basel stirbt. 2006 zeigt die Kunsthalle Tübingen die Retrospektive "Hans Purrmann - Im Kräftespiel der Farben".[RS]

Zustand: Guter Gesamteindruck. Keilrahmen minimal durchdrückend, in der Bildmitte deutlicher. Minimales bis schwaches Craquelé. Am unteren Bildrand mit wenigen, punktuellen Farbverlusten und kleinen Retuschen.

114
Hans Purrmann
Modell im Atelier Matisse (Bibelacca), 1908.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 91.200

(inkl. 20% Käuferaufgeld)
 


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