Auktion: 315 / Modern Art am 12.06.2007 in München Lot 160

 
Otto Dix - Kitty


160
Otto Dix
Kitty, 1924.
Aquarell
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 64.800

(inkl. 20% Käuferaufgeld)

Kitty. 1924.
Aquarell.
Pfäffle A 1924/32. Links unten signiert, datiert, betitelt und bezeichnet "400". Auf feinem Pergamin 51 x 39,1 cm ( 20 x 15,3 in), blattgroß.

PROVENIENZ: Sammlung Dr. Josef Haubrich, Köln (verso mit dem Sammleretikett).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Ausstellung: Otto Dix. Zeichnungen und Gouachen 1911-1918, Galerie Klihm, München 1962, Kat.Nr. 30.

Der am 2. Dezember 1891 geborene Otto Dix wächst mit drei jüngeren Geschwistern in einer sozialdemokratisch gesinnten Familie am Rande der Residenzstadt Gera auf. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler und dem anschließenden Besuch der Kunstgewerbeschule in Dresden wird seine Ausbildung durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Vier Jahre lang ist er als Soldat in Frankreich, Flandern und Russland. Nach Kriegsende beginnt er ein Studium an der Dresdner Kunstakademie und wird zum Mitbegründer und Mittelpunkt der "Dresdner Sezession - Gruppe 1919". Im Herbst 1922 siedelt Dix nach Düsseldorf über und wird an der dortigen Kunstakademie Meisterschüler von Heinrich Nauen und Wilhem Herberholz. Die Kriegserlebnisse werden für Dix Auslöser für seine beißend-kritischen Bilder wie u.a. "Der Schützengraben" (1923), welches neben zwei weiteren Gemälden einen Kunstskandal auslöst. Nach expressionistischen und dadaistischen Anfängen wendet sich der Künstler ab 1922 der Neuen Sachlichkeit zu, siedelt im November 1925 nach Berlin über und avanciert zum profiliertesten Porträtmaler der Berliner Bohème und der intellektuellen Gesellschaft der Weimarer Republik.

Das Porträt wird in den zwanziger Jahren zu Dix' Hauptthema. Dix geht es allerdings nicht um die Darstellung komplexer Charaktere. Er sucht Typen, die er in ihrer eindeutigen Seinsweise wiedergeben kann und bevorzugt dabei das weibliche Bildnis als Sujet. "Kitty", in strenger Seitenansicht dargestellt, ist bereits durch ihre Bildkomposition ein typisches Porträt, doch die feinfühlige koloristische Behandlung macht das Bild zu einer außergewöhnlich schönen Arbeit: Das natürliche Hasselnussbraun der Haare schwingt harmonisch in der Farbe des Hintergrundes aus. Der zarte, blau schimmernde Ton der Haut, der dem Modell eine außerordentliche Zerbrechlichkeit verleiht, wird durch das Blau des Kleides zusätzlich unterstrichen. Aus nur zwei Grundtönen gelingt Dix ein einfühlsames Porträt, das gleichermaßen Zartheit und Harmonie ausstrahlt.

1927 erhält Dix eine Professur an der Dresdner Akademie, aus der er 1933 entlassen wird. Nach dem Krieg führen jährliche Arbeitsaufenthalte in Dresden, die Mitgliedschaft an den Akademien der Künste in Berlin-Dahlem und Ostberlin zu einem steten Pendeln zwischen den beiden neuen deutschen Staaten. Dix' Reisen nach Südfrankreich, Italien und Griechenland werden 1962 um einen Studienaufenthalt an der Villa Massimo in Rom und zwei Jahre später um die Ehrenmitgliedschaft an der Florentiner Accademia delle Arti del Disegno bereichert. [ME]

Zustand: Guter Gesamteindruck. Kanten unregelmäßig, teilweise leicht beschnitten sowie minimal lichtrandig. Obere Kante mittig mit Klebespur einer ehemaligen Montierung. Obere Ecken verso lose auf Unterlage montiert.




160
Otto Dix
Kitty, 1924.
Aquarell
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 64.800

(inkl. 20% Käuferaufgeld)