Auktion: 300 / Klassiker des XX.Jahrhunderts am 02.06.2006 Lot 343

 
Emil Nolde - Mädchenkopf


 
343
Emil Nolde
Mädchenkopf, 1925.
Aquarell
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 95.200

(inkl. 19% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Mädchenkopf. Um 1925.
Aquarell.
Auf Japan 44,4 x 34 cm ( 17,4 x 13,3 in), blattgroß.

Mit einer Foto-Expertise von Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 13. September 2002

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Mit dem Entschluss, Maler zu werden, geht Nolde nach München, doch die Akademie unter Franz von Stuck lehnt ihn ab. Es folgt ein Studium an der privaten Malschule von Adolf Hölzel in Dachau und ab 1899 an der Académie Julian in Paris. 1906 lernt er während eines Aufenthaltes in Alsen die "Brücke"-Maler kennen, deren Gruppe er sich vorübergehend anschließt. In einer Reihe von Porträtstudien beginnt die Hinwendung zum Aquarell. Als Nolde 1909 in dieser Technik erstmalige Versuche auf nicht saugfähigem Papier unternimmt, sind diese Neuerungen zukunftsweisend. Nach einer Kontroverse mit Max Liebermann wird Nolde aus der "Berliner Sezession" ausgeschlossen und gründet 1910 mit anderen zurückgewiesenen Künstlern die "Neue Sezession", an deren Ausstellungen er bis 1912 teilnimmt. Ab 1916 verbringt er den Sommer auf der Insel Föhr und lässt sich 1928 in Seebüll nieder. Der dort angelegte Garten wird zur unerschöpflichen Inspirationsquelle seiner Malerei, auch Küstenlandschaften und religiöse Szenen werden zu tragenden Sujets. Daneben arbeitet er an Porträts, die er in der ihm eigenen Aquarelltechnik schafft. Schon die Anlage der Zeichnung erfordert höchste Konzentration, da die Technik des Nass-in-nass-Malens keine Korrekturen erlaubt.

Nolde hat eine unglaublich glückliche Hand. Er malt - das Papier saugt die Farbe auf, die Farben fließen, die Grenzen wachsen, man glaubt, die Materie mache sich selbständig - und doch glückt ihm das Bild. Sein bevorzugter Bildträger ist das Japanpapier, auf dem die Farben oft einen stoffmäßigen, seidigen oder samtenen Charakter erhalten, was zum Teil durch die verschieden dicke Schichtung der Farben entsteht. Manche Farben erscheinen hauchzart, wie fern, andere undurchsichtig, wie vorgelagert. Hier wird das leuchtend blonde Haar seines Modells für Nolde zum Farbereignis, dem er alle anderen Komponenten der Komposition unterordnet. Der aufmerksame Gesichtsausdruck der Dargestellten mag in der äußersten Konzentration seinen Grund haben, die sowohl vom Maler als auch vom Modell gefordert ist. Jolanthe Nolde, die er 1948 heiratet, berichtet über seine Malweise und schreibt, er sei so gepackt von der Arbeit an seinen Bildern, dass er manchmal Gesichter schneidet oder plötzlich sehr vergnügt aussieht, um dann wieder fieberhaft eifrig zu arbeiten (vgl. Emil Nolde, Ausst.Kat. Galerie Ludorff, Düsseldorf, S. 14).

In den letzten Lebensjahren entstehen v.a. Aquarelle mit Blumen- und Landschaftsmotiven aus der näheren Umgebung seines Hauses in Seebüll, wo Nolde am 13. April 1956 stirbt. [KD]

343
Emil Nolde
Mädchenkopf, 1925.
Aquarell
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 95.200

(inkl. 19% Käuferaufgeld)