Auktion: 300 / Klassiker des XX.Jahrhunderts am 02.06.2006 Lot 428

 
Otto Dix - Bauernhof (in Hemmenhofen)


 
428
Otto Dix
Bauernhof (in Hemmenhofen), 1948.
Öl
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 59.500

(inkl. 19% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Bauernhof (in Hemmenhofen). 1948.
Öl und Tempera auf Leinwand.
Löffler 1948/30. Rechts oben monogrammiert in Ligatur und datiert. 50 x 65 cm ( 19,6 x 25,5 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Baden-Württemberg.

Nach einer Lehre als Dekorationsmaler und dem anschließenden Besuch der Kunstgewerbeschule in Dresden wird Otto Dix' Ausbildung durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Nach Kriegsende beginnt er ein Studium an der Dresdner Kunstakademie und wird zum Mitbegründer und Mittelpunkt der "Dresdner Sezession - Gruppe 1919". Im Herbst 1922 geht Dix nach Düsseldorf und wird an der Kunstakademie Meisterschüler von Heinrich Nauen. Nach expressionistischen und dadaistischen Anfängen wendet sich der Künstler ab 1922 der Neuen Sachlichkeit zu, siedelt im November 1925 nach Berlin über und avanciert zum profiliertesten Porträtmaler der Berliner Bohème und der intellektuellen Gesellschaft der Weimarer Republik. 1927 erhält er eine Professur an der Dresdner Akademie, aus der er 1933 entlassen wird. Er übersiedelt daraufhin nach Randegg bei Singen, drei Jahre später nach Hemmenhofen am Bodensee. 1945 wird der Künstler eingezogen und gerät in Colmar in französische Gefangenschaft. Nach dem Krieg führen jährliche Arbeitsaufenthalte in Dresden, die Mitgliedschaft an den Akademien der Künste in Berlin-Dahlem und Ostberlin zu einem steten Pendeln über eine Staatsgrenze und zwei Staatskünste hinweg.

In den späten Gemälden lebt die gestaute Kraft des Malers noch einmal auf. Es sind die Menschen und die Landschaft am Bodensee, denen sich das Interesse des Künstlers zuwendet. Der kräftige Pinselstrich verrät die ungebändigte Freude am Malen, die Dix in diesen Jahren noch einmal auslebt. Die Altersphase des Malers hebt sich deutlich von den früheren ab. Dix sucht neue Wege des Ausdrucks und mit den Motiven, die er nun favorisiert, stellt sich auch eine andere Sicht der Dinge ein. Der souveräne Umgang mit den Farben ist geblieben, die, wenn auch in ihrer Ausdruckskraft gemildert, noch immer die Komposition bestimmen. Es ist derber, fast bäuerlicher Realismus, dem Dix in diesen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg huldigt. Viele seiner Sujets sind auch in die umfangreiche Grafik dieser Jahre eingeflossen, die zeigt, dass Dix nach Jahren der Ausgrenzung den Anschluss an das Kunstschaffen seiner Zeit wieder gefunden hat.

Otto Dix gehört zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Sein Werk spiegelt in seiner vitalen Wandlungsfähigkeit die Zäsuren des Jahrhunderts wider, allerdings ohne je die Abstraktion mitzumachen, die der Künstler bis ins hohe Alter abgelehnt und kritisiert hat. [KD]

428
Otto Dix
Bauernhof (in Hemmenhofen), 1948.
Öl
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 59.500

(inkl. 19% Käuferaufgeld)