126000193
Piero Dorazio
Tic-Tac Rosso, 1959/60.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 300.000 - 400.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000193
Piero Dorazio
Tic-Tac Rosso, 1959/60.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 300.000 - 400.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Piero Dorazio
1927 - 2005

Tic-Tac Rosso. 1959/60.
Öl auf Leinwand.
Verso auf der Leinwand signiert, datiert, betitelt und mit einer späteren, persönlichen Widmung bezeichnet. Dort zusätzlich signiert und datiert "29. Juni 1980". 197 x 197 cm (77,5 x 77,5 in).


• Monumentales Hauptwerk aus der gefragtesten Schaffensphase des Künstlers, in Qualität und Größe einmalig auf dem internationalen Auktionsmarkt.
• 1960 auf der XXX. Biennale di Venezia ausgestellt, auf der Dorazio einen eigenen Saal bespielt und die seinen internationalen Durchbruch markiert.
• Zwischen Konstruktivismus und Op-Art: komplex-vibrierende Struktur aus einer Vielzahl sich kreuzender Linien.
• Seit 25 Jahren Teil einer süddeutschen Privatsammlung.
• Vergleichbare bedeutende Werke sind heute Bestandteil der renommiertesten internationalen Sammlungen, darunter die Galleria Nazionale d'Arte Moderna e Contemporanea in Rom, das Centre Pompidou, Paris, und das Museum of Modern Art, New York
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Deutschland (1980 direkt vom Künstler).
Privatsammlung Süddeutschland (1998 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: XXX. Esposizione Biennale Internazionale d’Arte di Venezia, Venedig, 18.6.-16.10.1960, S. 136 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Venice Biennale Prize-Winners 1960, McCormick Place Art Gallery, Chicago; Milwaukee Art Center, Milwaukee; Walker Art Center, Minneapolis; World House Galleries, New York; Everson Museum of Art, Syracuse, 14.2.-4.3.1961 (m. SW-Abb., Detail).
Nul, Galerie Ad Libitum, Antwerpen, 13.1.-13.2.1962; Stedelijk Museum, Amsterdam, März 1962 (m. Abb.).
De Nieuwe Stijl Werk van de Internationale Avantgarde, Galerij de Bezige Bij, Amsterdam, April/Mai 1962 (m. Abb.).
Bienal de Arte, Museo de Arte Moderno, São Paulo, Sept.-Dez. 1963.
Piero Dorazio. Mostra retrospettiva 1946-1975, Palazzo del Popolo, Sala delle Pietre, Todi, März-Mai 1975.
Cosa succede, Studio F.22 Galleria d’Arte Moderna, Palazzolo sull’Oglio, Okt. 1975, Kat.-Nr. 28 (m. Abb.).
Europa/America. L'Astrazione Determinata 1960/1976, Galleria Comunale d'Arte Moderna, Bologna, 23.5.-30.9.1976, Kat.-Nr. 4 (m. SW-Abb., auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Piero Dorazio, Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris, 7.6.-2.9.1979, Kat.-Nr. 388 (auf dem Keilrahmen mit einem handschriftl. bezeichneten Etikett).
Piero Dorazio. Gli anni sessanta, PAC / Padiglione d'Arte Contemporanea, Mailand, 15.10.-31.12.1998, S. 17 u. 49.
Energie - Hoffnung - Freude. Piero Dorazio, Kunstmuseum Altes Rathaus, Bayreuth, 13.7.-12.10.2003.
Piero Dorazio. Opere dal 1947 al 2003, Pinacoteca Casa Rusca, Locarno, 22.2.-30.3.2004 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).

LITERATUR: Marisa Volpi Orlandini, Jacques Lassaigne u. Giorgio Crisafi, Dorazio, Mailand 1977, WVZ-Nr. 388 (m. SW-Abb. und m. ganzs. Abb., Nr. 59).
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Will Grohmann, Piero Dorazio o del ritorno alla qualità in pittura, in: Metro, Mailand 1962, S. 50 (m. Abb.).
Institut Valencia d'Art Modern (Hrsg.), Dorazio, Ausst.-Kat. Valencia 2003, S. 243 (m. Abb., das Werk im Hintergrund).
Annette Papenberg-Weber, Piero Dorazio. Die künstlerische Formierung bis 1959, Basel 2002, S. 151 (m. ganzs. Farbabb.).
Denis Viva, Gli antenati elettivi. Giacomo Balla astrattista tra Forma 1 e Origine (1948-1954), in: Fondazione Memofonte (Hrsg.), Studi di Memofonte, Studio per l’elaborazione informatica delle fonti storico-artistiche, 13/2014, S. 214 (m. Abb., Nr. 10).
Francesca Pola (Hrsg.), Spaces of Light. Piero Dorazio and the International ZERO Movement / e il movimento internazionale ZERO, Ausst.-Kat. Cortesi Gallery, Mailand 2021, S. 64 (m. ganzs. Farbabb., S. 65).

Piero Dorazios eigene künstlerische Handschrift innerhalb der europäischen Nachkriegskunst
Stilistisch lassen sich die Arbeiten Piero Dorazios schwerlich in eine bestimmte Kategorie einordnen. Mitte der 1940er Jahre schafft er erste abstrakte Arbeiten mit geometrischen Mustern oder gerundeten, organisch geschwungenen Formen und auch linearen Elementen. In den 1950er Jahren entwickelt der Künstler jedoch eine gänzlich neue, absolut singuläre und radikale Bildsprache, die ihn in die kulturellen Zentren und an die großen Schauplätze der internationalen Nachkriegskunst katapultiert. Farbe, Licht, Struktur und Vibration werden nun zu Schlüsselelementen seines künstlerischen Schaffens – genau die Bestandteile, die sich in diesen Jahren auch international in den wichtigsten, radikalen künstlerischen Positionen wiederfinden.
Nach den drastischen Einschnitten, dem Grauen und der Zerstörung des Zweiten Weltkriegs befindet sich die europäische Kunst in den 1950er und 1960er Jahren in einer Phase tiefgreifender Umwälzung und grundlegender Erneuerung. Die in den Kriegsjahren 'verlorene' Moderne muss wiederbelebt und rückständige Geisteshaltungen überwunden werden: Lucio Fontana durchstößt nun seine Leinwände, Alberto Burri fertigt reliefartige Materialbilder aus Holz und Eisen, Piero Manzoni näht seine "Achromes", Pierre Soulages untersucht das Schwarz, Yves Klein erhebt die Monochromie zur Kunst, Arnulf Rainer beginnt seine "Übermalungen", Otto Piene verwendet Feuer und Rauch, Gerhard Richter malt "unscharfe" Bilder, und Piero Dorazio schafft ab 1959 die ersten Rasterstrukturen. Dorazio setzt die Linie nun "in einer virtuos eigenständigen Art und Weise hinsichtlich seiner bisherigen Malerei als auch im Hinblick auf den bisherigen Gebrauch der Linie in der Kunstgeschichte ein" und schafft somit etwas gänzlich Neues (Zit.: Annette Papenberg-Weber, Piero Dorazio. Die künstlerische Formierung bis 1959, Basel 2002, S. 131).

Aus Farbe und Licht gewebt
Wie "Tic-Tac Rosso" spiegeln diese Arbeiten ihren eigenen, zeitintensiven und komplexen Entstehungsprozess wider: Sie offenbaren Schichten unzähliger, sorgfältig und meist parallel angeordneter Linien, die wie eine Membran die gesamte Bildfläche einnehmen und organisieren, die einander kreuzen, sich überdecken und schließlich eine scheinbar aus Farbe und Licht gewebte, vibrierende Netzstruktur ergeben. Piero Dorazio strebt nach Ordnung und Struktur, aber nicht nach Uniformität. Gerade, wie mit dem Lineal gezogene Linien wechseln sich hier mit pastos und freihändig auf die Leinwand aufgetragenen schmalen Farbstreifen ab, an denen sich das Licht ganz anders bricht als in den deutlich flacheren Partien dieses eindrucksvoll gesponnenen Farbnetzes. Es entstehen "Gebilde wie die Waben der Bienen, […] Zellen, die das Licht zerlegen und reflektieren und einen Lichtraum aufbauen, wie es in anderer Weise Klee in seinen Bildern versuchte oder Seurat in seinen pointillistischen." (Will Grohmann, in: Ausst.-Kat. Piero Dorazio, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1961, Einführung)

So konfrontiert auch "Tic-Tac Rosso" den Betrachter auf einer Fläche von vier Quadratmetern mit einer Überfülle optischer Signale, sodass das Auge nicht mehr die einzelnen Details wahrnimmt, sondern das große Ganze und die aus der Gesamtheit des aufwändigen malerischen Prozesses resultierende Energie. Die jeweilige Größe und das Format seiner Arbeiten ist vom Künstler ganz bewusst gewählt: "Wenn man ein Bild machen will, muss man zuerst entscheiden, ob man ein quadratisches Bild malen will oder ein querformatiges langes oder ein hochformatiges schmales und dann muss man die Maße bestimmen, weil die Maße enorme Folgen für den Bildbetrachter haben. […] Die Menge der Malerei auf einer Oberfläche und die Ausdehnung dieser Oberfläche sind wichtige Komponenten eines Bildes." (Piero Dorazio, 1962, zit. nach: Annette Papenberg-Weber, Basel 2002, S. 123f.)
Durch das Zusammenspiel von Licht, Farbe, Pastosität und unterschiedlich engmaschiger Struktur entwickelt sich eine spürbare Lebendigkeit und Dynamik, gar eine Poesie: "Ich habe den ganz eigenen Traum von einer 'Methode', die Farbe so einzusetzen, dass durch die Kombination der verschiedenen Ebenen der 'Farberfahrung', die Materie und die Poesie der Farbe miteinander verwoben werden können." (Piero Dorazio, 1962, zit. nach: ebd.)

Diese Sichtbarmachung des zeitintensiven Entstehungsprozesses der verschiedenen filigranen, übereinandergeschichteten Linien fügt den Darstellungen laut Dorazio selbst zudem noch eine philosophische Dimension hinzu: Der Betrachter solle dadurch erkennen, dass auch das Leben einer steten Veränderung und Weiterentwicklung unterliegt und alles Erlebte miteinander verwoben sei:
"Der Rhythmus dieses Herstellungsprozesses würde der objektiven Natur der Farbe das ausdrucksvolle, expressive Element von Zeit und Entwicklung hinzufügen. Durch die Bedeutung der Farbe können wir ein Gefühl von Raum darstellen, welches selbst eine eigene Realität hätte, durch die andere wiederum fähig wären zu verstehen, dass das Leben ein Entwicklungsprozess ist und eine Weiterentwicklung immer neue Eindrücke benötigt." (Piero Dorazio, 1962, zit. nach: ebd.)

"Tic-Tac Rosso" auf der 30. Biennale di Venezia: Der internationale Durchbruch
1960 ist "Tic-Tac Rosso" auf der 30. Biennale von Venedig ausgestellt, auf der Dorazio einen eigenen Saal bespielt. Es kann deshalb als ein besonders repräsentatives Beispiel für diese, seine vielleicht bedeutendste Werkphase bezeichnet werden. "Wer 1960 auf der Biennale in Venedig den Raum mit den Arbeiten Dorazios betrat, war plötzlich in einer anderen Welt. […] Die Simplicität der anscheinend monochromen Leinwände erwies sich bei näherem Zusehen als eine höchst differenzierte Einheitlichkeit, die handwerkliche Monotonie als eine perfekte Handhabung der angewandten Mittel. Eine Kunst, die von den unbegrenzten Möglichkeiten der Malerei an sich überzeugt ist, einer Malerei, deren Objekt sie selbst ist." (Will Grohmann über die Biennale von Venedig, in: Ausst.-Kat. Piero Dorazio, Düsseldorf 1961, Einführung)
1959 ist der Künstler außerdem auf der zweiten documenta vertreten, 1960 wird er an die Fakultät für Bildende Künste der University of Pennsylvania in Philadelphia berufen, an der er in den darauffolgenden zehn Jahren – zur Hochzeit der amerikanischen Nachkriegs-Moderne – regelmäßig unterrichtet. 1961 widmet ihm die Kunsthalle Düsseldorf eine umfassende, für seine künstlerische Karriere äußerst bedeutsame Einzelausstellung, zudem ist Dorazio u. a. an der dritten, von Otto Piene und Heinz Mack herausgegebenen "ZERO"-Publikation beteiligt. 1965 ist sein Werk in der revolutionären Ausstellung "The Responsive Eye" im Museum of Modern Art in New York zu sehen und im darauffolgenden Jahr zeigt er auf der Venedig-Biennale seine zweite Einzelausstellung. Aufgrund seiner eigenständigen, singulären künstlerischen Position gilt Piero Dorazio bis heute als einer der wichtigsten europäischen Vertreter der abstrakten Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg. [CH]





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