Auktion: 514 / Evening Sale am 11.12.2020 in München Lot 254


254
Günther Förg
Ohne Titel, 2003.
Acryl auf Leinwand
Schätzung:
€ 150.000
Ergebnis:
€ 193.750

(inkl. Käuferaufgeld)
Ohne Titel. 2003.
Acryl auf Leinwand.
Rechts oben signiert und datiert. 150 x 180 cm (59 x 70,8 in).

• Wunderbare, großformatige Hommage an Barnett Newman.
• Förgs Malerei vereint scheinbar Gegensätzliches: die geometrische Strenge der Bildanlage mit der gestischen Spontaneität des vibrierenden Farbauftrages.
• Großformatige Farbfelder Günther Förgs befinden sich heute in zahlreichen bedeutenden internationalen Sammlungen, wie u. a. der des Museum of Modern Art, New York, des Städel, Frankfurt a. M., des Stedelijk Museum, Amsterdam, und des San Francisco Museum of Art
.

Wir danken Herrn Michael Neff vom Estate Günther Förg für die freundliche Bestätigung der Authentizität dieser Arbeit. Das Werk ist unter der Nummer WVF.03.B.0165 im Archiv registriert.

PROVENIENZ: Galeria Filomena Soares, Lissabon.
Privatsammlung Spanien (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Günther Förg. Galerie Filomena Soares, Lissabon, 25.9. - 2.11.2003, mit Abb. S. 20.
Prison of Love. OTR, espacio de arte, Madrid, 6.2.2009 - 30.4.2009.

"Wenn man bei Malerei lang denken muss, wird es schwierig. Manchmal male ich auch ein Bild und habe ein Problem damit. Dann tritt man zurück, sieht es an und dann nimmt man eben eine blaue Farbe und malt blau. Ich überlege mir nicht, ob ich blau malen muss. Sondern ich greife instinktiv zum Blau. Und das ist die Qualität."
Günther Förg, 1997

Günther Förgs Werk ist eine Hingabe an die Farbe, der unablässige Versuch, ihr Eigenleben und ihren schier unendlichen Variationsreichtum durch immer neue Kombinationen herauszuarbeiten. Seine Malerei bringt das scheinbar Unvereinbare nahezu mühelos auf der Leinwand zusammen, sie bringt Elemente der konkreten Kunst mit gestischen Elementen zusammen: Geometrische Strenge trifft auf expressive Spontaneität, ein kalkuliertes System auf die spontane Intuition des Farbauftrages. Förg, der seinen Gemälden bis in die 1980er Jahre maximal grobe Konstruktionsskizzen vorausgehen lässt und dessen Arbeiten stets aus nur einer einzigen Malschicht bestehen, hat im Gespräch mit Siegfried Gohr einmal festgehalten: "Es gibt z. B. keinen Ausschuß bei Bildern, also auch nicht beim Bleibild, weil ich notfalls sehr intuitiv etwas entscheide; z. B., um jetzt irgendeine Farbe zu nehmen, male ich etwas Curryfarbenes, aber wenn es überhaupt nicht funktioniert, setzte ich ein Violett daneben und rette das Bild." (G. Förg, zit. nach: G. Förg im Gespräch mit Siegfried Gohr, Köln 1997, S. 41). Egal ob in seinen seriellen Arbeiten, seinen Gitterbildern, Bleibildern oder späten Großformaten, Förgs Malerei muss auf einen Schlag gelingen, in einem Zug muss das Bildereignis in nur einer Malschicht realisiert werden. Immer wieder sucht Förgs Malerei dabei stilistisch die Auseinandersetzung mit anderen Künstlern. Neben Einflüssen der abstrakten Vorkriegsmoderne, des Konstruktivismus und Suprematismus spielt dabei in den 1970er Jahren das Schaffen des früh verstorbenen Blinky Palermo für den Kunststudenten Förg eine prägende Rolle. Später dann tritt das amerikanische Action- und Color-Field-Painting, etwa die Malerei Willem de Koonings, Clifford Stills und Barnett Newmans, als Inspirationsquelle hinzu. Förg adaptiert und transformiert Gesehenes, macht auf diese Weise in farblicher oder formaler Hinsicht immer wieder neuartige Impulse für sein eigenes, facettenreiches Werk nutzbar. Und so sind es in unserer großformatigen Leinwand Newmans ikonenhafte "Zip"-Paintings, und damit die legendären Anfänge der modernen, farbbasierten Malerei, auf die Förg visuell Bezug nimmt. Das nur durch zwei schmale Vertikalen geteilte, vibrierende Schwarz kann als eine Art Hommage an den kunsthistorisch bedeutenden Beitrag des Amerikaners verstanden werden. All seinen Werken gemeinsam ist Förgs nuancierte, vibrierende Farbgebung, die er einmal folgendermaßen beschrieben hat: "Technisch ist es so, dass ich mit dem Pinsel in die nächste Farbe reingehe, so das ich von selbst nicht etwas Monotones in die Palette bekomme, sondern eine Art von Reichtum. Wenn man ein Grau hat und gibt einen fleischfarbenen Ton hinein, dann ergibt sich zuerst einmal eine Mischfarbe und allmählich wird es immer mehr zur Fleischfarbe." (G. Förg, zit. nach: G. Förg im Gespräch mit Siegfried Gohr, Köln 1997, S. 43).
2014 präsentierte das Museum Brandhorst, München, eine erste postume Werkübersicht des Künstlers. Im Jahr 2018 folgte dann die Retrospektive "Günther Förg. A Fragile Beauty", die im Stedelijk Museum, Amsterdam, und im Dallas Museum of Art zu sehen war. Förgs Gemälde befinden sich in zahlreichen internationalen Museumssammlungen, wie u. a. dem Museum of Modern Art, New York, und der Pinakothek der Moderne, München. [JS].



254
Günther Förg
Ohne Titel, 2003.
Acryl auf Leinwand
Schätzung:
€ 150.000
Ergebnis:
€ 193.750

(inkl. Käuferaufgeld)