Auktion: 409 / Klassische Moderne und Seitenwege der dt.Avantgard am 06.12.2013 in München Lot 302


302
Gustav Klimt
Stehender weiblicher Akt, 1903.
Kreide
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 10.125

(inkl. Käuferaufgeld)
Stehender weiblicher Akt. Um 1903.
Rote Kreidezeichnung.
Nicht bei Strobl. Links unten von der Schwester des Künstlers bezeichnet "Nachlaß meines Bruders Gustav Hermine Klimt". Verso links unten wohl von fremder Hand bezeichnet "73". Auf Packpapier. 45 x 30,1 cm (17,7 x 11,8 in), Blattgröße.

Wir danken Frau Dr. Marian Bisanz-Prakken für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers.
Privatsammlung USA.

Gustav Klimt wird am 14. Juli 1862 im heutigen XIV. Wiener Bezirk Baumgarten als Sohn eines Goldgraveurs geboren. 1876 beginnt er sein Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule. Seine künstlerische Laufbahn steht zunächst unter dem Einfluss Hans Makarts, was vor allem bei ersten Aufträgen für Theaterdekorationen und Deckengemälde sichtbar wird. Schon bald erhält Klimt für seine Arbeiten Auszeichnungen. Um die Jahrhundertwende - Klimt ist gerade dabei, Wand- und Deckendekorationen für die Universität zu erstellen - entwickelt er einen neuen, flächig-ornamentalen, dekorativen Stil, in dem sich natürlich wiedergegebene Details der Körperformen mit abstrakten, farbig-kostbaren, mosaikartigen Flächenmustern verbinden. Seine Auftraggeber protestieren entschieden und ein Rechtsstreit entbrennt. 1905 schließlich darf Klimt gegen Rückzahlung seines Honorars die Entwürfe für sich behalten.

In dieser Zeit findet Klimt zu einem Zeichenstil, der vorrangig von der Umrisslinie als alleinigem Träger des Formwillens geprägt ist (Strobel, Bd. I, S. 13). Zu dem Fakultätsbild der "Medizin" nimmt Klimt erstmals die hier gezeigte Geste auf: eine Frau, die ihre Hände an die Wange legt und den Kopf leicht neigt. Diesen Typus verwendet Gustav Klimt immer wieder in variierender Weise, so z.B. im Beethovenfries. Die vorliegende Zeichnung ist als Studie zu den Erinnyen im Fakultätsbild der Jurisprudenz zu sehen. Die elegant gestreckte, filigrane Figur ist in wenigen sicheren Strichen angelegt und macht die unerreichte zeichnerische Meisterschaft Gustav Klimts deutlich.

Im gleichen Zeitraum ist er in der Wiener Secession aktiv, deren Gründungsmitglied er bereits 1897 ist und der er als erster Präsident vorsteht. Für das Secessionsgebäude von Josef Maria Olbrich fertigt Klimt 1902 auch den berühmten "Beethovenfries" an, der noch heute im Untergeschoss des Baus zu besichtigen ist. 1905 jedoch verlässt Klimt mit einer Gruppe Gleichgesinnter die Secession wegen Konflikten mit dem naturalistischen Flügel der Künstlervereinigung. Klimts Motive sind teilweise provokativ erotisch, teilweise verspielt ornamental. Er schafft beeindruckende Porträts, insbesondere von Damen der Wiener Oberschicht, aber auch intensiv verdichtete Landschaftsbilder. Als Liebling bestimmter Kreise der Wiener Gesellschaft der ausgehenden KuK-Monarchie vermag er wie kaum ein anderer den Geist des Feudalbürgertums mit seinem Streben nach ästhetischer Kultivierung und dem Verlangen nach gesteigertem Lebensgenuss im Fin-de-Siècle zu schildern. Klimt reist viel - eine seiner bemerkenswertesten Arbeiten findet sich so nicht in Österreich, sondern in Brüssel: Er schafft die Dekoration des Esszimmers im Palais Stoclet von Josef Hoffmann, einem Gesamtkunstwerk des Wiener Jugendstils. Die internationale Anerkennung des Künstlers durch zahlreiche Ausstellungen bewegt schließlich auch die konservativen Geister, ihm Ehrung zukommen zu lassen: Obwohl eine Professur Klimts wiederholt abgelehnt worden war, wird er 1917 Ehrenmitglied der Akademien in Wien und München. Am 6. Februar 1918 stirbt Gustav Klimt nach einem Schlaganfall in seiner Heimatstadt Wien. [EH].




302
Gustav Klimt
Stehender weiblicher Akt, 1903.
Kreide
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 10.125

(inkl. Käuferaufgeld)