Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 119


119
Gerhard Marcks
Drei Grazien, 1957.
Bronze
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 63.440

(inkl. Käuferaufgeld)
Drei Grazien. 1957.
Bronze mit brauner Patina.
Rudloff 664. Auf der Plinthe mit dem Künstlersignet, verso nummeriert "I" und mit dem Gießerstempel "Guss Rich Barth Bln Mariendorf". Einer von drei bekannten Güssen vor der Auflage von 6 Exemplaren. Ca. 108,5 x 61 x 37 cm (42,7 x 24 x 14,5 in).
Der Figurengruppe geht ein kleineres Modell von 1956 voraus. Da sich in der Fotosammlung des Künstlers eine Abbildung der drei Grazien nach einer Wandmalerei aus Pompeji befindet (Nationalmuseum Neapel), ist davon auszugehen, dass Marcks im Zuge seiner Italienreise 1956 zu diesem Thema angeregt wurde. Eine der seltenen großformatigen Figurengruppen des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt.

PROVENIENZ: Privatbesitz USA.

AUSSTELLUNG: (Auswahl)
Paintings, Watercolors, Sculptures, Gerson Gallery, New York 1958, Kat.Nr. 45 (mit Abb., wohl anderes Exemplar).
Gerhard Marcks. Rückblick und Gegenwart, Akademie der Künste, Berlin 1963, Kat.Nr. 307 (mit Abb., wohl anderes Exemplar).
Gerhard Marcks, Wallraf-Richartz-Museum, Köln 1964, Kat.Nr. 43 (wohl anderes Exemplar).
Gerhard Marcks, Musée Rodin, Paris 1971/72, Kat.Nr. 29 (mit Abb, wohl anderes Exemplar).

LITERATUR: Rudolf Hoffmann, Gerhard Marcks - 70 Jahre, Hamburg 1959, Abb. S. 13, 15.

Gerhard Marcks wird am 18. Februar 1889 in Berlin geboren. Nach dem Abitur schließt er sich 1908 zu einer Werkstattgemeinschaft mit dem Bildhauer Richard Scheibe zusammen. Der Militärdienst in Lübeck ab 1912 und die bald darauffolgende Einberufung zum Kriegsdienst unterbrechen seine künstlerischen Aktivitäten. 1918 bietet Bruno Paul dem Künstler eine Lehrtätigkeit an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Berlin an. Marcks nimmt das Angebot an, wechselt aber schon im darauf folgenden Jahr an das Staatliche Bauhaus in Weimar zu Walter Gropius. 1920 wird er mit der Leitung der Bauhaus-Töpferei in Dornburg/Saale betraut. Nach fünf Jahren in dieser Position beruft ihn Paul Thiersch als Lehrer der Bildhauerklasse der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein/ Halle an der Saale. In dieser Zeit unternimmt Marcks verschiedene Studienreisen nach Italien und Paris sowie 1928 seine erste Reise nach Griechenland. In diesem Jahr wird er mit dem Villa-Romana-Preis geehrt. Als Marcks 1933 aus dem Lehramt auf Burg Giebichenstein entlassen wird, zieht er nach Niehagen in Mecklenburg. Vier Jahre später erfolgt die Beschlagnahme seiner Arbeiten. Wie viele andere Künstler ist auch Marcks den Übergriffen der nationalsozialistischen Kulturpolitik ausgesetzt: Er erhält vorläufiges Ausstellungsverbot und die Androhung eines Arbeitsverbotes. Zwei seiner Arbeiten zeigt die Ausstellung "Entartete Kunst". 1943 wird das fünf Jahre zuvor gebaute Atelierhaus in Berlin-Nikolassee und damit auch ein großer Teil der Arbeiten Opfer eines Bombenangriffs. Ebenso werden zahlreiche, in Halle ausgelagerte Werke 1945 zerstört. Nach Kriegsende lehrt Marcks an der Landeskunstschule in Hamburg. 1950 übersiedelt er nach Köln-Müngersdorf, wo er wieder ein Atelierhaus errichtet und als freischaffender Künstler arbeitet. Sein Oeuvre wird nun durch Preise wie 1954 dem Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und 1955 dem Kunstpreis der Stadt Berlin gewürdigt. 1952 schlägt man ihn zum Ritter der Friedensklasse des Ordens "Pour le mérite".

Die hier angebotene Figurengruppe greift das antike Darstellungsschema der drei einander an den Armen fassenden Grazien auf. Marcks interessierte an der Komposition besonders der Raum, der von den drei Figuren umschrieben wird. An seinen Bildhauer-Freund Hans Wimmer (1907-1992) schrieb er: 'Ich habe eben ein ganz altmodisches Motiv hinter mich gebracht: Die 3 Grazien! (..) Es ist eigentlich nur der Raum, von drei Gittermädchen eingefasst.' Mit diesem neuen Interesse am Raum und seiner Begrenzung öffnete sich Marcks Tendenzen, die in der Bildhauerkunst der Nachkriegszeit unübersehbar waren. Gleiches gilt für die verstärkte Stilisierung der Figuren, die auf ein Modellé der skulpturalen Oberfläche weitgehend verzichtet. Die Körper erhalten eine sehr lineare, leicht überzeichnete Akzentuierung, die sowohl ihre Grundformen betrifft, als auch die Gestaltung der abbildenden Details.“ (zit. nach: www.marcks.de/plastik.aspx, Stand: 31.10.2012)

Zahlreiche Reisen führen Marcks in den fünfziger und sechziger Jahren in die USA und nach Mexiko, Südafrika, Italien und nach Griechenland. 92-jährig stirbt der Künstler 1981 in Köln nach einem Schlaganfall. [JG].




119
Gerhard Marcks
Drei Grazien, 1957.
Bronze
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 63.440

(inkl. Käuferaufgeld)