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SPUR

Die Gruppe "SPUR" zählt zu den wichtigsten Künstlergruppen der deutschen Nachkriegskunst und nimmt eine Schlüsselstellung innerhalb der Entwicklung des deutschen Informel ein. Zu den Gründungsmitgliedern zählen die Maler Heimrad Prem (1934-78), Helmut Sturm (1932-2008) und HP (Hans Peter) Zimmer (1936-92) sowie der Bildhauer Lothar Fischer (1933-2004), die alle an der Münchner Akademie der Bildenden Künste studiert hatten. Die Geschichte ihrer Gründung kolportierten sie selbst in der "SPUR-Historie", die im "SPUR-Buch" 1962 veröffentlicht wurde: "[...] Gruppe Spur made in Germany 1957, Name auf der Schneematschstraße gefunden im Januar 1958."
1958 erschien das erste, 21 Thesen umfassende Manifest, das neben Heimrad Prem, HP Zimmer, Helmut Sturm und Lothar Fischer unter anderem auch Asger Jorn, Erwin Eisch und Gretel Stadler unterzeichneten. Darin wurde ebenso provokant wie ironisch der bevorstehende "kulturelle Putsch" proklamiert, mit dem man sich gegen die moderne abstrakte Kunst wandte und ankündigte, die neue Malerei werde "polydimensional" sein. Darüber hinaus findet sich im Manifest der Begriff "Situationismus" und damit ein unmittelbarer Verweis auf die 1957 gegründete revolutionäre Künstlerbewegung "Situationistische Internationale", auf deren dritter Konferenz 1959 die Gruppe "SPUR" Mitglied wurde. 1960 kam Dieter Kunzelmann (geb. 1939) zu "SPUR", und auch Uwe Lausen (1941-70) knüpfte Kontakte mit der Gruppe, die ihm wichtige künstlerische Impulse gab.
"SPUR" begriff sich selbst als offene Plattform, die unterschiedlichen künstlerischen Positionen ein Forum bot. Nichtsdestotrotz war es das Ansinnen der "SPUR"-Vertreter, eine bindende künstlerische Ausdrucksweise zu etablieren. Daher hinterließen im Lauf der Jahre unterschiedliche Einflussquellen, zu denen um 1960 der verzerrende, von der Gotik und der Kunst Max Beckmanns geprägte "Facettenstil" oder ab etwa 1962 verstärkt figurative Tendenzen zählten, sichtbare Spuren in den Werken. Wenngleich man sich intensiv mit diesen Formexperimenten beschäftigte, so sind in der Malerei doch durch alle Phasen hindurch der für das Informel charakteristische impulsive, vitale und gestische Duktus, der souveräne Umgang mit Farbe und die formatfüllende, die Bildfläche beinahe sprengende Dynamik fassbar zu machen. Ferner finden sich auch Einflüsse von Seiten der "Art Brut" und der "CoBrA"-Künstler. Immer wieder entstanden Gemeinschaftsarbeiten wie beispielsweise der "SPUR-Bau" oder "Canal Grande Crescente" (beide 1963).
Ab 1960 wurde die Zeitschrift "SPUR" veröffentlicht, von der sieben Ausgaben erschienen. Die bisweilen provokanten Inhalte, vor allem in der sechsten Ausgabe "SPUR IM EXIL", führten zu einem Strafprozess gegen Dieter Kunzelmann, Helmut Sturm, Heimrad Prem und HP Zimmer. Die Anklage lautete auf Gotteslästerung und Verbreitung unzüchtigen Schrifttums, das Verfahren wurde jedoch Jahre später eingestellt.
1965 vereinigte sich die "SPUR" mit der Münchner Künstlergruppe "WIR". Aus diesem Zusammenschluss erwuchs ein Jahr später die Gruppe "GEFLECHT".