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Haute Pâte / Matter Painting

Die Bezeichnung "Haute Pâte" (engl. "Matter Painting") umschreibt die reliefartig erhabene Struktur eines Gemäldes. Im engeren Sinne ist der Begriff auf bestimmte Werkgruppen im Oeuvre von Künstlern anzuwenden. Hier soll besonders auf die Gemälde der französischen Informellen Jean Fautrier (1898-1964) und Jean Dubuffet (1901-85) hingewiesen werden.
Zwischen 1943 und 1945 schuf Jean Fautrier die Bilderserie "Les Otages" ("Die Geiseln"). Dafür schichtete Jean Fautrier die Farbe reliefartig und pastos auf die Leinwand und verband die Farbmaterie durch Furchen und Kratzer mit dem darunter aufgeklebten Papier, wodurch es ihm gelang, die gleichsam im Malmaterial verborgenen, bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Gesichter der Geiseln an die Bildoberfläche zu holen.
In Jean Fautriers Nachfolge führte Jean Dubuffet ab 1945 mehrere Gemälde in der "Haute Pâte"-Technik aus. Charakteristisch für diese Arbeiten ist zweierlei: Einerseits arbeitete Jean Dubuffet mit Farben, die er pastos auf die Leinwand auftrug, so dass die unterschiedlichen Texturen aufeinander reagieren konnten oder im Trocknungsprozess Risse und Aufwerfungen erzeugten. Andererseits ist überliefert, dass Jean Dubuffet Materialien wie Sand und Kies - nicht jedoch, wie lange Zeit angenommen, Teer - unter die Farben mischte oder Schnüre, Scherben, Splitter und Kieselsteine in das noch feuchte Malmaterial implantierte. Seine Rezepturen hielt Jean Dubuffet in Atelierheften sorgsam fest.
Aus dieser plastisch aufgefassten Malweise, mit der die Künstler den Materialcharakter von Farbe ausloteten, resultierte darüber hinaus eine völlig neue Rezeptionssituation, da der Betrachter nicht länger nur die plane Bildfläche, sondern eine in den Raum vordringende, beinahe haptisch begreifbare Oberfläche wahrnimmt.
Neben Jean Fautrier und Jean Dubuffet bedienten sich andere Künstler wie Bram Bogart, Marc Mendelson, Bernard Schultze, Antoni Tápies oder Jaap Wagemaker der Technik des "Haute Pâte".


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