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Grötzinger Malerkolonie

Die Entstehung der Künstlerkolonie in Grötzingen ist eng mit der Nähe des Dorfes zu Karlsruhe verknüpft. Dort war Johann Wilhelm Schirmer, ein hochrangiger Landschaftsmaler, Direktor der Kunstschule. 1880 folgte die Berufung von Gustav Schönleber, der die moderne Freilichtmalerei, den Pleinairismus, in Karlsruhe heimisch machte. Den Ideen aus Barbizon folgend zogen die Schüler von Gustav Schönleber in die Landschaft, um zu malen - Grötzingen lag nahe und wurde bald viel frequentiert.
Friedrich Kallmorgen (1856-1924), Schönleber-Schüler und von seinem Lehrer stark geprägt, war der erste, der sich über die Sommermonate in Grötzingen ansiedelte: 1888 bezog er mit seiner Frau, der Blumenmalerin Margarethe Hormuth-Kallmorgen, ein Sommerhaus in Grötzingen und legte somit den Grundstein für die Malerkolonie. Rasch integrierte Friedrich Kallmorgen das bäuerliche Umfeld in seine Arbeiten, neben ländlichen Genreszenen entstanden auch lockere Pleinair-Landschaften mit Figuren.
Bald kamen weitere Künstler nach Grötzingen und bezogen dort das ehemalige markgräfliche Schloss, die Augustenburg. Elisabeth und Jenny Nottebohm machten den Anfang, ihnen folgte Gustav Kampmann (1859-1917), der zur reinen, schon tendenziell abstrahierten Landschaft finden sollte. Der Tiermaler Otto Fikentscher übersiedelte ebenfalls nach Grötzingen und heiratete Jenny Nottebohm. Auch Franz Hein, der besonders als Märchenmaler bekannt wurde, sowie zeitweise der Lithograph Carl Langhein, Hermann Osthoff und Eduard Euler zählten zu den Grötzinger Künstlern. Zuletzt bezog 1899 Karl Biese die Augustenburg. Auch zahlreiche Schüler und insbesondere Schülerinnen bevölkerten in den Sommermonaten das Malerdorf Grötzingen und bescherten den Künstlern einen nicht unbeträchtlichen Nebenverdienst.
Die Maler der Grötzinger Kolonie stammten sämtlich aus der Karlsruher Kunstschule und kannten sich seit Studienzeiten, so dass zu vermuten steht, dass die Kolonie aus dieser persönlichen Bindung heraus erwachsen ist. Zudem waren die Bedingungen für die Entstehung der Kolonie äußerst günstig: Ein Schloss konnte bezogen werden, ferner lag Grötzingen äußerst nahe an Karlsruhe und war mit der Eisenbahn hervorragend angebunden. Die Grötzinger blieben darum auch eng mit Karlsruhe verbunden, etwa waren Friedrich Kallmorgen, Otto Fikentscher, Gustav Kampmann, Franz Hein und Karl Biese 1896 Gründungsmitglieder des "Künstlerbundes".
Bereits ab 1902 begann der sukzessive Wegzug der Künstler aus Grötzingen, und 1905 schien die Zeit der Grötzinger Malerkolonie beendet. Nur noch sporadisch betätigten sich einzelne Künstler in dem Malerdorf nahe Karlsruhe.


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