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Auktion: 465 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.05.2018 in München Lot 7

 
Objektbeschreibung
Napoleon vor dem brennenden Smolensk. 1836.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert und datiert. Verso mit der gestempelten Nummer "148". 59,7 x 78,5 cm (23,5 x 30,9 in).

Mit einer schriftlichen Fotoexpertise von Dr. Ulrike von Hase-Schmundt, München, vom 31. März 2011.
Wir danken Claudia Maria Müller M.A., Staatliche Kunstsammlungen Dresden, für die wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Sammlung Dr. Walter Helbig, Dresden (wohl 1930er Jahre bis mindestens 1970).
Antonina Westphalen, Wien.
Privatsammlung Wien.
Neumeister, München, 6. Juli 2011, Lot 471.
Privatsammlung Süddeutschland (beim Vorgenannten erworben).

LITERATUR: Hyacinth Holland (Hrsg.), Albrecht Adam (1786-1862). Aus dem Leben eines Schlachtenmalers. Selbstbiographie nebst einem Anhange, Stuttgart 1886, S. 175-178 (zum Aufenthalt des Künstlers bei Smolensk im August 1812).
"Am Abende der Schlacht gewahrte man von unserem Lagerplatze aus ein schauerlich schönes Schauspiel: die Stadt [Smolensk] stand in hellen Flammen und die glühende Abendsonne vermischte ihre Strahlen mit der Gluth des Brandes. [..] Nie in meinem Leben sah ich wieder solch zauberische Lichteffekte."
(Zit. nach: Albrecht Adam, in: Hyacinth Holland (Hrsg.), Albrecht Adam (1786-1862). Aus dem Leben eines Schlachtenmalers. Selbstbiographie nebst einem Anhange. Stuttgart 1886, S. 176)

Essay
Unser imposantes Historiengemälde zeigt den siegreichen Napoleon Bonaparte auf einem Schimmel sitzend vor den Toren des am 18. August 1812 eroberten Smolensk. Albrecht Adam, der Hofmaler von Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais, ist Augenzeuge des Russlandfeldzugs von 1812, seine Erinnerungen dokumentiert der Schlachtenmaler in Zeichnungen und seiner 1886 publizierten Selbstbiografie. Während der Eroberung von Smolensk lagert der Künstler mit den Truppen von Prinz Eugène etwa eine Stunde von der Stadt entfernt in einem Birkenwäldchen. Erst am nächsten Tag durchzieht er die in großen Teilen zerstörte Stadt. In seiner Selbstbiografie berichtet Adam von den Gräueln des Krieges, die im Bild durch eine Spur von Leichen und verwundeten Soldaten verdeutlicht werden. Diese führen den Blick in den Bildhintergrund, auf das zum Hort von Zerstörung und Tod gewordene Smolensk. Das Künstlerauge Adams hat abseitig der Schrecken des Krieges jedoch auch einen Blick für die schöne Fremdartigkeit der Stadt. In Übereinstimmung mit den Schilderungen seiner Selbstbiografie zeigt unser Bild zwischen dicken Rauchschwaden einen strahlend blau aufblitzenden Sommerhimmel, die zu Asche zertrümmerte Vorstadt und dahinter, getrennt durch den Strom des Dnjepr und eine hohe Stadtmauer, die nahezu unversehrt gebliebene Innenstadt mit der imposant auf einer Anhöhe thronenden Himmelfahrts-Kirche. Letztere ist einer lokalen Legende zufolge auf ausdrücklichen Wunsch Napoleons vor Plünderung verschont geblieben, bei Missachtung seines Befehls soll der Kaiser mit dem Tod durch seine eigene Hand gedroht haben.
Unser 1836 komponiertes Gemälde basiert auf den Aufzeichnungen und vor Ort angefertigten Zeichnungen Adams, der im Gefolge des Prinzen noch mehrere Tage bei Smolensk verbrachte. Es entstehen hier unter anderem auch Skizzen, die später als Basis für seine Lithografien der "Voyage pittoresque .." (erschienen 1827-33) sowie zahlreiche Gemälde dienten: "Hier fühlte ich mich sehr behaglich und machte mich an das Werk, Mehreres, was ich bisher nur mit flüchtigen Strichen entwerfen konnte, ins Reine zu bringen, zeichnete daneben aber auch vieles Neue. Es waren die letzten Stunden der Muse, die mir während dieses Feldzuges zu Theil wurden. Das Rennen und Jagen dieses kolossalen Soldatenhaufens, um einen großen Moment der Entscheidung zu erhaschen, war nicht geeignet, einem Künstler Zeit zu lassen, alles Zeichenswerthe festzuhalten." (zit. nach: Selbstbiographie, S. 177).
Das hier angebotene Gemälde ist das einzige, das Napoleon vor Smolensk zeigt, dem Adam zumindest hier nicht persönlich begegnet ist. Für die Darstellung des Kaisers kann der Künstler auf eine ähnliche Begegnung 1809 vor dem brennenden Regensburg zurückgreifen: "Napoleon [..] stand gegen Abend nicht ferne von mir auf der Anhöhe [..]. Unverwandt blickte er nach der Stadt in das mittlerweile bedeutend gewachsene Feuer. Er schien mir unheimlich, ich dachte an Nero" (zit. nach: Selbstbiographie, S. 71). Durch die Einbindung Napoleons in die Komposition würdigt Adam einerseits dessen triumphalen Sieg, deutet in der stoischen Nachdenklichkeit der Figur gleichzeitig aber auch den weiteren Verlauf der Geschichte an. Die Eroberung von Smolensk brachte nicht den erhofften, entscheidenden Sieg über Russland. Auf Geheiß des Kaisers zieht die Grande Armée daher am Morgen des 23. August gen Moskau, "dem Grabe von Napoleons Macht und Glanz", wie Adam später urteilt (zit. nach: Selbstbiographie, S. 179).
Diese verdichtete Deutungsweise begründet möglicherweise auch die äußerst positive Einschätzung Adams zu seinem Bild, der noch im Jahr der Entstehung hierzu äußerte: "[..] Ich selbst habe gegenwärtig ein Bild in Arbeit welches bey Kennern Aufsehen erregt, es ist Napoleon vor dem brennenden Smolensk [..] dieses Bild, und besonders der Ton in dem es gemalt ist, hat bisher jeden der es sah einen großen Eindruck gemacht, es hat einen nicht unbedeutenden Umfang, u[nd] gehört zu meinen größeren Werken." (aus einem Brief Albrecht Adams an seine Tochter Amalie, München, 30. Dezember 1836). [FS]
7
Albrecht Adam
Napoleon vor dem brennenden Smolensk, 1836.
Öl auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 90.000
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Weitere Abbildungen
Albrecht Adam - Napoleon vor dem brennenden Smolensk - Rahmenbild
Rahmenbild
 
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