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Romul Nutiu

Biografien
Romul Nutiu

*  1932 Bilbor (Rumänien)
† 2012 Timisoara


Mit seinen intuitiven Farbexperimenten gilt Romul Nutiu als Pionier der informellen Kunst in Rumänien. Am 28. Juli 1932 wird er in Bilbor geboren. Im Jahr 1940 flüchtet seine Familie infolge des Wiener Schiedsspruchs nach Blaj und siedelt kurz darauf nach Reghin um. Von 1951 bis 1957 studiert Romul Nutiu an der Akademie der Bildenden Künste „Ion Andreescu“ in Cluj. Kurz darauf zieht er nach Timisoara und nimmt dort erstmals am Jahressalon für Bildende Kunst teil. Auf seine Spezialisierung an der Akademie der Bildenden Künste „Nicolae Grigorescu“ in Bukarest folgt 1959 die Teilnahme Nutius an der nationalen Kunstbiennale. Zurück in Timisoara ist er dort als Lehrer und Universitätsprofessor tätig. Darüber hinaus schließt er sich dem Bund Rumänischer Künstler an, dessen Präsident er später wird.
Romul Nutius künstlerische Laufbahn beginnt mit den modularen Kompositionen auf Leinwand der 1960er Jahre. Bereits in diesen Arbeiten zeigt sich seine analytische Herangehensweise an die Malerei und seine Suche nach tieferen Strukturen der Organisation von Raum und Materie. Parallel entstehen Assemblagen mehrerer Leinwände, die als dreidimensionale Objekte das Spiel mit den Wahrnehmungsebenen antreiben. Ab den 1970er Jahren lässt sich in der rumänischen Kunst eine der politischen Ideologie und der Ästhetik des sozialistischen Realismus entgegengesetzte Tendenz erkennen. Romul Nutius informelle Malerei dieser Jahre stellt eine von ebendiesen oppositionellen Strömungen dar.
Nur stellenweise greift der Künstler intuitiv und spontan in den Reaktionsprozess der farbigen Materie auf den verschieden behandelten Oberflächen ein, fungiert jedoch meist als Beobachter einer höheren Kraft, frei nach Henri Bergsons Prinzip „elan vital“. Im Rahmen der Themenreihe „Dynamic Universe“, die er 1975 in der Helios Art Gallery in Timisoara präsentiert, überträgt Romul Nutiu sich auf der Wasseroberfläche absetzende Farbmischungen in einem dynamischen Prozess auf die Leinwand. Diese eigens entwickelte Methode wendet er bald auch auf Objekte aus dem häuslichen Kontext an, überflutet diese mit der farbigen Materie und annulliert so ihre funktionale Gegenständlichkeit. Anhand der in den 1980er Jahren entstandenen abstrakt-expressionistischen Arbeiten „Sections through Fertile Soil“ wird die Faszination des Künstlers für vegetabile Strukturen deutlich. Zwischen konkreter und abstrakter Kunst experimentierend, hält Romul Nutiu so stets die Verbindung zum natürlichen Vorbild aufrecht. Nach weiteren künstlerischen Experimenten kehrt er in den 2000er Jahren wieder zu seinen früheren Themen zurück und steigert dabei die Monumentalität seiner Arbeiten sowie deren semantische Komplexität bis zum Ende seiner künstlerischen Karriere. Am 5. April 2012 verstirbt der Künstler in Timisoara, sein Werk wurde bereits zu Lebzeiten in zahlreichen Ausstellungen gewürdigt. Im selben Jahr 2012 widmet ihm das Timisoara Art Museum die Retrospektive „Romul Nutiu. Life & Work“.