Auktion: 499 / Wertvolle Bücher am 06.07.2020 in Hamburg Lot 195

 
195
Wilhelm Liebknecht
Brief an Ernestine Liebknecht, 17. Nov. 1866
Schätzung:
€ 1.000
Ergebnis:
€ 875

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Wilhelm Liebknecht (1826-1900)
Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Berlin (mit Briefkopf der "Königl. Stadtvogtei"), 17. November 1866. 3 engbeschriebene Seiten (S. 3 verso mit eigenhändiger Adresse). 20 : 16,5 cm.

Warmherziger Brief des SPD-Mitbegründers aus der Berliner "Gefangen-Anstalt" an seine Frau Ernestine in Leipzig.

Wilhelm Liebknecht verbrachte aufgrund seiner politischen und publizistischen Tätigkeiten insgesamt 6 Jahre in Haft. Im August 1866 hatte er gemeinsam mit Otto Freytag und August Bebel in Chemnitz die linksliberale "Sächsische Volkspartei" gegründet. - ".. Du hast recht, zum Lachen ist die Geschichte nicht, aber das meinte ich auch nicht; im Gegentheil, es würde mich sehr ärgern, wenn Du sie lächerlich fändest; ich wollte bloß sagen, daß Du meine Haft nicht allzu ernst nehmen solltest. - Die ersten Tage, das kann ich dir versichern, waren fürchterlich; die Ungewißheit um Dich, oder richtiger die Gewißheit, daß Du völlig unversorgst warst und dazu Deine schwache Gesundheit -- mein Innres wurde bis auf den Grund aufgepflügt .. Was Du mir von Bebel schreibst, wundert mich nicht; ich wußte, daß er ein nobler Bursche ist. Danke ihm tausendmal in meinem Namen, ihm und dem guten Benedikt .. Heut habe ich noch 2 Monate, Du siehst die Zeit vergeht - feiern wir Alice's Geburstag, Baby's Geburtstag und Weihnachten zum zweiten mal. - Daß Alice Dich auf das Wiedersehn vertröstet, hat mich gerührt ..". Liebknechts Sorge um die Gesundheit seiner Frau war berechtigt, 1867 starb sie 35jährig an Tuberkulose. Mit seiner zweiten Frau Natalie hatte er u. a. die Söhne Theodor, Otto und Karl Liebknecht.

- ZUSTAND: Mit kl. Fehlstelle im Rand durch Entfernen des Siegels (mit Wortverlust).

Autograph letter signed by politician and publicist Wilhelm Liebknecht, later father of politician Karl and chemist Otto Liebknecht), to his first wife Ernestine, from a Berlin prison. About conditions in prison, family matters, the fragile health of his wife and news from friends and political comrades. 3 pp., with the address on verso of page 3. - With small defect in paper where the seal was removed, with loss of words.R)

195
Wilhelm Liebknecht
Brief an Ernestine Liebknecht, 17. Nov. 1866
Schätzung:
€ 1.000
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