Auktion: 415 / Klassische Moderne am 06.06.2014 in München Lot 162

 
162
Marc Chagall
Strauss mit Verliebten, 1976.
Farblithografie
Schätzung:
€ 14.000
Ergebnis:
€ 21.875

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Strauss mit Verliebten. 1976.
Farblithografie.
Sorlier 842. Signiert und nummeriert. Aus einer Auflage von 50 Exemplaren. Auf Velin. 64,7 x 47,7 cm (25,4 x 18,7 in). Papier: 83,4 x 58,3 cm (32,8 x 23 in).
Herausgegeben von Maeght, Paris. [CB].

Die Studienzeit verbringt Chagall zunächst in Witebsk, anschließend an der Petersburger Akademie bei Leon Bakst, der ihn auf Cézanne, van Gogh und Gauguin hinweist. Diese Einflüsse werden abgelöst von kubistischen und fauvistischen Tendenzen, die Chagall ab 1914 während eines vierjährigen Parisaufenthaltes zunehmend in seine Arbeit miteinbezieht. Seinen eigenen Stil - motivisch eine irreale Kombination symbolischer Bildmotive, bestehend aus jüdisch-religiös geprägten Kindheitserlebnissen und russischer Volkskunst, gepaart mit traumhaften Elementen und dem Einfluss der in Paris entdeckten modernen Kunst - entwickelt Chagall erst nach seiner Rückkehr nach Russland. In Witebsk gründet er 1919 eine Kunstschule und wird deren Direktor. Im selben Jahr übernimmt er die Ausstattung des Jüdischen Theaters in Moskau. 1922 verlässt Chagall endgültig Russland und zieht über Berlin, wo die ersten grafischen Blätter, Radierungen zu der Autobiografie "Mein Leben", entstehen, nach Frankreich zurück. 1923 in Paris angekommen macht Chagall die Bekanntschaft mit dem Kunsthändler Vollard, der die Buchillustration des Werkes "Die toten Seelen" von Gogol in Auftrag gibt. Nach weiteren 100 Radierungen zu La Fontaines "Fabeln" entstehen ab 1930 die Bibelillustrationen, insgesamt 105 Blätter. Ausgedehnte Reisen führen den Künstler in diesen Jahren nach Palästina, Ägypten, Holland, England und Spanien. 1941 flieht Chagall in die USA, wo er die folgenden sechs Jahre lebt. Er entwirft in dieser Zeit Bühnenbilder für Ballettaufführungen von Tschaikowsky ("Aleko") und Strawinsky ("Feuervogel"). Nach einer großen Ausstellung im Museum of Modern Art 1946 kehrt der Künstler 1950 nach Frankreich zurück. Einige Großaufträge unterbrechen sein beschauliches Leben in Vence: Für verschiedene öffentliche Bauwerke wie z.B. die Kathedrale von Metz (1958), die Synagoge der Hadassah-Universitätsklinik bei Jerusalem (1960), oder das Haus der Vereinten Nationen in New York (1964) entwirft Chagall Glasfenster.

In seinen späten Schaffensjahren hat Chagall Motive, die für sein malerisches ¼uvre besonders erfolgreich waren, variierend wiederholt. Die hier angebotene Lithografie enthält alles, was für die Bildinhalte des Künstlers typisch ist. Sowohl das Liebespaar als auch der Blumenstrauß sind feste Bestandteile einer Ikonographie, die sich Chagall ein Künstlerleben lang erarbeitet hat und die zu seinen Markenzeichen werden. Seine Bilder leben von narrativen Inhalten, insofern sind sie eher der Malerei des neunzehnten Jahrhunderts verpflichtet. Das macht sie andererseits aber auch für ein breites Publikum so leicht verständlich. Diese Grafik stellt ein Resümee der eigenen, bereits gefundenen Bildinhalte dar, die Chagall gleichsam erinnernd zitiert.

Neben anderen zahlreichen Auszeichnungen erhält Chagall 1977 vom damaligen Präsidenten Frankreichs Valéry Giscard d’Estaing das Großkreuz der Ehrenlegion. Es folgen weltweit umfangreiche Ausstellungen, in denen auf seine internationale Bedeutung und seinen enormen Einfluß auf die Kunst des 20. Jahrhunderts hingewiesen wird. Ab 1978 fertigt Chagall für die Pfarrkirche St. Stephan in Mainz die Entwürfe zu den Chorfenstern an, von denen neun zu Lebzeiten von ihm selbst auch ausgeführt werden. Nach seinem Tod am 28. März 1985 werden die übrigen von einigen seiner Schüler fertiggestellt.

162
Marc Chagall
Strauss mit Verliebten, 1976.
Farblithografie
Schätzung:
€ 14.000
Ergebnis:
€ 21.875

(inkl. 25% Käuferaufgeld)