Auktion: 330 / Modern Art / Kunst nach 45/ Seitenwege am 05.12.2007 in München Lot 144

 
Alexander Kanoldt - Landschaft mit Kirchturm

144
Alexander Kanoldt
Landschaft mit Kirchturm, 1921.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 50.400

(inkl. 20% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Landschaft mit Kirchturm. 1921.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert. Auf dem Keilrahmen nochmals signiert und datiert "1921/IX". 29 x 35,5 cm ( 11,4 x 13,9 in).

PROVENIENZ: Von der Familie Sondheimer vor 1938 erworben.
Privatsammlung Süddeutschland.

Alexander Kanoldt wird 1881 als Sohn des Landschaftsmalers Edmund Friedrich Kanoldt in Karlsruhe geboren. Er beginnt zunächst eine Lehre als Dekorationsmaler an der dortigen Kunstgewerbeschule und wechselt dann 1901 an die Akademie der bildenden Künste. Hier eignet sich Kanoldt erste zeichnerische Grundlagen an und befreundet sich mit dem Kommilitonen Adolf Erbslöh. In dieser Zeit studiert er intensiv die Technik der Neoimpressionisten, die ihn zu drucktechnisch aufwendigen Farblithografien anregen. 1904 setzt Kanoldt sein Studium in der Malklasse von Friedrich Fehr fort und wird 1906 dessen Meisterschüler. 1908 siedelt der Künstler nach München über, wo er ein Jahr später u.a. mit Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter die "Neue Künstlervereinigung München" gründet, einem Vorläufer des "Blauen Reiter". An deren erster Ausstellung 1909 in der Münchner Modernen Galerie von Heinrich Thannhauser ist auch Kanoldt beteiligt. 1913 wird er neben Karl Caspar, Jawlensky und Paul Klee Mitglied der "Münchener Neuen Secession". Seine künstlerische Laufbahn wird durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, in dem er als Offizier Kriegsdienst leistet. Nach Kriegsende entstehen Landschaften und Stillleben im neusachlichen Stil, die einen Neubeginn in seinem Schaffen darstellen.

Kanoldts klare Vorstellung von einer Malweise, die das Objekt von allem Überflüssigen befreit und trotz der Nähe zum Gegenstand eine stilisierte Wirklichkeit erreicht, lässt ihn bald als einen führenden Vertreter der Neuen Sachlichkeit gelten. Doch der Künstler wird weder durch ein romantisches Naturgefühl noch durch die Sozialkritik anderer Maler dieser Ausrichtung geleitet. Kanoldt verfolgt konsequent einen für ihn vorgezeichneten Abstraktionsprozess, der eine flächengeometrische Bildaufteilung mit einer charakteristischen Klarheit und Härte verbindet. Das Fehlen alles Lebendigen und Zufälligen verleiht seinen Arbeiten ihre geheimnisvolle Ruhe und kühle Melancholie.

1925 nimmt der Maler an der Ausstellung "Neue Sachlichkeit" in der Kunsthalle Mannheim teil. Im selben Jahr wird er an die Breslauer Kunstakademie berufen und lehrt dort bis 1931. 1927 gründet er zusammen mit 18 Malerkollegen die Badische Sezession in Freiburg im Breisgau und wird 1932 Mitglied der Münchner Künstlergruppe "Die Sieben". Obwohl er noch 1933 als Professor an die Kunstakademie in Berlin berufen wird, gelten Kanoldts Werke unter dem NS-Regime als "entartet" und werden 1937 beschlagnahmt. Im Januar 1939 erliegt Alexander Kanoldt einem Herzleiden. [NB]

Zustand: In guter Erhaltung. Partiell mit unbedeutendem Craquelé. Keilrahmen teils minimal durchdrückend. Am linken Rand unten mit kleiner Farbabplatzung.

144
Alexander Kanoldt
Landschaft mit Kirchturm, 1921.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 50.400

(inkl. 20% Käuferaufgeld)