Auktion: 533 / Modern Art Day Sale und Sammlung Hermann Gerlinger am 10.12.2022 in München Lot 476

 

476
Karl Hofer
Meeresstille, Um 1912.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 25.000 - 30.000
+
Meeresstille. Um 1912.
Öl auf Leinwand.
Wohlert 212. Rechts unten monogrammiert "CH." (ligiert). Verso auf dem Keilrahmen mit altem nummeriertem Etikett "27. / 111." sowie von fremder Hand nummeriert. 35 x 54 cm (13,7 x 21,2 in).
[KT].

• Hervorragende Provenienz aus der Sammlung Konrad und Annalise Hager, Hamburg, mit dem Künstler befreundetes Sammlerpaar.
• Aus dem Frühwerk des Künstlers, entstanden in der Zeit seines Aufenthaltes in Paris 1908-1913.
• Deutlich zeigt sich in dieser frühen Phase das Interesse am menschlichen Körper, im Dialog mit Tradition und Moderne zwischen Hans von Marées, Paul Cézanne und Picasso.
• Im wellenförmigen, sanften Pinselduktus schafft Hofer eine träumerisch-ruhende Stimmung
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Bayern.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (bis 1958, Stuttgarter Kunstkabinett 21./22.11.1958).
Sammlung Konrad und Annalise Hager, Hamburg (vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung USA (aus Familienbesitz erhalten).

AUSSTELLUNG: Carl Hofer, Wilhelm Lehmbruck, Gustav Schraegele, Kunstsalon Ludwig Schames, Frankfurt a. Main, März-April 1915, Nr. 10.
Mai-Ausstellung, Kunsthalle Basel, Mai 1916, S. 10, Nr. 117.
Carl Hofer, Erna Pinner, Albert Spethmann, Kunstsalon Ludwig Schames, Frankfurt a. Main, Juni 1917, Nr. 13.
Gemälde und Zeichnungen von Karl Hofer, Kunstsalon Emil Richter, Dresden, 1917 [?], Nr. 14.

LITERATUR: Kunsthaus Lempertz, Köln, Auktion 441, 1954, Los 141.
Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer, Auktion 32, 21./22.11.1958, Los 366 (Abb. Taf. 16).
Kunstpreis-Verzeichnis, 14, München 1958/59, S. 312 (hier betitelt "Zwei weibliche Akte am Strand").

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 18.11 h +/- 20 Min.

„Das Romantische besaß ich, das Klassische habe ich gesucht“, beschreibt Karl Hofer seine künstlerische Entwicklung. Besonders in seinem Frühwerk macht sich dieser Prozess bemerkbar. Nach dem Studium an der Karlsruher Akademie ermöglicht ihm die finanzielle Unterstützung des Schweizer Industriellen und Mäzens Theodor Reinhart 1903 die Übersiedelung nach Rom, wo er sich auf die Suche nach dem klassischen Formideal einer antiken Geisteshaltung macht. Die Bekanntschaft des Kunsthistorikers Julius Meier-Graefe macht ihn auf die römischen Werke Hans von Marées aufmerksam, dessen Figuren eine elegische Stimmung und idyllische Anmut ausstrahlen. Ebenfalls auf Anraten Meier-Graefes und dem Wunsch folgend, eine malerischere und weniger dem Formideal verpflichtete Art des Ausdrucks weiterzuentwickeln, übersiedelt er 1908 nach Paris, dem damaligen Zentrum avantgardistischer Bewegungen. Beeindruckt erlebt er dort bereits 1907 die großen Retrospektiven Paul Cézannes, die dem im Vorjahr verstorbenen Künstler von der Galerie Bernheim-Jeune und dem Salon d’automne gewidmet waren. Zentrales Motiv Cézannes sind immer wieder die Badenden, die in vollkommener Harmonie mit der Natur verschmelzen. Während seines Paris-Aufenthaltes reist Hofer oftmals an die nordfranzösische Küste, wiederholte Male in das Hafenstädtchen Ambleteuse. Anders als die Maler impressionistischer Prägung nimmt er nicht die mondänen Sommerfrischler aus der Metropole in den Blick. Zwei weibliche Figuren, auf weiche Tücher im Sand gebettet, verschmelzen im weichen Strich der Frühzeit Hofers mit der sie umgebenden Meereslandschaft. Hinter ihnen das ruhige Meer, ein abendlicher Himmel, eine Wellenbewegung nachempfindende Sandhügel. Ortlos, zeitlos und schwebend scheint die Szenerie, die sich vor dem unendlichen Raum des Meeres darbietet. Inspirierend dürften für Hofer für das Gemälde sicherlich auch die Werke des großen französischen Symbolisten Pierre Puvis de Chavannes gewesen sein, in denen ebenso eine Gestimmtheit der Ruhe, ein Gefühl der Weite und des melancholischen Sehnens zu spüren ist. Dazu gehört auch die gleichsam entsättigte Farbharmonie, die die lyrische und träumerische Stimmung unterstreicht. Hofers Interesse gilt nicht der Begegnung mit der Realität; vielmehr sucht er in seiner Malerei einen Ausdruck innerer Welten. Dieses frühe Werk darf als besonderes Beispiel seiner Auseinandersetzung sowohl mit der Kunst und den Motiven lange vergangener Zeiten als auch mit den Meistern der Moderne gelten, die Hofer zu seiner individuellen Poesie verschmilzt. [KT]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Karl Hofer "Meeresstille"
Dieses Objekt wird differenzbesteuert, zuzüglich einer Einfuhrumsatzabgabe in Höhe von 7 % (Ersparnis von etwa 5 % im Vergleich zur Regelbesteuerung) oder regelbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.