Auktion: 535 / Evening Sale mit Sammlung Hermann Gerlinger am 09.12.2022 in München Lot 52

 

52
Karl Schmidt-Rottluff
Mondschein, 1919.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 600.000 - 800.000
+
Mondschein. 1919.
Öl auf Leinwand.
Grohmann S. 196/289. Am rechten Rand unterhalb der Mitte signiert und datiert. Verso auf dem Keilrahmen erneut signiert und betitelt "Mondschein". Von fremder Hand nummeriert "7" und "112" sowie bezeichnet "Gebhard". Mit Etikett der Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf, dort handschriftlich nummeriert "[..]415", und der Galerie Ferdinand Möller, Berlin. 87 x 101 cm (34,2 x 39,7 in).
[KT].
• In der Betrachtung von Mensch und Natur findet Schmidt-Rottluff im Nachkriegsjahr zu einer größeren Sensibilität und einem ganz neuen Vertrauen in die Farbe.
• Im Entstehungsjahr heiratet Schmidt-Rottluff die Fotografin Emy Frisch (1884–1975).
• Eine Liebeserklärung von musealer Qualität.
• Schon Ernst Gosebruch erkennt 1920 den Zauber dieses intimen, für den Künstler so wichtigen Gemäldes.
• Bedeutende Provenienz: aus der Sammlung Klaus Gebhard, Textilfabrikant und Expressionismus-Mäzen in Wuppertal.
• Noch im Entstehungsjahr in der Berliner Galerie von Ferdinand Möller ausgestellt
.

Das Werk ist im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin, dokumentiert.

PROVENIENZ: Galerie Ferdinand Möller, Berlin (verso mit dem Etikett).
Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf (1921, verso mit dem Etikett).
Sammlung Klaus Gebhard (1896-1976), Elberfeld/Wuppertal.
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (mit dem Sammlerstempel Lugt 6032).

AUSSTELLUNG: Sonderausstellung Schmidt-Rottluff, Galerie Ferdinand Möller, Berlin-Schöneberg, Dez. 1919-März 1920.
Munch und die Brücke. Werke von Edward Munch, Erich Heckel, E. L. Kirchner, Otto Mueller, Emil Nolde, Max Pechstein, Schmidt-Rottluff, Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf, 15.11.-15.12.1921, Nr. 35.
Wohl Frühjahrsausstellung, Akademie der Künste zu Berlin 1924, Kat.-Nr. 197.
Karl Schmidt-Rottluff zum 100. Geburtstag, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, 3.6.-12.8.1984, Kat.-Nr. 34 (m. Abb., Umschlagabb.).
Karl Schmidt-Rottluff, Retrospektive, Kunsthalle Bremen, 16.6.-10.9.1989; Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 27.9.-3.12.1989, Kat.-Nr. 205 (m. SW-Abb., Farbtaf. 71, Ausstellungsansicht 1919, S. 88).
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Frauen in Kunst und Leben der "Brücke", Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig, 10.9.-5.11.2000, Kat.-Nr. 136 (m. Abb. S. 217).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Das andere Ich. Porträts 1900-1950, Staatliche Galerie Moritzburg, Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 6.4.-15.6.2003, Kat.-Nr. 266 (o. Abb.).
Expressiv! Die Künstler der Brücke. Die Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina Wien, 1.6.-26.8.2007, Kat.-Nr. 58 (m. Abb.).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).
Brückenschlag: Gerlinger – Buchheim!, Buchheim Museum, Bernried, 28.10.2017-25.2.2018, S. 354f. (m. Abb.).
Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck!, Buchheim Museum, Bernried, 29.9.2018-3.2.2019, S. 234f. (m. Abb.).

LITERATUR: Wilhelm Reinhold Valentiner, Karl Schmidt-Rottluff, Leipzig 1920 (Abb. 16).
Wilhelm Reinhold Valentiner, Karl Schmidt-Rottluff, in: Jahrbuch der jungen Kunst, Jg. 1, Leipzig 1920, S. 189-212, 1920 (Abb. 1).
Karl Scheffler, Karl Schmidt-Rottluff, in: Kunst und Künstler, Jg. 18, Berlin 1920, S. 274-280, Abb. S. 279.
Wilhelm Reinhold Valentiner, Schmidt-Rottluff, in: Der Cicerone, Jg 12, Juni 1920, S. 455-476, Abb. 1.
Ernst Gosebruch, Schmidt-Rottluff, in: Genius, Jg. 2, 1920, S. 5-20, Abb. S. 11.
Will Grohmann, Karl Schmidt-Rottluff, Stuttgart 1956, S. 67, 98, 196 (m. Abb.), 289.
Gerhard Wietek, Karl Schmidt-Rottluff in Hamburg und Schleswig-Holstein, Neumünster 1984, S. 143 (m. Abb.).
Eberhard Roters, Galerie Ferdinand Möller: die Geschichte einer Galerie für Moderne Kunst in Deutschland, 1917-1956, Berlin 1984, S. 45, 37 (Ausstellungsansicht 1919).
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 389, SHG-Nr. 673 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 89, SHG-Nr. 185 (m. Abb.).
Katja Schneider (Hrsg.), Moderne und Gegenwart. Das Kunstmuseum in Halle, München 2008, S. 116f. (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Gemeinsames Ziel und eigene Wege. Die "Brücke" und ihr Nachwirken, München 2009, S. 46, Abb. 28.

"Es ist zaubervoll, wie rein aus der Stimmung dieses poetischen Bildes, in dem alles leicht und schwebend ist, die nur angedeutete [..] Frau uns unmerklich zur Mondgöttin selber, zur heiligen Sichel, zur silbernen Seele wird."
Ernst Gosebruch, Schmidt-Rottluff, in: Genius, 1920, S. 10.

Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 18.42 h +/- 20 Min.

Die Sommermonate von Juni bis September 1919 verbringt Schmidt-Rottluff mit der Fotografin Emy Frisch, seiner langjährigen Lebensgefährtin, die er am 21. März heiratet, wie schon während der Kriegsjahre an der Ostsee im Örtchen Hohwacht. Der Künstler malt hier eine Reihe von wichtigen Bildern, wie etwa das Selbstporträt mit Hut oder das Emy-Bildnis als Pendant dazu. Es entstehen Bilder, die diesen sandigen Boden als Bühne für die Szenerien vorweisen, Bilder wie "Juniabend“ (Abb.) oder "Frauen im Grünen“ (Abb.), in denen seine Frau Emy neben einer weiteren Person, etwa der Kunsthistorikerin und Mäzenin Rosa Schapire, im Zentrum des Motivs steht. "Ich bin ja mit diesem Sommer, der mit einer lastenden Melancholie einen allzu empfänglichen Boden fand, sehr wenig zufrieden. Die ganze Qual der Kriegsjahre wirkte so sehr nach, dass ich mich noch gar nicht davon befreien konnte und mich dabei gegen die Arbeit sehr schwach fühlte. Etwas Vertrauen zur Farbe habe ich wiedergewonnen – das mag auch alles sein“, schreibt Schmidt-Rottluff am 28. August 1919 aus Hohwacht an seinen Freund und Sammler, den Kunsthistoriker Wilhelm Niemeyer. (Zit. nach: Gerhard Wietek, Schmidt-Rottluff in Hamburg und Schleswig-Holstein, Neumünster 1984, S. 62.) Dieses Bekenntnis fördert den melancholischen Anschein, den der Künstler mit dem Bildnis seiner Frau Emy in nächtlicher, vom Mond erhellter Sommernacht in harmonischer Farbpalette zum Ausdruck bringt. Komplementäre Kontraste in weichen Abstufungen füllen die Flächen dieses eng gewählten Ausschnitts einer Landschaft unweit der Ostsee. Nachdenklich tastend bewegt sich die Figur auf einem sandigen Weg, abseits von unbeleuchteten Häusern, zwischen grünem Buschwerk unter violettem Nachthimmel. Das romantische Motiv mit Mondschein- und Küstenlandschaften, mit schreitenden und meditierenden Frauen bewegt Schmidt-Rottluff mehrfach, ein ihn ergreifendes besonderes Erlebnis in lauen Nächten. Der Künstler kehrt verändert aus dem Krieg zurück und anstelle eines politischen Antriebs wie bei seinen Zeitgenossen entwickelt Schmidt-Rottluff eine hochgradige Empfindsamkeit aus der Gewissheit einer Verbundenheit mit dem Numinosen, dem Heiligen, dem Religiösen. Der Ausdruck der Bilder ist versöhnlicher, und ihre Formen sind runder und geschlossener. Zwischen Mensch und Natur herrscht wunderbarer Einklang und die Weite der Landschaft, die den Himmel mit einschließt, gibt Raum zum gedanklichen Verweilen. Noch im Jahr der Entstehung veröffentlicht die Berliner Galerie von Ferdinand Möller das Gemälde. Und 1920 zeigt Ernst Gosebruch den "Mondschein“ und andere Werke Schmidt-Rottluffs in einer Ausstellung im Kunstmuseum Essen und beschreibt das ihn einnehmende Werk: "Es ist zaubervoll, wie rein aus der Stimmung dieses poetischen Bildes, in dem alles leicht und schwebend ist, die nur angedeutete Frau uns unmerklich zur Mondgöttin selber, zur heiligen Sichel, zur silbernen Selene wird." (Zit. nach: Heinz Spielmann, in: Sammlung Hermann Gerlinger, Halle 2005, S. 89). [MvL]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Karl Schmidt-Rottluff "Mondschein"
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Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

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Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.