Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 62

 

62
Erich Heckel
Stehende Fränzi (Stehendes Kind), 1910/11.
Farbholzschnitt
Nachverkaufspreis: € 80.000
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Stehende Fränzi (Stehendes Kind). 1910/11.
Farbholzschnitt.
Ebner/Gabelmann 423 H b. 1. Dube H 204. Söhn HDO 216-2. Signiert und datiert. Im Stock monogrammiert. 36,7 x 27,5 cm (14,4 x 10,8 in). Papier: 49 x 39 cm (19,3 x 15,4 in).
Blatt 2 der 6. Jahresmappe der Künstlergruppe "Brücke". Die mindeste Auflagenhöhe orientiert sich an der Anzahl der passiven "Brücke"-Mitglieder, zu diesem Zeitpunkt waren es 68 Personen.

• Eine Ikone des deutschen Expressionismus.
• Selten auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten.
• Werk der 6. Jahresmappe der "Brücke".
• Abzüge dieses Holzschnitts befinden sich in renommierten Sammlungen wie dem Städel in Frankfurt am Main und der Staatsgalerie Stuttgart
.

PROVENIENZ:
Privatsammlung Baden-Württemberg.
Privatsammlung Süddeutschland (seit ca. 30 Jahren).

Der Farbholzschnitt "Fränzi stehend (Stehendes Kind)" gehört zu den wichtigsten Werken der deutschen expressionistischen Grafik. Er entsteht 1910/11 und wird in der von Erich Heckel gestalteten 6. Jahresmappe der "Brücke" veröffentlicht. Das Deckblatt hierfür wird von Hermann Max Pechstein ausgearbeitet. Die Mappe umfasst die wichtigsten grafischen Medien: Neben dem Farbholzschnitt "Fränzi stehend (Stehendes Kind)" eine Lithografie "Akte im Wald" und eine Radierung "Straße mit Fußgängern". Die Auflage der jeweiligen Jahresmappe orientiert sich an der Zahl der passiven Mitglieder der Künstlergruppe, 1911 sind es etwa 68 Personen. Durch die gemeinsam herausgebrachten Druckwerke präsentieren die aktiven Mitglieder der "Brücke" sich und ihre Bestrebungen einer neuen und freien Kunst der Öffentlichkeit. Im Zeitraum von 1906 bis 1908 hat Heckel nicht mit Farbholzschnitten gearbeitet. Ab 1909 wendet er ein neues, an Edvard Munch angelehntes Verfahren an, in dem die Holzschnittplatte zersägt wird. Die farbigen Flächen werden aus der Holzplatte ausgesägt und einzeln mit Farbe getränkt. Die farbigen und schwarzen Teile werden nach dem Einfärben wieder zusammengesetzt und in einem Druckgang gedruckt. Damit umgeht man die Überlappungen in den Rändern und erhält ein flächiges Druckbild. 1910 war der typische flächige "Brücke"-Stil bei Heckel, Kirchner, Schmidt-Rottluff und Pechstein endgültig ausgeprägt.

In dem hier angebotenen Holzschnitt ist Lina Franziska Fehrmann (1900-1950), genannt Fränzi, dargestellt. Sie ist etwa zehn Jahre alt, als sie in Dresden auf die "Brücke"-Künstler trifft. Erich Heckel bezieht Ende Oktober 1910 sein Atelier An der Falkenbrücke 2a. Ab diesem Jahr taucht Fränzi in einem breiten Spektrum von Posen und in allen Techniken als Motiv auf. Sie wird zum Insignum des "Brücke-Stils", besonders häufig wird sie in Werken von E. L. Kirchner und Erich Heckel festgehalten. Heckels Atelier lässt sich auch in diesem Holzschnitt verorten, für den eine Postkarte an Maschka Mueller vom 10. Januar 1911 neben einer Zeichnung "Stehendes Kind" von 1910 (Sammlung Deutsche Bank) als Vorlage gilt. Sowohl bei der Postkarte als auch beim Holzschnitt ist der gleiche Hintergrund zu erkennen: eine pinienbestandene Hügellandschaft. Dies ist ein Wandbehang, der Heckels Atelier seit Anfang des Jahres schmückt, wohl Eindrücke seiner Italienreise 1909 reflektiert und in zahlreichen seiner Werke wiederzufinden ist. Aus Italien bringt Heckel auch die Einflüsse der etruskischen Fresken mit, die sich deutlich in diesem Farbholzschnitt niederschlagen. Fränzi als Halbakt, eine von der Kontur bestimmte weibliche Gestalt, noch Kind, in der das Weibliche aufblüht, eingerahmt von einem flächig-dekorativen Hintergrund. Das Werk besticht durch seine klaren Konturen und stark gegeneinander abgesetzte Farbkontraste. Es gehört zu den schönsten Blättern der "Brücke". [SM]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Erich Heckel "Stehende Fränzi (Stehendes Kind)"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.