Auktion: 518 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 17.06.2021 in München Lot 52

 

52
Karl Hagemeister
Seeufer mit auffliegender Stockente, 1888.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 68.750

(inkl. Käuferaufgeld)
Seeufer mit auffliegender Stockente. 1888.
Öl auf Leinwand.
Warmt G 225. Unten links der Mitte signiert und datiert. 166,5 x 107,5 cm (65,5 x 42,3 in).

• Frühlingshafte, besonders lichtvolle Darstellung der charakteristischen Uferszenen.
• Harmonische Farbkomposition im für Hagemeister so typischen breiten, lockeren Duktus.
• Eine der frühen, 1888 im Hochformat entstandenen Schilflandschaften
.

PROVENIENZ: Galerie Wimmer, München.
Kunsthandel Seidel und Sohn, Berlin.
Privatsammlung Berlin (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Verkaufsausstellung Max Liebermann - Karl Hagemeister, Gemälde-Cabinett Unger, München, 13.6.-9.7.1988.

Während eines Parisaufenthaltes 1884 macht Hagemeister die Bekanntschaft mit Manet und den Impressionisten, was sein malerisches Werk nachhaltig beeinflusst. Mit einer zunehmend heller und zarter werdenden Farbpalette entwickelt er den Ton aus dem gleichmäßig im Raum verteilten Licht. Das Streben, aus der stilllebenartigen Naturauffassung zu einer intensiv bewegten Naturstimmung zu gelangen, führt ihn nach zwölf Jahren des Reisens in seine havelländische Heimat zurück. Hier bricht sich seine künstlerische Neuausrichtung in den Seenlandschaften am deutlichsten Bahn. Ähnlich wie das Pariser Umland wurden auch die märkischen Seen von den Berliner Stadtbewohnern als Naherholungsgebiet erschlossen und bieten den Malern in ihrer Vielfalt der Ausblicke und Stimmungen zahlreiche Motive, in denen sich die Ruhe und stimmungsvolle Atmosphäre einer dem großstädtischen Treiben enthobenen Natur entdecken lassen. In Ferch, einem kleinen Ort am südlichen Ende des Schwielowsees, erkennt Hagemeister, „dass die Natur kein Stilleben ist, sondern ein schöpferischer, ewig arbeitender Organismus“, den er in den wechselvollen Lichtstimmungen eines sich ständig verändernden, Wind und Wetter unterworfenen Eindrucks in der Farbe nachzuschöpfen versucht. Durchwirkt von einem frischen, leuchtenden Grasgrün im Wechselspiel mit zartgelben Farbtupfen zeigt Hagemeister die frühlingshafte Uferzone, in deren unberührter Idylle eine auffliegende Ente die sanfte, bewegungslose Ruhe des stillen Gewässers für einen kurzen Moment durchbricht. Charakteristisch für die 1880er Jahre, während denen er zurückgezogen in und mit der Natur lediglich für seine Malerei lebt, sind die in freier und bewegter, luftiger Malweise entstandenen Uferstücke der havelländischen Seen nahe seines Wohnortes Ferch. Viele der dortigen Anwohner besitzen selbst einen kleinen Kahn, so auch Hagemeister, den dieser zur Erkundung verborgener Orte im Dickicht des waldigen Gebietes nutzt. So gelingt es ihm, an jene Stellen zu gelangen, die so charakteristisch für seine oftmals "en plein air" entstandenen Kompositionen sind: Unmittelbare Aussichtspunkte in Nahsicht direkt vom niedrigen Kahn aus, über das dichte Schilf und die Gräser hinweg, verdeutlichen den Standpunkt des Malers und so auch des Betrachters direkt in der Natur, eingebettet wie die dort beheimateten Wasservögel. [KT]



52
Karl Hagemeister
Seeufer mit auffliegender Stockente, 1888.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 68.750

(inkl. Käuferaufgeld)