Auktion: 512 / Klassische Moderne II am 12.12.2020 in München Lot 415

 
415
Ernst Ludwig Kirchner
Gelbhaariges Mädchen, 1919.
Farbholzschnitt
Schätzpreis: € 20.000 - 30.000
+
Objektbeschreibung
Gelbhaariges Mädchen. 1919.
Farbholzschnitt.
Gercken 1087. Dube H 408. Schiefler H 387. Von fremder Hand bezeichnet. Verso mit dem Nachlassstempel (Lugt 1570b) und der handschriftlichen Nummerierung "H 387". Eines von nur 4 bekannten Exemplaren. Auf gelblichem Velin. 34,3 x 30 cm (13,5 x 11,8 in). Papier: 41,8 x 34,7 cm (16,5 x 13,7 in).

• Eines von nur vier bekannten Exemplaren.
• Prächtiges und farbkräftiges Druckbild.
• Erwähnung im Davoser Tagebuch des Künstlers im November 1919.
• Weitere Farbholzschnitte aus diesem Jahr befinden sich unter anderem im Museum of Modern Art in New York (Wintermondnacht/Martin), im Metropolitan Museum of Art in New York (Junkerboden), in der National Gallery of Art in Washington (Der blonde Maler, Stirner) und im Kunstmuseum Basel (Wettertannen)
.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers.
Privatsammlung Süddeutschland (seit 2007, zuvor in Familienbesitz).

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 17.30 h +/- 20 Min.

Essay
Ab 1917 verlässt Kirchner aufgrund seines gesundheitlichen Zustands immer häufiger das hektische Großstadttreiben in Berlin und reist stattdessen nach Davos, wo er sich nicht nur in Behandlung begibt, sondern insbesondere das abgeschiedene Leben inmitten der Davoser Bauernfamilien genießt. Kirchner und seine Lebensgefährtin Erna Schilling, "Frau Kirchner" genannt, pflegen gute Kontakte zu den ansässigen Familien. Den Sommer 1919 verbringt das deutsche Paar wie schon das Jahr zuvor auf der Stafelalp. Es entstehen Vorarbeiten für zahlreiche bedeutende Radierungen, meist Kaltnadelarbeiten, sowie für prachtvolle Holzschnitte von Nachbarn und befreundeten Familien, darunter auch Farbholzschnitte wie das hier angebotene Blatt. Für die Wintermonate zieht es Kirchner mit seiner Erna dann nach Frauenkirch in das Haus "In den Lärchen", das der achtköpfigen Familie Müller gehört, die Kirchner ebenfalls mehrfach in Fotografien, Zeichnungen und druckgrafischen Arbeiten porträtiert. So mag auch das hier dargestellte blonde Mädchen ein Kind aus einer Davoser Bauernfamilie sein. In seinem Winterdomizil überträgt er die auf der Stafelalp entstandenen Vorarbeiten auf die Druckstöcke. Auch der hier angebotene Holzschnitt findet nun in Kirchners Tagebuch Erwähnung. In einem Eintrag vom 11. bis 30. November 1919 schreibt er: "Das Bett weiter gearbeitet. Holzschnitte der Kühe und Hirt, das blondhaarige Mädchen, Kind mit Puppe, der Handorgelspieler, das Frauenbachtal." (zit. nach: Lothar Grisebach, Ernst Ludwig Kirchner. Das Davoser Tagebuch, Wichtrach/Bern 1997, S. 58). [CH]
 


Weitere Abbildungen
 
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