Auktion: 514 / Evening Sale am 11.12.2020 in München Lot 252

 
252
Konrad Klapheck
Der verhinderte Apostel, 1992.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 137.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Der verhinderte Apostel. 1992.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert und datiert. 90 x 60,5 cm (35,4 x 23,8 in).

• Klapheck gilt als Erfinder und Meister des Maschinenbildes, das er als Spiegel menschlicher Existenz begreift.
• In seinen irritierenden Bildwelten hat Klapheck seit den 1950ern nicht nur Elemente des Fotorealismus, sondern auch der Pop-Art vorweggenommen.
• Herausragendes Beispiel für Klaphecks Hinwendung zu existenziellen Bildinhalten, welchen er durch die Fokussierung auf die kleinen Dinge des Alltags in verzerrten Proportionen und surrealen Neukombinationen Ausdruck verleiht.
• Das vergleichbare Gemälde "Bekenntnis" (1989) befindet sich in der Sammlung der Hamburger Kunsthalle
.

Die Arbeit ist im unveröffentlichten Werkverzeichnis des Künstlers unter der Nummer 312 registriert. Wir danken Frau Prof. Elisa Klapheck für die freundliche Beratung.

PROVENIENZ: Galerie Lelong, Paris.
Privatsammlung Schweiz.
Schönewald Fine Arts, Düsseldorf (verso mit dem Etikett).
Galerie Jahn und Jahn, München.
Privatbesitz (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Konrad Klapheck. À l'âge de la violence, Galerie Lelong, Paris, Oktober - November 1997, Kat.-Nr. 4, mit Abb. (verso mit dem Etikett).
Konrad Klapheck. Im Zeitalter der Gewalt, Galerie Lelong, Zürich, 1998 (verso mit dem Etikett).
Konrad Klapheck - Tableaux Récents, MAMCO - Musée d'Art Moderne et Contemporain, Genua, Februar - Mai 2004.
Konrad Klapheck: Paintings, Zwirner & Wirth, New York, November - Dezember 2007, S. 115.
The Real: Three Propositions, White Cube, Bermondsey, London, Juli - September 2019 (verso mit dem Etikett).

LITERATUR: Arturo Schwartz, Konrad Klapheck, Mailand 2002, S. 160, mit Abb.

"Ich beschloß, ein ganzes System aus den Maschinenthemen aufzubauen und meine Biographie durch sie zu erzählen."

Konrad Klapheck, zit. nach: Mensch und Maschinen. Bilder von Konrad Klapheck, Bonn 2006, S. 85

Essay
Konrad Klapheck ist der Erfinder und unangefochtene Meister des Maschinenbildes. 1955 hat er sein erstes Schreibmaschinengemälde geschaffen und damit den entscheidenden Ausgangspunkt für sein weiteres Werk gefunden, das fortan Nähmaschinen, Bügeleisen, Wasserkessel, Telefone und andere Gegenstände des häuslichen Alltags in den Fokus rückt. Die Fokussierung auf den Alltagsgegenstand, der durch Monumentalisierung, Ausschnitthaftigkeit, Isolation und Neukombination verfremdet wird, ist nicht nur Klaphecks künstlerisches Lebensthema, sondern auch sein kunsthistorisches Alleinstellungsmerkmal. Seine einzigartige Bildsprache bleibt in Erinnerung, sie irritiert und fasziniert zugleich. Mit seinen real-surrealen Bildwelten hat Klapheck die Malerei des Fotorealismus und der Pop-Art in Teilen vorweggenommen und zugleich überwunden. Es ist diese besondere Detailschärfe und Sachlichkeit der Darstellung in Kombination mit verfremdenden Elementen und oftmals menschlich-emotionalisierenden Bildtiteln, die das Empfinden des Betrachters zwischen Nähe und Distanz oszillieren lässt. Für Klapheck steht nie allein der Gegenstand, sondern immer der durch diesen repräsentierte Mensch im Zentrum: " [..] ich [bin] gefragt worden: 'Ja, Sie haben doch so entzückende Kinder, wollen Sie nicht die mal malen? Und warum klammern Sie den Menschen aus?' Und damals habe ich immer gedacht: Aber der Mensch steht doch im Zentrum meines Werkes, er ist doch das Thema! Aber ich benutze die Instrumente, deren sich der Mensch bedient. Seit der Steinzeit hat sich der Mensch Selbstbildnisse geschaffen, vom ersten Steinkeil angefangen bis zum Computer von heute." (K. Klapheck, 2002, zit. nach: Klapheck. Bilder und Texte, München 2013, S. 114). Klaphecks sezierendem Blick auf seine alltägliche Umwelt ist nichts entgangen, und so widmet er sich in seinen späteren Arbeiten verstärkt den kleinen Protagonisten des Alltags, wie Kabeln, Ketten, Steckern und Schlüsseln. "Der verhinderte Apostel" ist ein besonders schönes Beispiel für diese Fokussierung auf nur scheinbar Nebensächliches. Ausgehend von den meist weiblich-mütterlich assoziierten Haushaltsgeräten der 1950/60er Jahre, finden sich später mit Fahrrädern, Motorrädern und Rollschuhen Erinnerungen an die eigene Jugend und die seiner Kinder, bis schließlich auch Glaubens- und Jenseitsvorstellungen in Klaphecks Werk Aufnahme finden. Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau bei einem Brand malt Klapheck, der jüdischen Glaubens ist, 1988 eine rote Schreibmaschine mit hebräischen Buchstaben und benennt diese "Schmerz". Arbeiten mit den Titeln "Das Opfer", "Bekenntnis" (1989, Hamburger Kunsthalle), "Angst" und "Schicksal" folgen. Erst Ende fünfzig ist Klapheck, als er das Gemälde "Der verhinderte Apostel" malt, das einen angeketteten und damit nutzlos gewordenen Schlüssel im Schlüsselkästchen zeigt, den Klapheck durch den Bildtitel als den Schlüssel zum Himmelreich ausweist. [JS]
252
Konrad Klapheck
Der verhinderte Apostel, 1992.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 137.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)