Auktion: 508 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 12.12.2020 in München Lot 365

 
365
Wilhelm Kuhnert
In der Savanne Ostafrikas, 1905.
Öl auf Leinwand, montiert auf Karton
Schätzpreis: € 3.000 - 4.000
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Objektbeschreibung
In der Savanne Ostafrikas. 1905.
Öl auf Leinwand, montiert auf Karton.
Rechts unten signiert, datiert "13.12.1905" und bezeichnet "o.A." [Ost-Afrika]. 38,5 x 64 cm (15,1 x 25,1 in).

Das Gemälde wird unter der Nr. 3793 in die in Vorbereitung befindliche Erweiterung des Werkverzeichnisses von Dr. Angelika Grettmann-Werner aufgenommen.

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 16.35 h +/- 20 Min.

Essay
Wilhelm Kuhnert darf unbestritten als der erste deutsche Freilichtmaler in Afrika gelten. 1891 bricht er zu seiner ersten Expedition in die damaligen Kolonien „Deutsch-Ostafrikas“ auf. Mit den dort entstandenen Motiven sorgt er 1893 bei der Großen Berliner Kunstausstellung für großes Aufsehen auch im Hinblick auf den sogenannten „Wettlauf um Afrika“, der die Kolonialisierungsbestrebungen dieser Zeit prägt, und untermauert so auch malerisch den deutschen Anspruch. In seinen Reisetagebüchern schildert Kuhnert die Strapazen, die ihm auf seiner zweiten Afrikaexpedition begegnen: „An einem Wasserloch versuchte ich zu malen, es ging vor Fliegen, Insekten, Schlangen und Fröschen sehr schlecht“, notiert er im Mai 1905. „Man kann kaum einen sicheren Strich hinsetzen und hat man dann mit vieler Not ein Stück hingestrichen, wupp, kommt plötzlich ein Wirbelwind und übersät das Ganze mit schwarzer Grasasche, dann nimmt man einen Spachtel und fängt von neuem an. […] Dabei brennt einem die sengend heiße Sonne ganz gehörig auf den Körper. Die Ölfarben laufen wie Wasser von der Palette. Mit einem Wort, das Malen hier ist keine Leichtigkeit“ (zit. nach: 4x Afrika und zurück, Ausst.-Kat. Iphofen, hrsg. von Markus Mergenthaler, Dettelbach 2011, S. 127ff). Kuhnert bedient sich dabei oftmals eines impressionistischen Duktus, der jedoch interessanterweise nicht wie in seiner Entstehung die regionale Landschaft als Freizeitstätte der Bourgeoisie in den Blick nimmt, sondern versucht, die Wildheit Afrikas dem malerischen Erwartungshorizont des europäischen Ausstellungswesens anzupassen. Die Expedition 1905 im heutigen Tansania wird von Aufständen gegen die deutsche Kolonialmacht überschattet, weshalb der Künstler seine Reise ins Landesinnere nicht fortsetzen kann, sondern nur entlang des Rufiji-Flusses bis Mahenge, einer befestigten Station der Deutschen, reist. Nach Teilnahme an den Kampfhandlungen Mitte November zieht er schließlich ins Landesinnere weiter. Starke Regenfälle zwingen ihn allerdings, bis zum 19.12. in Kwasadalla zu verweilen, wo vermutlich auch unser Gemälde vor Ort entsteht. Da sich auf dieser Expedition wenig Gelegenheit zur Tierbeobachtung bietet, widmet sich Kuhnert häufiger der Landschaft, die er in der Spontanität des direkten Eindrucks einfängt. [KT]
 


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