Auktion: 500 / Evening Sale am 17.07.2020 in München Lot 221

 
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Andy Warhol
Portrait of a Lady (Natalie Sparber), 1984.
Synthetische Polymer- und Siebdruckfarben auf L...
Schätzpreis: € 100.000 - 150.000
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Objektbeschreibung
Portrait of a Lady (Natalie Sparber). 1984.
Synthetische Polymer- und Siebdruckfarben auf Leinwand.
Verso auf der umgeschlagenen Leinwand mit der handschriftlichen Nummerierung "PO 50273", dem Nachlassstempel und dem Stempel der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc., sowie der handschriftlichen Bezeichnung "VP". Auch auf dem Keilrahmen mit der handschriftlichen Nummerierung "PO 50.273" sowie mit der zweiten handschriftlichen Nummerierung "10-980-2903". 102 x 102 cm (40,1 x 40,1 in). [CH].

• Im selben Jahr porträtiert Warhol unter anderem auch Michael Jackson, Grace Kelly und Prince.
• Zeigt den Glamour der 1980er Jahre.
• Die Frauenporträts gehören zu den gefragtesten Arbeiten des Künstlers.
• Unikat
.
Mit einer Fotoexpertise der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc., New York, vom 13. September 2002.

PROVENIENZ: Galerie Rudolf Budja, Salzburg.
Privatsammlung Süddeutschland (vom Vorgenannten erworben).

"Würdest du jeden porträtieren, der das Geld dazu hat? - Ja, und ich würde jeden porträtieren, der nicht das Geld dazu hat."
Andy Warhol 1976 in einem Gespräch mit Glenn O'Brien, zit. nach: Ausst.-kat. Andy Warhol. The Late Work, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, 14.2.-31.5.2004, S. 61

Aufrufzeit: 17.07.2020 - ca. 17.36 h +/- 20 Min.

Essay
Andy Warhol gilt nicht nur als bekanntester Vertreter der Pop-Art, sondern als einer der einflussreichsten amerikanischen Künstler des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Dreh- und Angelpunkt seines Oeuvres sind die vielfältigen und zahlreichen Porträts berühmter wie völlig unbekannter Persönlichkeiten, die Warhol in Gemälden, Zeichnungen, Fotografien und druckgrafischen Arbeiten verewigt. Die mit Polymer- und Siebdruckfarben auf Leinwand gebannten Porträts wie die hier angebotene Arbeit aus den 1980er Jahren entstehen stets auf Basis einer oder mehrerer vom Künstler selbst geschossenen Polaroid-Fotografien. Meist besucht das jeweilige Modell den Künstler für ein Fotoshooting in seiner Atelier-Werkstatt "The Factory" in New York City, bei dem Warhol meist zwischen 10 bis 200 fotografische Porträts anfertigt. Einzelne noch erhaltene Polaroid-Fotografien der hier Dargestellten, Natalie Sparber, wie auch zahlreiche weitere vorbereitende Polaroids dieser Zeit veranschaulichen den damaligen Ablauf hinter den Kulissen. Die Dargestellten werden hell abgepudert, oftmals stark geschminkt und meist mit freien Schultern abgelichtet. Wie auch ein anderes Modell scheint Natalie Sparber vom Künstler zu diesem Zweck ein kariertes Tuch umgelegt bekommen zu haben, das ihre Schultern frei lässt und den Hals optisch zusätzlich verlängert (vgl. Andy Warhol Museum (Hrsg.), Andy Warhol. 365 Takes, London 2004,S. 163). Ein auf manchen Fotografien sichtbares und in anderen dann wieder verschwindendes Muttermal an der unteren Wange und ein verspieltes, ins blondierte Haar geklemmtes Schleifchen offenbart die Präzision und Hingabe, mit denen Warhol sein Modell für das zu schaffende Porträt vorbereiten lässt. Nach dem Fotoshooting wählt der Künstler auf Basis bestimmter Kriterien wie Pose, Farbigkeit und Bildwirkung ein oder zwei Aufnahmen aus, die er mithilfe eines Projektors vergrößert und anschließend auf transparenter Folie nachgezeichnet und mit Farbe auffüllt, wobei Warhol - gleich eines zweidimensional arbeitenden Schönheitschirurgen - ganz entschiedene Veränderungen an der Optik der Dargestellten vornimmt. Nasen werden verkürzt, Falten geglättet, der Teint vereinheitlicht und Lippen vergrößert, um das Porträt in den Augen des Künstlers so attraktiv wie möglich zu machen. In einem aufwendigen Prozess wird die nachgezeichnete Fotografie dann zu einer Druckvorlage umgearbeitet und schließlich in ein geradezu perfektes Gemälde verwandelt. Einmal mehr tritt in diesen Arbeiten Warhols Obsession mit jugendlicher Schönheit und idealisierter Attraktivität zu Tage, nach der er nicht nur selbst strebt, sondern der er auch seine Porträtierten unterwirft.
Zu einer Zeit, in der die Porträtmalerei in der zeitgenössischen Kunst eher als aussterbende Gattung angesehen wird, schafft Warhol also mit künstlerisch-handwerklichem wie auch kommerziellem Geschick innovative, ganz neuartige und, wie sich herausstellen sollte, ikonenhafte Porträts, die der bekannte Kunsthistoriker Robert Rosenblum aufgrund des ihnen innewohnenden Zeitgeistes der 1980er Jahre schon als "social document[s] of a decade" bezeichnet (Robert Rosenblum, in: Tony Shafrazi, Andy Warhol. Portraits, London 2007, S. 23). Im gleichen Atemzug gelingt es Warhol mit seiner außergewöhnlichen Herangehensweise, die Dargestellten und damit auch Natalie Sparber durch die Verewigung in Öl zum einen zu erhöhen und durch den sich stets ähnelnden, schematisierenden Schaffensprozess zum anderen mit Legenden der Popkultur gleichzusetzen - jeder Mensch ist darstellungswürdig, jeder bekommt seine "fifteen minutes of fame". [CH]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Andy Warhol "Portrait of a Lady (Natalie Sparber)"
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Berechnung bei Differenzbesteuerung:
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Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20 % Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

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Berechnung bei Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.